Airbus und Boeing glauben an ein gigantisches Wachstum im Flugzeugbau

15.10.2014 |  Von  |  Finanzen, Organisation
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Airbus und Boeing glauben an ein gigantisches Wachstum im Flugzeugbau
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Airbus, der europäische Flugzeugbauer, erwartet in den nächsten 20 Jahren mehr als eine Verdopplung der Maschinenzahl rund um den Globus. Derzeit sind rund 18’500 Flieger bei den Airlines weltweit unterwegs, kleinere Flugzeuge wie Firmen- oder Privatjets nicht mitgerechnet. In den nächsten zwei Jahrzehnten werden alle Hersteller zusammen etwa 31’400 Passagier- und Frachtflugzeuge ausliefern – mit einem Gesamtvolumen von 4,6 Billionen Dollar. Der Boeing-Konkurrent sieht die Entwicklung damit optimistischer als noch im Vorjahr, wo von 2’000 Stück weniger die Rede war.

Nach den Schätzungen des zweitgrössten Flugzeugherstellers der Welt werden die Fluggesellschaften im Jahr 2033 etwa 37’500 Jets mit einer Kapazität von mehr als 100 Passagieren in Betrieb haben. Im Passagier-Bereich wird der Verkehr pro Jahr um 4,7 Prozent zunehmen. Bei Boeing ist man sogar noch zuversichtlicher. Der amerikanische Konzern, der seinen Hauptsitz in Chicago hat, stellte im Sommer 2014 die Prognose auf, dass in den nächsten beiden Dekaden 36’770 Maschinen in einem Gesamtwert von 5,2 Billionen Dollar ausgeliefert werden.



Experten der Branche hatten zuletzt befürchtet, steigende Zinsen in den USA könnten die Nachfrage nach neuen Fliegern senken. John Leahy, der Vertriebschef von Airbus, teilt diese Furcht nicht. Er glaubt weiterhin an eine robuste Nachfrage. Auch wenn beide Unternehmen ihren Optimismus für die Zukunft teilen – das Potenzial des Marktes sehen sie in unterschiedlichen Bereichen. Bei Airbus glaubt man an den Erfolg sehr grosser Maschinen wie den A380 und rechnet mit einem Auftragsvolumen von 1’500 Stück. Boeing dagegen erwartet weniger als die Hälfte in diesem Segment.

Interessanter ist wohl der Markt für Langstreckenjets mit zwei Gängen und drei Sitzreihen, wo die Konkurrenten mit dem Airbus A350 bzw. dem Boeing 787 Dreamliner vertreten sind. Letzterer hat sich in der Vergangenheit hauptsächlich durch Pannen ausgezeichnet, aber langfristig wird Boeing die Probleme wohl in den Griff kriegen. Airbus will den ersten A350 in Kürze an Qatar Airways ausliefern, allerdings steht die Abnahme durch die zuständigen Sicherheitsbehörden noch aus. Für diesen Typ erwartet Airbus einen Absatz von 9’300 Maschinen mit einem Wert von rund 2,5 Billionen Dollar in den kommenden 20 Jahren.

Die Augen der Produzenten richten sich vor allem auf den asiatischen Markt, der wohl knapp die Hälfte aller Flugzeuge ordern wird. 16 Prozent gehen nach den Schätzungen an Airlines am Persischen Golf, 15 Prozent an europäische Gesellschaften. Bei Airbus übersteigt die Nachfrage bei den Typen A350 und A330 bereits die Kapazitäten. Das Unternehmen will in 2015 über eine Erhöhung der Produktionszahlen entscheiden.

Optimismus bei Airbus und Boeing - die Branche der Flugzeugbauer geht rosigen Zeiten entgegen. (Bild: nitinut380 / Shutterstock.com)

Optimismus bei Airbus und Boeing – die Branche der Flugzeugbauer geht rosigen Zeiten entgegen. (Bild: nitinut380 / Shutterstock.com)




Wichtigstes Marktsegment werden mit 70 Prozent aber die Kurz- und Mittelstreckenjets mit einem Standardrumpf sein, wie der A320 oder die Boeing 737. Airbus kalkuliert mit 22’000 neuen Maschinen, Boeing gar mit 25’680 Stück in diesem Segment. Mehr als ein Drittel dürfte in die Schwellenländer China und Indien ausgeliefert werden, 20 Prozent nach Europa. Beim A320 hat Airbus bereits auf die höhere Nachfrage reagiert. Bis 2016 soll die Produktion auf 46 Maschinen pro Monat gesteigert werden. Der Zeitplan bei Boeing sieht den Bau von 47 Fliegern vom Typ 737 bis 2017 vor. Zudem denken beide Konkurrenten darüber nach, die Stückzahlen weiter zu erhöhen.

Die Weltmarktführer können sich angesichts der Prognosen nicht beschweren. Trotzdem haben beide Unternehmen mit – wenn auch unterschiedlichen – Problemen zu kämpfen. Airbus hat zuletzt mehr Neubestellungen (1’062) als Boeing (exakt 1’000) in seine Auftragsbücher schreiben können, hinkt aber beim Bau hinterher. Die amerikanische Konkurrenz punktet dagegen mit einer zügigeren Herstellung. Airbus kam auf 140 Auslieferungen im dritten Quartal 2014, zehn weniger als im Vorjahr. Boeing steigerte seine Produktion um 16 Maschinen auf 186 für den gleichen Zeitraum.

Wie wichtig der Markt in China ist, verdeutlicht eine aktuelle Erfolgsmeldung von Airbus. Mit China Aviation Supplies hat der Flugzeugbauer einen Vertrag über die Lieferung von 70 Maschinen der A320er Reihe abgeschlossen – Gesamtwert: rund sieben Milliarden Dollar. Zudem soll in der Stadt Tianjin, wo es bereits eine A320-Endmontagelinie gibt, in den nächsten Jahren ein Fertigstellungszentrum für den A330 aufgebaut werden. Nach der Montage in Toulouse sollen die Jets nach China geflogen werden und in Tianjin dann die Ausstattung der Kabinen sowie die Lackierung erhalten. Auch Triebwerkstests und die endgültige Auslieferung an die Kunden werden dann von hier aus erfolgen.



 

Oberstes Bild: © Jordan Tan – Shutterstock.com

Über Ulrich Beck

hat Germanistik, Geschichte und Philosophie studiert und ist zusätzlich ausgebildeter Mediendesigner im Segment Druck. Er schreibt seit über 30 Jahren belletristische Texte und seit rund zwei Jahrzehnten für Auftraggeber aus den unterschiedlichsten Branchen.


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