Der intelligente Umgang mit Risiken und Chancen (Teil 2)

20.05.2014 |  Von  |  Organisation
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Der intelligente Umgang mit Risiken und Chancen (Teil 2)
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Als Entrepreneur müssen Sie Risiken objektiv einschätzen können. Nur so können Sie sie gegen den Return on Investment sich bietender Chancen abgleichen. Dafür allerdings sollten Sie sich der Ihnen quasi evolutionär eingebauten Tendenz zur Angst bewusst werden.

Der intelligente Umgang mit Risiken und Chancen (Teil1)
Der intelligente Umgang mit Risiken und Chancen (Teil 2)



Die Angst verführt uns zu einem Risikomanagement, das – wie wir im ersten Teil dieser Miniserie gezeigt haben – auf Worst-Case-Szenarios beruht. Würde sich allerdings jeder Unternehmer so rehscheu vor einem Risiko verhalten, gäbe es keine Innovation und keine Veränderung mehr. Deshalb widmet sich der zweite Teil dieser Serie den bei Ihnen wie bei allen Menschen vielleicht unbewusst ablaufenden Mechanismen, die ebenfalls der Psychologie der Risikobeurteilung zuzuordnen sind und die es zu überwinden gilt.

Wir verharmlosen das Nichtstun

Diese Tendenz wird auch „Parmenides-Schwäche“ genannt. Sie führt dazu, dass wir die Kosten bzw. den Preis des Nicht-Handelns herunterspielen oder gleich ganz ignorieren. Gleichzeitig entwickeln wir eine faszinierende Fähigkeit, uns unsere Komfortzone als den Ort schönzureden, an dem es immer noch vergleichsweise besser sei als anderswo. Mit anderen Worten, wir glorifizieren unser Verharren im Status quo mit der Befürchtung, dass eine Veränderung uns geradewegs in ein ungünstigeres Szenario katapultieren könnte – und dass es deshalb durchaus die weisere Entscheidung darstelle, zu bleiben, wo wir gerade sind.

Mit dieser Entscheidung hört der Gedankengang dann aber auch auf. Wir gehen den Schritt nicht weiter, die Option zu durchdenken (und durchzukalkulieren), dass wir in eine für uns und für das Unternehmen deutlich optimierte Matrix gelangen könnten. Stattdessen sitzen wir Probleme und selbst drängenden Veränderungsbedarf einfach aus, unfähig zu jeder Bewegung. Die Konsequenz ist dann häufig paradoxerweise, dass sich unsere Bagatell-Probleme, die eigentlich nur Warnsignale für die Notwendigkeit zur Innovation waren, um uns herum zu eben dem Horrorszenario entwickeln, dem wir durch Nichtstun entkommen wollten.



Entgehen Sie diesem Teufelskreis. Machen Sie sich bewusst, dass nicht zu handeln tatsächlich einen riesigen Preis haben kann, der noch dazu auch mathematisch viel unkalkulierbarer werden kann als die Inkaufnahme von Risiken bei einer Veränderung. Statistisch und historisch betrachtet ist eines erwiesen: Die Kosten des Zurückscheuens waren im Endeffekt immer grösser als die des furchtlosen Nach-vorne-Preschens, auch wenn Letzteres die sichtbareren Beulen produziert.

Wenn Sie sich also das nächste Mal bei einer tage- oder wochenlangen Prokrastination erwischen, werden Sie hellhörig. Stellen Sie sich testweise die folgenden Fragen:

  • Fokussiere ich mich bei der eigentlich anstehenden Handlungsentscheidung eher darauf, was ich (und mein Unternehmen) zu verlieren habe, als auf das, was ich (und mein Unternehmen) gewinnen könnte?
  • Setze ich bei der Risikoevaluierung meine Kompetenzen unbewusst als zu niedrig oder unterentwickelt an? Vernachlässige ich in der Gleichung meine Fähigkeit, zu lernen und mich zu entwickeln?
  • Wenn ich jetzt nichts tue, was könnte mich und mein Unternehmen meine Unbeweglichkeit in einem Jahr von jetzt an gerechnet kosten? Wie sieht es in fünf Jahren aus?
  • Habe ich Legitimationsstrategien entwickelt, die sich nur an Berichten über Negativentwicklungen orientieren? Leider wird dieses Verhalten durch die Neigung medialer Berichterstattung zur Katastrophe häufig noch geschürt.

Wenn Sie bei der ehrlichen Beantwortung dieser Fragen feststellen, dass bei Ihnen das Bedürfnis nach einer illusorischen Sicherheit überwiegt, dann versuchen Sie es doch einmal mit den folgenden Strategien.





Verabschieden Sie Ihren Perfektionismus. (Bild: iQoncept / Shutterstock.com)

Verabschieden Sie Ihren Perfektionismus. (Bild: iQoncept / Shutterstock.com)

Verabschieden Sie Ihren Perfektionismus



Handeln Sie immer erst, wenn Sie sich der Perfektion des Ergebnisses sicher sein können? Dann werden Sie mit dem Agieren so lange warten, bis Ihre Mitbewerber weit an Ihnen vorbeigezogen sind. Auch hinter unvollständigen, optimierungsbedürftigen, improvisierten Handlungen und Entscheidungen zu stehen, ist ein schwieriger, aber lohnenswerter Prozess.

Begreifen Sie sich selbst nach dem Lifelong-Learning-Prinzip als konstant Lernenden. Akzeptieren Sie partielles Nichtwissen nicht nur innerlich. Wagen Sie es auch, Wissenslücken zuzugeben. Nehmen Sie sie mit Humor. Sagen Sie ein paar Mal übungsweise „Tut mir leid, aber ich habe einfach keine Ahnung“. Machen Sie sich klar, dass diese weissen Flecken auf Ihrer kognitiven Landkarte kein Grund für Scham sind, sondern die Ausgangspunkte für neue Entwicklungen und Erkenntnisse.

Entkommen Sie der Anpassung

Jeder von uns möchte gemocht und von der Gemeinschaft akzeptiert werden. In Zeiten der Stammesbildung war es überlebenswichtig, nicht ausgegrenzt zu werden. Aber diese Zeiten sind (von einigen wenigen Ausnahmen abgesehen) vorbei. Kultivieren Sie gleichzeitig mit Ihrer sozialen Kompetenz und Ihrer Teamfähigkeit, die zweifelsohne sehr wichtig sind, auch die Eigenschaften, die Sie ganz persönlich auszeichnen und von anderen klar absetzen. Konformität gebiert Konformität.

Gewöhnen Sie sich an, symbolisch mit den Schnelleren zu laufen, sich also konstant mit Menschen zu umgeben, die Ihnen etwas voraushaben. Die uns ebenfalls angeborene Neigung zum Wettbewerb könnte der Schlüssel sein, der Ihnen den Mut verleiht, Ihre Unbeweglichkeit zu überkommen.



 

Oberstes Bild: © Stephen VanHorn – Shutterstock.com


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