Gehaltsverhandlungen als junger Chef

15.07.2014 |  Von  |  Finanzen, Selbstmanagement
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Gehaltsverhandlungen als junger Chef
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Eine Gehaltserhöhung versüsst jedem Ihrer Mitarbeiter den Alltag (und die kommenden Jahre) – aber wann ist der richtige Zeitpunkt gekommen? Bei Gehaltsverhandlungen treffen die Welten der Unternehmensleiter und der „einfachen Fachkräfte“ aufeinander.

Dabei müssen Sie Fingerspitzengefühl zeigen, denn Sie wandeln permanent auf sehr dünnem Eis: Wie setzen Sie das Interesse des Unternehmens (möglichst niedrige Löhne bei maximaler Produktivität) mit den Interessen des Mitarbeiters (möglichst höhere Löhne für dieselbe Arbeit) in ein gesundes Verhältnis? Wir zeigen Ihnen, worauf Sie sich gerade als junger Chef bei Gehaltsverhandlungen einstellen sollten.



Trennen Sie Emotionen von der Situation

Ihnen gegenüber sitzt ein Mitarbeiter, der Ihnen zunächst darlegt, wie schlecht es ihm derzeit geht und was in seinem Leben alles schiefläuft. Sie können das wahrscheinlich nachempfinden und es kann durchaus sein, dass Sie Mitgefühl empfinden – aber die Gehaltsvorstellungen sollten Sie davon nicht beeinflussen lassen. Sie leiten ein Unternehmen und sind damit nicht Teil einer gemeinnützigen Stiftung. Das klingt zwar hart, aber in der Unternehmenswelt gibt es keinen anderen Weg. Ansonsten würde nämlich praktisch jeder Mitarbeiter früher oder später ankommen und Ihnen seine ganz persönliche Leidensgeschichte erzählen. Bewerten Sie also strikt nach Leistung: Wer viel mehr leistet als andere, darf sich auch die Frage nach mehr Gehalt erlauben.

Lassen Sie sich nicht erpressen. (Bild: IdeaGU / Shutterstock.com)

Lassen Sie sich nicht erpressen. (Bild: IdeaGU / Shutterstock.com)

Lassen Sie sich nicht erpressen



Einige besonders schlaue Mitarbeiter versuchen es mit Sätzen wie: „Wenn Sie meinen Forderungen nicht nachgeben, muss ich mir wahrscheinlich einen anderen Arbeitgeber suchen.“ Falls Ihnen das einmal passieren sollte, gibt es eine einfache Lösung: Lassen Sie die Person gehen. Sehr offensichtlich hat dieser Mitarbeiter viele Dinge im Sinn, aber nicht die Interessen Ihres Unternehmens. Ein nerviger Nebeneffekt für den Fall, dass Sie doch nachgeben, wird Ihnen dann in Zukunft begegnen. Haben Ihre Mitarbeiter nämlich einmal herausgefunden, dass Sie sich so einfach erweichen lassen, werden sie dies häufiger versuchen. Offensichtlich können Sie sich dies als Chef nicht erlauben. In den allermeisten Fällen schiessen sich diese Mitarbeiter damit ohnehin ein Eigentor, da sie danach auf der Beliebtheitsskala im Unternehmen weit unten rangieren und natürlich auch ein eventueller neuer Arbeitgeber von diesem Erpressungsversuch erfahren wird.



Informieren Sie sich im Vorfeld über die „Tricks“ der Mitarbeiter

Bei Gehaltsverhandlungen verfügt natürlich auch die Gegenseite über ein gewisses Mass an Erfahrung. Verbreitet ist beispielsweise der Einstieg mit einer Gehaltsvorstellung, die weit über dem eigentlichen Durchschnitt liegt, sodass Sie versuchen werden, den Preis zu drücken, nur um am Ende noch immer ein stattliches Plus an diesen Mitarbeiter zu verteilen. Möglicherweise weist der Mitarbeiter Fragen auch à la „Was denken Sie denn, wie viel ich verdienen sollte?“ an Sie zurück (eine Frage, die Sie keinesfalls beantworten sollten). Machen Sie sich vorher über diese Verhandlungstricks schlau und fragen Sie im Zweifelsfall Kollegen in Ihrer Position, welche sich bereits mit den schlauen Kniffen der Mitarbeiter auskennen.

Die wichtigen Fragen



Weiterhin müssen Sie sich angewöhnen, die richtigen Fragen bei einer Gehaltsverhandlung zu stellen. Ihr Gegenüber wird Ihnen wahrscheinlich sehr viele Gründe nennen, warum Sie der Person unbedingt mehr Geld zahlen müssen. Wirklich wichtig sind hingegen Fragen wie die Folgenden, die allesamt auf die Leistung des Mitarbeiters abzielen:

  • „Mitarbeiter x ist in derselben Position wie Sie. Warum denken Sie, dass Sie mehr Geld bekommen sollten als er?“
  • „Können Sie mir Beispiele in der jüngeren Vergangenheit nennen, die zeigen, dass Sie die normalerweise an Sie gerichteten Erwartungen übertreffen?“
  • „Haben Sie in den letzten Monaten deutlich mehr Verantwortung übernommen?“
  • „Gelangen wir durch Ihre Arbeit an deutlich mehr Kunden für unser Unternehmen als durch die anderen Mitarbeiter?“

Sie sehen, dass all diese Beispiele nur auf dem Leistungsprinzip beruhen. Es handelt sich stets um rationale Fragen, welche Ihr Gegenüber problemlos beantworten können sollte. Falls Sie nur schwammige Antworten bekommen, welche der eigentlichen Fragestellung ausweichen, ist dies ein recht sicheres Zeichen dafür, dass der Mitarbeiter keine Gehaltserhöhung verdient hat – oder schlecht vorbereitet ist.

Es ist kein Wettkampf!

Wir haben Sie in diesem Artikel dazu angehalten, rational zu agieren. Daraus dürfen Sie aber nicht zu dem falschen Schluss kommen, dass Sie um jeden Preis versuchen sollten, eine Gehaltserhöhung zu vermeiden. Bedenken Sie: Sie können hier nicht gewinnen oder verlieren. Es handelt sich bei diesen Verhandlungen nur um ein Abgleichen von Tatsachen und das Ziehen der richtigen Schlüsse. Wenn ein Mitarbeiter alle Erwartungen übertrifft und sehr gute Gründe für eine Erhöhung nennen kann, sollten Sie dieser Person unbedingt mehr Geld zahlen – und das sogar mit Freude, denn Sie erhalten offensichtlich eine hervorragende Gegenleistung und wollen, dass das auch in Zukunft so bleibt.



 

Oberstes Bild: © Pressmaster – Shutterstock.com


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