Fliegende Autos – haben sie eine Zukunft? Teil 2

09.04.2015 |  Von  |  News

Geschätzte Lesezeit: 6 minutes

Keine Beiträge mehr verpassen? Hier zum Newsletter anmelden!
Fliegende Autos – haben sie eine Zukunft? Teil 2
5 (100%)
1 Bewertung(en)

Der erste Teil handelte von der Geschichte der fliegenden Autos und deren technischer Entwicklung. Manche beanspruchen für sich bereits Serienreife. Bevor die Geräte allerdings zum Massenverkehrsmittel taugen, müssen noch viele andere Fragen geklärt werden.

Fluglizenz statt Führerschein?

Ein wichtiger Punkt: Wie wird aus einem Autofahrer ein Pilot? Eine Lizenz, wie sie für Flugzeuge benötigt wird, kann nicht die Lösung sein. Der Aufwand für den Erwerb wäre zu gross und zu teuer. Das DLR und die Universität Liverpool haben deshalb ein Cockpit für Simulationen entwickelt, dessen Interieur einem Auto ähnelt. Bei den bisherigen Versuchen ist es normalen Autofahrern gelungen, sich nach etwa fünf Stunden die notwendigen Fertigkeiten anzueignen, wobei allerdings viele Funktionen automatisch ablaufen, ähnlich einem Autopiloten im Flieger. Die Wissenschaftler des Konsortiums setzen vor allem auch auf die Fortschritte der Autohersteller in Bezug auf autonomes Fahren. Sensoren, Kameras inklusive Bildverarbeitungssoftware, die Kommunikation von Auto zu Auto sind schon so gut wie serienreif und könnten auch bei Flugautos eingesetzt werden.

Dies ist ein Bericht über fliegende Autos in zwei Teilen. Hier das Inhaltsverzeichnis:

Teil 1: Fliegende Autos – haben sie eine Zukunft?

Teil 2: Fliegende Autos – haben sie eine Zukunft?

Wo dürften Flugautos verkehren?

Wie kann man einen reibungslosen und sicheren Verkehr mit fliegenden Autos gewährleisten? Natürlich könnte das bestehende Straßen- und Autobahnnetz ein Anhaltspunkt für zukünftige Flugwege sein. Statt Fahrspuren gäbe es dann Flugebenen, für die über dem Boden der unkontrollierte Luftraum bis 500 Meter Höhe zur Verfügung gestellt werden könnte, also genau der Bereich, der nicht durch die Luftverkehrskontrolle für normale Flugzeuge überwacht wird. Zur Verhinderung von Zusammenstössen müssten die Personal Air Vehicles (PAV) selbstständig miteinander kommunizieren. Eine Automatik müsste auch eingreifen, falls der „Auto-Pilot“ aussergewöhnliche Flugmanöver beabsichtigt oder „bei Rot über die Ampel fliegen“ will. Grundsätzlich wäre es Aufgabe der Verkehrsbehörden aller Länder, entsprechende Regeln auszuarbeiten, gesetzlich festzulegen und international abzustimmen, wobei in Grossbritannien natürlich „links“ geflogen werden müsste. Aber Scherz beiseite. An eine externe Flugsicherung mit Fluglotsen, Control Towers etc. dürfte bei ähnlichem hohem Verkehraufkommen wie derzeit auf den Strassen von Grossstädten wohl kaum zu organisieren sein.


Modell des im Film „Zurück in die Zukunft“ verwendeten DeLoreans DMC-12. (Bild: DearEdward, Wikimedia, CC)

Modell des im Film „Zurück in die Zukunft“ verwendeten DeLoreans DMC-12. (Bild: DearEdward, Wikimedia, CC)


Wie steht es um den Umweltschutz?

Diese Frage dürfte wohl mit die heftigsten Diskussionen auslösen. Das betrifft nicht nur den Energieverbrauch, sondern vor allem auch die Lärmemissionen. Es scheint klar zu sein, dass Flugautos elektrisch betrieben werden müssen, um für möglichst wenig Lärmbelästigung zu sorgen. Entsprechende Batterien sind bisher aber noch nicht leistungsfähig genug und viel zu schwer. Trotz jüngster Fortschritte in der Entwicklung von Hubschraubern wird der Lärm beim Starten und Landen grundsätzlich nur kaum oder gar nicht zu senken sein. Dafür bedürfte es Technologien, die heute noch nicht vorstellbar sind.

Flugautos wären insgesamt ein schwerer Eingriff in die Natur, zum Beispiel beim Tier- und Pflanzenschutz. Wie würde sich der Flugverkehr auf die Vogelwelt auswirken? Müssten mehr und mehr Bäume weichen, um Platz für sichere Flugwege zu schaffen? Das sind alles Fragen, die diskutiert und geklärt werden müssen.

Weitere Probleme

Flugautos wären auf jeden Fall weitaus abhängiger von den Wetterverhältnissen als normale Fahrzeuge. Bei starkem Nebel, Sturmböen oder dichtem Schneetreiben kommt es schon auf den Strassen zu deutlich mehr Unfällen als bei gutem Wetter. Das Sicherheitsrisiko bei fliegenden Autos läge weitaus höher. Bleibt nicht zuletzt die Preisfrage. Die aktuellen Prototypen wie Terrafugia und Aeromobil werden laut Angaben der Entwickler zum Zeitpunkt der Serienreife zwischen 200’000 und 300’000 Euro kosten, also für Otto Normalverbraucher erstmal unerschwinglich bleiben. Sinkende Preise wird es erst mit grösseren Absatzzahlen geben. Zudem gibt es ein weiteres rechtliches Problem. Wer haftet bei Unfällen, die nicht durch die eingesetzte Technik verhindert werden konnten? Der Pilot? Oder sogar die Hersteller des Fluggerätes?



 Wo Flugautos richtig interessant sein könnten

Experten halten es für möglich, dass Flugautos zu Beginn ihrer „Karriere“ eher als öffentliche oder halböffentliche Verkehrsmittel eine Rolle spielen könnten. Denkbar seien Shuttle-Dienste, Luftbusse, oder Air-Taxis, an deren Landeplätzen man in andere Verkehrsmittel umsteigt, oder auch Sharing-Modelle analog zum gebräuchlichen Car-Sharing. Interessant und durchaus sinnvoll ist ebenfalls der Gedanke, Flugautos bei Rettungsmassnahmen einzusetzen, etwa für Notärzte und Verletztentransporte nach Unfällen.

Fazit: Die Entwicklung fliegender Autos wird weitergehen und wahrscheinlich vom technischen Standpunkt irgendwann ausgereift sein. Es sind aber noch viele andere Fragen zu klären, bevor wir uns aus dem Stau erheben können.

 

Oberstes Bild: PAL-V ONE vor dem Abflug (© PAL-V Europe NV, Wikimedia, CC)

Über Ulrich Beck

hat Germanistik, Geschichte und Philosophie studiert und ist zusätzlich ausgebildeter Mediendesigner im Segment Druck. Er schreibt seit über 30 Jahren belletristische Texte und seit rund zwei Jahrzehnten für Auftraggeber aus den unterschiedlichsten Branchen.


Ihr Kommentar zu:

Fliegende Autos – haben sie eine Zukunft? Teil 2

Für die Kommentare gilt die Netiquette! Erwünscht sind weder diskriminierende bzw. beleidigende Kommentare noch solche, die zur Platzierung von Werbelinks dienen. Die belmedia AG behält sich vor, Kommentare ggf. nicht zu veröffentlichen.