Ist Holz das neue Plastik?

19.03.2014 |  Von  |  Allgemein

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Obwohl der Werkstoff Plastik aus der modernen Welt nicht mehr wegzudenken ist, sind die Probleme damit nicht zu leugnen. Die riesigen Plastikinseln in den Weltmeeren sind dabei nur die sichtbarsten aller Probleme.

Verwendung von endlichen Rohstoffen, Entsorgung, Weiterverarbeitung, sortenreine Trennung – all diese Herausforderungen sind mit dem Kunststoff-Handling verbunden.



Wurzel des Übels ist, dass Plastik zu den Inertstoffen zählt. Was „inert“ ist, zersetzt sich nicht. Zwar zerkleinern Wind, Wetter und Erosion die Kunststoffe zu immer kleineren Partikeln. Für die Fauna hat dies jedoch dramatische Auswirkungen. Noch sind die Wechselwirkungen von Mikroplastik in menschlichen und tierischen Organismen noch nicht vollends geklärt. Doch eines steht: Gesund ist es mit Sicherheit nicht.

Auch die Verbrennung von Plastik war noch nie eine wirklich gute Idee: Je nach Art des Kunststoffes entstehen Krebs erregende Substanzen wie Dioxine, Furane und andere ebenfalls ungesunde Stoffe. Der Wunderstoff Plastik hat sich zu einer Geissel entwickelt und es ist dringend an der Zeit, sich nach Ersatzstoffen für ihn umzusehen.

Alternative Holz

Holz ist nun wirklich kein innovativer Werkstoff, schliesslich wird er schon seit Anbeginn der Menschheit verwendet. Ob zur Konstruktion von Gebäuden oder Waffen, Holz war der Werkstoff der ersten Stunde. Also eigentlich ein alter Hut. So könnte man meinen. Aber die neuesten Entwicklungen sprechen eine andere Sprache. 





First spring greens in birch grove

Holz ist nun wirklich kein innovativer Werkstoff, schliesslich wird er schon seit Anbeginn der Menschheit verwendet. (Bild: Elena Kovaleva / Fotolia.com)

Bei allen Vorteilen, welche Holz schon immer hatte, waren auch immer Nachteile mit seiner Verwendung verbunden. Von der aufwändigen Bearbeitung, welche stets mit grossen Materialverlusten einhergeht bis zur Empfindlichkeit gegen Feuchte – dem spritzgegossenen oder tiefgezogenen Plastik konnte das Holz lange nicht das Wasser reichen. Doch weltweit haben viele Tüftler, Ingenieure und Entwickler sich diesen unendlich nachwachsenden Rohstoff noch einmal genauer angesehen. Die Ergebnisse sind erstaunlich.

Stabile, massgenaue Rohre aus Holz



Lignotube ist das Produkt zweier Tüftler aus Deutschland. Leichte, massgenaue, gerade und durch die Kreuzschichtung der Furniere äusserst stabile Rohre sind das Ergebnis von jahrelanger Forschung und Entwicklung. Eigentlich handelt es sich bei Lignotube nur um Schichtholz, ähnlich einer Sperrholzplatte. Das Holz aber entsprechend dünn und dennoch stabil in eine dauerfeste Rohrform zu bringen ist der anerkennenswerte Durchbruch der beiden Erfinder Curt Beck und Robert Taranczewski.

Dieses Produkt nimmt es jetzt mit den etablierten Röhrchen aus Aluminium, Kunststoff, Stahl und GfK auf. Als Anwendung wurde bereits ein besonders spektakuläres Produkt entwickelt: Das Designfahrrad CAJALUN setzt Zeichen in Sachen Leichtbau und Nachhaltigkeit. Und wirklich schön ist es obendrein auch noch. Lignotube hat die Chance, dort weiter zu machen, wo der Bambus bis zu seiner Ablösung durch Aluminium und Plastik aufgehört hat. Und hat das Produkt ausgedient, kann Lignotube sorglos verbrannt oder kompostiert werden.



Holz für den Spritzgussautomat

Auch das gibt es bereits: Holz hat die Heimatdomäne der Plastikproduktion erobert! Der Werkstoff heisst ARBOFORM und wird als das „flüssige Holz“ bezeichnet. Hier sollte man wirklich hellhörig werden. Man stelle sich all die Plastikteile um einen herum aus harmlosen, nachhaltigen und problemlos zu entsorgendem Holzwerkstoff vor. Eine plastikfreie Welt würde nachfolgenden Generationen eine gewaltige Sorge abnehmen.

Als brandneues Material hat es noch den Haken, dass es recht teuer ist. Aber das ist bei jeder Markteinführung so. Die Nachfrage und die Konkurrenz werden den Preis regulieren. Das Geheimnis dieses Werkstoffes ist, dass dem Holz das Lignin entzogen wurde. Dieser gut bearbeitbare Stoff lässt sich hervorragend in einen plastisch-pastösen Zustand bringen und bildet die Basis für die Weiterverarbeitung.

3D-Druck mit Holz

Der 3D-Druck ist zwar in aller Munde, aber schon rümpfen die ersten Kritiker die Nase über die Verwendung des Kunststoff-Filaments als den gebräuchlichen Werkstoff für diese Wundermaschinen. Doch die 3D-Drucker haben sich noch gar nicht richtig durchgesetzt, da gibt es schon eine hervorragende ökologische und nachhaltige Alternative zur sonst verwendeten Plastikschnur.

Unter dem Namen LAYWOOD D3 wird ein Filament vertrieben, welches dem Kunststoff in jeder Hinsicht überlegen ist. Das tollste an diesem Material ist, dass es zwar aus recyceltem Holz und einem Polymer-Kleber besteht, die Produkte aber täuschend echt wie aus Vollholz gefräst aussehen. Maserungen, Jahresringe und alle anderen holztypischen Strukturmerkmale lassen sich mit diesem Material hervorragend simulieren.

Preiswerter Vorreiter

Ein anderes Material ist bereits seit den 1960er Jahren in der Entwicklung und hatte schon von 24 Jahren seinen Durchbruch. Das Wood-Plastic-Composite, kurz WPC, ist wie der Name bereit sagt, eine Mischform aus Holzmehl und Kunststoffen. Die Vorteile von WPC sind seine freie Formbarkeit und die Einsparung von begrenzten Ressourcen.

Trotz des hohen Kunststoffanteils ist WPC in der Regel problemlos entsorgbar, da die meisten Hersteller nur Polyamid als Trägermaterial verwenden. Beim Verbrennen werden zwar giftige Stickoxide frei, Polyamide lassen sich jedoch elegant für die Nylonherstellung recyceln. Ein häufig hergestelltes Produkt aus WPC sind Terassendielen. Der Werkstoff verbindet in dieser Anwendung die angenehme Wärme von Holz mit der Witterungsbeständigkeit von Kunststoff.

Eine plastikfreie Welt ist möglich

Ein Problem erkannt zu haben ist der erste Schritt, es bekämpfen zu können. Mit den hier vorgestellten Innovationen wird vor allem wieder eines gezeigt: Egal wie dramatisch sich eine Herausforderung präsentiert, es wird immer einen Weg geben, sie erfolgreich meistern zu können.



 

Oberstes Bild: © sablin – Fotolia.com



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