Warum im Business Praxis die Theorie abhängt

14.07.2014 |  Von  |  Organisation, Selbstmanagement

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Warum im Business Praxis die Theorie abhängt
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Theoretisch bin ich Millionär – aber praktisch weiss ich gar nichts. Wer ein Studium abschliesst, bringt eigentlich alle Voraussetzungen mit, um erfolgreich ins Berufsleben zu starten. Im Alltag jedoch sieht die Welt anders aus.

Dort spielt nämlich die Praxiserfahrung eine gewaltige Rolle: Der Begriff Erfahrung darf auch nach jahrelangem Studium nicht unterschätzt werden. Daraus folgt, dass während des Studiums unbedingt Ausflüge in die Praxis gemacht werden müssen, denn sonst sieht es später gegen die Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt sehr düster aus.



Warum ist Erfahrung so wichtig?

Dafür sprechen gleich mehrere Punkte, wie beispielsweise:

  • eine reibungslose Integration. Wer bereits weiss, wie in grossen Unternehmen der Hase läuft, kann sich später sehr schnell in den Arbeitsalltag in Betrieben integrieren. Muss ein potenzieller Kandidat hingegen erst bei jedem Arbeitsablauf nachfragen, entsteht daraus ein gewaltiger Nachteil gegenüber den eingearbeiteten Studenten.
  • Eine einfache Entscheidungsfindung. Möglicherweise studiert man über Jahre hinweg auf ein bestimmtes Ziel hin, nur um anschliessend festzustellen, dass dieser Beruf gar nicht so aufregend ist, wie man ihn sich in seiner Fantasie vorgestellt hatte. Wer früh Erfahrungen sammelt und in verschiedene Branchen reinschnuppert, weiss ganz genau, wo die spätere Berufslaufbahn hinführen wird und kann sich entsprechend vorbereiten.
  • Der Wille der Unternehmen. Selten ist man als Student der einzige kluge Kopf im Land. Wenn sich auf eine einzige Stelle fünf Personen bewerben und allesamt dieselbe theoretische Qualifikation aus der Universität mitbringen, müssen die Personalleiter andere Kriterien für ihre Entscheidung anführen – und nicht selten handelt es sich dabei um die Erfahrungen, die der Kandidat bereits gesammelt hat. Wenn dort einfach eine Lücke klafft, hat man von vornherein schlechte Karten.
Selten ist man als Student der einzige kluge Kopf im Land. (Bild: Syda Productions / Shutterstock.com)

Selten ist man als Student der einzige kluge Kopf im Land. (Bild: Syda Productions / Shutterstock.com)




Erstaunlich ist hierbei auch die Diskrepanz zwischen den Erwartungen der Studenten und Unternehmen. Viele Studierende machen es sich zum Ziel, das Studium schnellstmöglich abzuschliessen, um anschliessend im Berufsleben durchstarten zu können. Unternehmen hingegen ist es trotz weitläufig gegenteiliger Meinung nicht unbedingt unangenehm, wenn ein Bewerber 27 statt 26 Jahren alt ist – und dieses zusätzliche Jahr dafür in die Praxis investiert wurde. So ersparen sich die Betriebe nämlich den Job als ausbildendes Unternehmen.

Ist Praxis wirklich so wichtig?



Ja! Verbreitet sind in diesem Zusammenhang die Zahlen 70, 20 und 10 (die, ironischerweise, natürlich aus der Welt der Theorie kommen). Demnach entsteht Gelerntes zu …

… 70 % durch Arbeit im Alltag. Zwar ist Lernen auch eine gewisse Form der Arbeit, in diesem Zusammenhang ist aber handfeste Arbeit in Unternehmen gemeint.

… 20 % durch Interaktionen mit anderen Personen. In den meisten Fällen sind das Vorgesetzte oder andere Kollegen, die über ein höheres Mass an Fachwissen verfügen als man selbst.

… 10 % durch Unterricht, wie wir ihn aus Schulen und Universitäten kennen, – und das ist natürlich eine erschreckend kleine Zahl, wenn man bedenkt, wie viele Jahre in Universitäten zugebracht werden.

Dann sollen die Universitäten eben ihr Angebot verbessern!

So einfach ist es leider nicht. Der 10-%-Anteil kann von ihnen zwar problemlos umgesetzt werden, aber bereits beim Vermitteln von Angeboten, um Erfahrung im Austausch mit anderen Personen zu sammeln, hapert es. Auch können Universitäten keinerlei Praxiserfahrung in Unternehmen vermitteln – Studenten müssen in diesem Fall also selbst aktiv werden. Ein weiterer Bildungsstandort gehört, neben dem Besuch von Universitäten oder Fachhochschulen, also inzwischen schon fast zum Pflichtprogramm für Studenten, die sofort in den Beruf starten möchten und nicht erst Praktika oder ähnliche „Schnupperkurse“ entdecken wollen.



Theorieanhänger dürfen ausserdem nicht vergessen, dass die Erlebnisse, die während dieser Ausflüge in die Unternehmenswelt gesammelt werden, nicht umsonst sind. Natürlich können die gesammelten Erfahrungen in eine mögliche Masterthesis einfliessen oder später beim Promovieren für einen Doktortitel genutzt werden. Ein beispielsweise sechsmonatiges Praktikum ist also mitnichten vertrödelte Zeit, die nur den Hochschulabschluss hinauszögert.

Nachsicht mit den Unternehmen

Bei aller nun eventuell auftretenden Euphorie darf jedoch nicht verheimlicht werden, dass Unternehmen die frischen Studenten nicht sofort an den Meetings der Führungspositionen teilnehmen lassen. Betriebe wissen sehr wohl darüber Bescheid, dass Studenten in der Regel theoretisch sehr viel Wissen angehäuft haben, aber sich nur selten darüber im Klaren sind, wie dieses Wissen angewendet werden kann.

Niemand darf also erwarten, bei einem Unternehmen testweise anzufangen und sofort verantwortungsvolle Aufgaben zu übernehmen. Wahrscheinlich werden Sie nicht anders behandelt werden als ein durchschnittlicher Auszubildender: Sie selbst wissen um Ihre Expertise, aber die Unternehmen nicht. Üben Sie also Nachsicht und arbeiten Sie sich Stück für Stück ein – denn sonst bringt Ihnen auch der schönste Doktortitel nichts.



 

Oberstes Bild: © Dusit – Shutterstock.com


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