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Trinkgelder in der Gastronomie – sind sie wirklich noch nötig?

29.05.2014 |  Von  |  Allgemein

Geschätzte Lesezeit: 3 minutes

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Trinkgeld? Wollen wir nicht! Ausgerechnet in den USA gehen viele Restaurants dazu über, Trinkgelder für ihre Angestellten regelrecht zu verbieten. Das Beispiel könnte Schule machen und auch auf andere Länder übergreifen – aber wäre das überhaupt ein Nachteil für die Gastronomiebranche und ihre Arbeitnehmer?

In der Schweiz und auch im deutschsprachigen Umland gelten 10 bis 15 % der Rechnung als angemessen, wenn man der Bedienung ein Trinkgeld zukommen lassen möchte. Wer in den Vereinigten Staaten seine Dankbarkeit ausdrücken möchte, muss schon tiefer in die Tasche greifen: Bis zu 25 % sind dort keine Seltenheit. Mittlerweile distanzieren sich aber gerade die Betreiber höherklassiger Restaurants vom klassischen Trinkgeld. Stattdessen steigen einfach die Menüpreise an, so dass die Inhaber die gestiegenen Einnahmen direkt an die Angestellten weiterleiten können – in der Theorie.



In den USA sieht man die Entwicklung zwiespältig: Während sich gehobene Etablissements die höheren Menüpreise leisten können, können kleinere Restaurants wohl nicht so einfach die Preise anheben, weil die Kundschaft sonst einfach zur Konkurrenz abwandert. Der Mindestlohn beträgt dort weiterhin nur 7,25 US-Dollar – was derzeit etwa 6,40 Franken entspricht und selbst auf sündhaft teure Metropolen wie New York zutrifft. Auch aus diesem Grund sind die Trinkgelder ein essenzieller Bestandteil des Gehalts von Arbeitnehmern in dieser Branche.

Kann das funktionieren?

Immerhin: Die Angestellten können auch profitieren, da sie auf diese Weise besser kalkulieren können, wie viel Geld sie denn tatsächlich pro Monat erhalten. Ausserdem sind sie vor den Launen der Gäste weitgehend geschützt. Gabriel Frem, Betreiber eines Edel-Restaurants in Los Angeles, äussert auch noch die Bemerkung, dass schliesslich die Betreiber die Kellner engagieren und bezahlen – und nicht die Gäste. Willkür bei der Bezahlung würden auch die eigenen Angestellten nicht schätzen.

Möglicherweise kann dieses Modell auch nach Europa vordringen. Gerade wir stehen übrigens in einem schlechten Ruf: Da Deutsche, Schweizer, Franzosen und Italiener gerne knausern, wenn es um das Trinkgeld geht – unabsichtlich wohlgemerkt –, berechnen viele US-amerikanische Kellner ihr Trinkgeld einfach in die normale Rechnung mit ein. Auch dies könnte durch die höheren Rechnungsbeträge bald der Vergangenheit angehören, falls sich das Konzept wirklich auf breiter Fläche durchsetzt.



 

Oberstes Bild: © Doremi – Shutterstock.com



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