Die perfekte Bewerbung – und warum Sie sie nicht überbewerten sollten

22.04.2014 |  Von  |  Selbstmanagement
Keine Beiträge mehr verpassen? Hier zum Newsletter anmelden!
Die perfekte Bewerbung – und warum Sie sie nicht überbewerten sollten
5 (100%)
1 Bewertung(en)

Sie sind Personalverantwortlicher und bekommen hin und wieder einige interessante Bewerbungen auf den Schreibtisch gelegt – aber kleine Fehler oder Lücken lassen Sie bereits an der Person zweifeln? Da handeln Sie meist zu eifrig, denn der „perfekte Lebenslauf“ ist manchmal gar nicht so perfekt, wie Sie es glauben.

Falscher Fokus auf Perfektion



Wir kennen diese Geschichte alle: Ein neuer Bewerber Anfang 20 muss am besten ein abgeschlossenes Hochschulstudium vorweisen können, ein Auslandssemester, eine ehrenamtliche Tätigkeit sowie bereits ein Praktikum bei einem grossen, angesehenen Unternehmen abgeschlossen haben. Keine Frage, wer diese Voraussetzungen erfüllt, ist bei allen Personalchefs ein gern gesehener Bewerber. Allerdings trifft ebenso zu, dass nur ein Bruchteil der Bewerber diese Kenntnisse tatsächlich mitbringt – und daraus folgt, dass diese Expertise nicht als Ihr Massstab gelten darf.

Denn auch Menschen mit „unschönen“ Lebensläufen haben ein enormes Potenzial, Ihr Unternehmen weiterzubringen. Das wussten die Leiter kleinerer Firmen schon immer: Da wurde gerne auch zwischen den Zeilen gelesen. Nach dem Motto „Wenn er diese unschöne Passage in seinem Leben gemeistert hat, wird er auch mit den Herausforderungen in unserem Unternehmen fertig“ können diese Schwierigkeiten gerade dazu beitragen, einen echten Charakter mit Durchhaltevermögen in Ihr Unternehmen zu holen – und das wollen Sie schliesslich.

Bewerber mit Erfahrung sind gefragt

Die Zeiten, in denen Bewerber eine möglichst schneeweisse Weste vorweisen mussten, sind heute in vielen Unternehmen schon vorbei. Abteilungsleiter fragen vermehrt auch nach Männern und Frauen mit Ecken, Kanten und Durchsetzungsvermögen – und nicht nach weichen Allroundern, die nur auf dem Papier gut aussehen, aber keinerlei Praxiserfahrung in der harten Wirtschaftswelt vorweisen können. Diese Personen sind häufig sehr viel besser als Vorbilder für den „normalen Mitarbeiter“ geeignet. Karrieretypen, welche ihre Zeugnisse auf Anfrage aus dem Ärmel schütteln, passen da nicht ins Bild.



In der „Generation Y“ verändern sich damit gleichzeitig auch die Anforderungen der Bewerber an Ihr Unternehmen. Früher galt es als unzweifelhaft, dass das Ziel die bestmögliche Stelle mit der höchstmöglichen Bezahlung im Unternehmen war. Heute hingegen sind andere Faktoren ebenso wichtig: Zeit für die Familie und Freunde, Flexibilität hinsichtlich des Arbeitsortes und kein unangemessener Druck von oben. Es gibt sie noch immer, die Managertypen, die für ihre Arbeit leben. Aber Sie sollten sich nicht wundern, wenn davon immer weniger den Weg in Ihr Büro finden.

Aber wie erkenne ich die „guten schlechten Lebensläufe“?

In den folgenden Abschnitten geben wir Ihnen einige Tipps, welche Ihnen bei der Identifikation der potenziellen Kandidaten für Ihr Unternehmen helfen können – trotz Makel im Lebenslauf.



Ein abgebrochenes Studium:
Eigentlich ein Zeichen für Schwäche, mangelnde Disziplin und Orientierungslosigkeit, oder? Nicht unbedingt. Wenn ein Bewerber ein Studium früh abschliesst, kann das auch heissen, dass diese Person Probleme oder nicht funktionierende Wege sehr schnell erkennt und sich nicht davor scheut, die Reissleine zu ziehen – auch wenn es erst einmal wehtut. In einem Bewerbungsgespräch erfahren Sie, ob es sich um eine solche Person handelt – oder ob es doch schlicht Faulheit war.



Eine Lücke im Lebenslauf:
Was ist denn da zwischen den Jahren 2011 und 2013 passiert? Eigentlich sollte Sie das nicht weiter interessieren, solange die Person Ihnen erklären kann, wie es dazu gekommen ist. Es ist kein Verbrechen, einfach gar nichts zu tun. Vielleicht verbirgt sich dahinter eine entspannende Reise, die dazu geführt hat, dass die Person nun genau erkennt, dass sie in Ihrer Branche richtig aufgehoben ist.

Den Fuss in jeder Branche:
Vom Mechaniker zum Bäcker und anschliessend als Einzelhandelskaufmann in die Buchhandlung? Das muss kein Nachteil sein. „Branchen-Hopper“ bringen übergreifendes Wissen in Ihr Unternehmen, das Ihnen sehr nützlich sein kann. Es ist nicht zwingend ein Zeichen mangelnder Orientierung: Sie können es auch so deuten, dass sich dahinter eine Person verbirgt, die gerne Neues ausprobiert und vielleicht gerade in bestimmten Bereichen herausragende Arbeit durch Innovation leisten kann.

Knick in der Karriereleiter:
Von der Vorstandsvorsitzenden zur Putzfrau? Sie sollten das nicht unbedingt überbewerten, denn vielleicht ist das nur ein Zeichen dafür, dass diese Person ausgelaugt war und Erholung benötigt hat. Das ist kein Verbrechen, denn auch Sie werden diese Phasen hin und wieder benötigen.

Geniessen Sie die Tipps in Massen

Halten Sie sich aber vor Augen, dass alle angesprochenen Punkte nur in einem Gespräch richtig einzuordnen sind. Natürlich ist auch in modernen Unternehmen Platz für die typischen Karrieretypen und natürlich kann hinter einer schlechten Bewerbung auch einfach ein schlechter Mitarbeiter stecken. Wir raten Ihnen nur, die Scheuklappen ein wenig zu öffnen und in einem Gespräch herauszufinden, ob hinter einer unperfekten Bewerbung tatsächlich nur eine ungeeignete Person steht – oder ein schmutziger Diamant, den Sie nur etwas polieren müssen.



 

Oberstes Bild: © Robert Kneschke – Shutterstock.com


1 Kommentar


  1. Vielen Dank für diese Tipps. Wenn Sie weitere Informationen benötigen, können Sie gerne auf meinem kostenlosen Blog vorbeischauen. In regelmäßigen Abständen gebe ich dort sofort anwendbare Tipps für die perfekte Bewerbung.

    Motivierende Grüße
    Raphael Knoche
    http://www.deine-perfekte-bewerbung.de/blog/

Ihr Kommentar zu:

Die perfekte Bewerbung – und warum Sie sie nicht überbewerten sollten

Für die Kommentare gilt die Netiquette! Erwünscht sind weder diskriminierende bzw. beleidigende Kommentare noch solche, die zur Platzierung von Werbelinks dienen. Die Agentur belmedia GmbH behält sich vor, Kommentare ggf. nicht zu veröffentlichen.