Weniger Schlaf, weniger Leistung – das gilt auch für Führungskräfte

29.04.2014 |  Von  |  Selbstmanagement

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Weniger Schlaf, weniger Leistung – das gilt auch für Führungskräfte
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Burn-out bei Führungskräften ist seit Jahren ein viel beschriebenes Thema. Eine der Ursachen dafür liegt wahrscheinlich darin, dass Manager zu wenig schlafen. Der permanente Konkurrenzdruck fordert lange Arbeitszeiten, Geschäftsreisen per Flugzeug rund um den Globus tun ihr Übriges.

Es gilt als ungeschriebenes Gesetz, dass Top-Kräfte mit wenig Schlaf auskommen müssen, um den Anforderungen ihres Berufs gerecht zu werden. Ist das wirklich so? Oder ist die Zeit für einen grundlegenden Wandel gekommen?



Viele Frauen und Männer in den Führungsetagen klagen über Schlafstörungen. Als Begründung geben sie an, sehr viel Stress und zu wenig Ruhe und Entspannung zu haben. Eine vor kurzem publizierte Studie der deutschen Max-Grundig-Klinik in Bühl (Schwarzwald) bestätigt diese Angaben und legt zum teil erschreckende Zahlen auf den Tisch. Sage und schreibe 59 Prozent der 1’000 befragten Führungskräfte können schlecht einschlafen oder wachen mehrmals pro Nacht auf. Dabei sind Managerinnen und Manager über 45 Jahre besonders häufig betroffen, und Frauen leiden mehr als Männer.

Ständiges Reisen über mehrere Zeitzonen und fortdauernde Arbeitsüberlastungen gaben die Befragten als Hauptgründe an. Viele sind bis spät am Abend im Büro, ohne sich eine Schlafpause zu gönnen. Die Folgen sind schwerwiegend: ein rapider Leistungsabfall, mangelnde Konzentration und Kreativität. Die Studie belegt, dass Manager, die zu wenig schlafen, nicht ausreichend leistungsfähig sind.

Erst Karriere, dann Burn-out?

Führungskräfte stehen nicht zuletzt wegen der Auffassung unter Druck, dass sie nur viel leisten, wenn sie auch viel und lange arbeiten. Wer dem nichts entgegensetzen und sich nicht abgrenzen kann, brennt langsam aber unweigerlich aus. Aus medizinischer Sicht ist Burn-out ein permanenter Risikozustand, der hauptsächlich Leistungsträger trifft und sich über lange Jahre entwickelt.



Die mit Leidenschaft und Aufopferung betriebene Karriere bringt zwar zum Teil grossen Erfolg, führt schliesslich jedoch in ein tiefes Tal aus Erschöpfung, Depressionen, innerer Leere und psychosomatisch bedenklichen Symptomen. Opfer eines Burn-out haben die Freude am Job längst verloren, schleppen sich von Tag zu Tag und finden selbst im Urlaub und in ihrer knappen Freizeit keine Ruhe mehr, um sich zu erholen.

Darüber hinaus geht die Kreativität verloren, und eine ständige Gereiztheit ergreift die Betroffenen. Sie selbst merken es gar nicht oder wollen es nicht wahrhaben – den Angehörigen, Freunden und Mitarbeitern fallen die Veränderungen aber meistens schnell und deutlich auf.

Wer übermüdet ist, macht Fehler. (Bild: baranq / Shutterstock.com)

Wer übermüdet ist, macht Fehler. (Bild: baranq / Shutterstock.com)

Wer übermüdet ist, macht Fehler

Wer langfristig nicht genug schläft, kann ab einem gewissen Zeitpunkt nicht mehr richtig regenerieren. Die unausweichlichen Folgen sind nachhaltige Erschöpfung, Schlafstörungen und andere Stress-Symptome. Am Ende hilft auch kein Powernapping mehr.



Das Institut für Demoskopie Allensbach hat für eine Studie 517 Top-Manager in Deutschland zum Thema Schlaf befragt. Rund ein Drittel erklärte, in einer solchen Position müsse man mit wenigen Stunden auskommen. Ein Fünftel der Befragten schläft maximal fünf Stunden pro Nacht. Und die Hälfte gab zu, nicht genügend Schlaf zu bekommen. Allerdings unterschätzen die meisten die Auswirkungen. Nach Ansicht amerikanischer Schlafforscher handeln übermüdete Manager wie Betrunkene – sie verlieren etwa 20 Prozent der Gedächtnisleistung und sogar 50 Prozent ihrer Entscheidungsfähigkeit. Wenn Führungskräfte wegen Übermüdung falsche Entscheidungen treffen, kann dies für ihr Unternehmen fatale Folgen haben.

Ein Bewusstseinswandel ist notwendig

Wer im Büro ein Nickerchen macht, wird in der Regel immer noch von Kollegen belächelt. Dabei ist Experten schon länger klar, dass eine kurze Siesta oder Powernapping sehr gesund sind und die Leistungsfähigkeit nachweislich verbessern. Eine grosse Verfechterin des Büroschlafs ist Arianna Huffington, die Chefredakteurin des Online-Magazins “Huffington Post”. Sie hat sich in vielen öffentlichen Statements für das Powernapping engagiert und betont stets, dass Übermüdung einer der ärgsten Feinde von Kreativität und Erinnerungsvermögen ist.



Die Top-Managerin redet aber nicht nur, sie handelt auch danach. So gibt es im Büro des Magazins in New York zwei Räume für die Mitarbeiter, in denen sie ungestört ein Schläfchen halten können, ohne von Kollegen dafür abgekanzelt oder belächelt zu werden. Huffington plädiert für einen grundlegenden Wandel in der Arbeitskultur. Der Arbeitsplatz sollte Menschen mehr Freiräume für ihre wirklichen Bedürfnisse lassen, darunter eben auch die Möglichkeit für ein Powernapping.

Was kann ein Wandel bewirken? Werden die Arbeitsbedingungen entsprechend angepasst, arbeiten Menschen kreativer und produktiver – die Arbeitsergebnisse verbessern sich deutlich. Dazu müssten die üblicherweise starren Anwesenheits- und Abwesenheitszeiten bzw. Pausen abgeschafft und durch ein Konzept ersetzt werden, das die Vereinbarung einer Gesamtarbeitszeit vorsieht, innerhalb derer bestimmte Leistungen zu erbringen sind. Voraussetzung ist allerdings, dass Unternehmen und Mitarbeiter wesentlich flexibler werden.

Fazit: Wer permanent gegen den eigenen Biorhythmus lebt, findet keine nachhaltige Erholung und keinen gesunden Schlaf. Das ist wissenschaftlich belegt – und das gilt auch und gerade für Führungskräfte.



 

Oberstes Bild: © Ingka D. Jiw – Shutterstock.com

Über Ulrich Beck

hat Germanistik, Geschichte und Philosophie studiert und ist zusätzlich ausgebildeter Mediendesigner im Segment Druck. Er schreibt seit über 30 Jahren belletristische Texte und seit rund zwei Jahrzehnten für Auftraggeber aus den unterschiedlichsten Branchen.



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