Faszination Film, Teil 4: Die Verurteilten – lebenslängliche Hoffnung

17.03.2014 |  Von  |  Allgemein
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Faszination Film, Teil 4: Die Verurteilten – lebenslängliche Hoffnung
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Alle wünschen wir uns einen stolperfreien Weg, problemloses Vorwärtskommen im Beruf, harmonische Beziehungen an der Arbeitsstelle und zu Hause. Wer will schon von Misserfolgen, Fehlschlägen oder Niederlagen hören oder sie gar erleben? Besonders in unserer Leistungsgesellschaft gerät man ziemlich leicht unter Druck, alles und im perfekten Einklang unter einen Hut bringen zu wollen. Oder mindestens den Anschein zu geben, dass man Herr der Lage ist und nichts aus dem Ruder laufen kann.      

Doch wenn ich manchmal den inneren Drang verspüre, ein bisschen zu wehklagen, warum denn mein Leben so kompliziert ist, während bei allen anderen alles tipp topp zu sein scheint, dann kommt bei mir immer der gleiche Gedanke hoch: Die Menschen, die ich wirklich bewundere, sind nicht die ständig Erfolgreichen, die sachten Sieger, sondern diejenigen, die mit richtig schwierigen Situationen im Leben konfrontiert wurden, und diese mit Würde und Weisheit meistern konnten.



Wenn es Ihnen wie mir geht, und Sie gerade zwei Stunden Zeit oder vielleicht keine Courage zum Weitermachen mehr haben, dann machen Sie sich auf die Suche nach dem alten Filmklassiker „Die Verurteilten“. Es ist gut möglich, dass diese ruhig erzählte und gleichzeitig sehr fesselnde Geschichte Ihnen neue Kraft geben wird, den Mut nicht sinken zu lassen.

Der Grund für diesen Filmtipp ist keineswegs das klischeehafte Vergleichen nach dem Motto: Weil jemand das Bein amputiert bekommt, ist es dann nicht so schlimm, das eigene nur gebrochen zu haben. Bei dem Film handelt es sich nicht darum, sich besser zu fühlen, weil es Leute gibt, denen es noch mieser geht. Im Mittelpunkt steht vielmehr die Frage: Wie lebt man im Epizentrum einer schwierigen und aussichtslosen Situation und verliert nicht die Hoffnung?

„Im Bruchteil einer Sekunde ist dein Leben dahin. Nichts ist mehr davon übrig, du hast nun alle Zeit der Welt, um darüber nachzudenken.“  

Noch kurz bevor die Filmhandlung beginnt lebt Andy Dufresne an der sonnigen Seite des Lebens: Er ist noch ganz jung und trotz seines Alters hat er als Bankmanager schon eine beachtenswerte Karriere vorzuweisen, die ihren Höhepunkt bei Weitem noch nicht erreicht hat. Eine schöne Frau hat er, tolle Hobbys und einen netten Freundeskreis. Er arbeitet ehrlich und hart, und das Leben ist gut zu ihm, bis Andy an einem schönen Tag erfährt, dass seine Frau einen Liebehaber hat. Am nächsten Tag wird er wegen Mordes an ihr und ihrem Geliebten verhaftet. Alle Indizien deuten auf ihn als den Mörder hin, und nur Andy allein weiss, dass er die schreckliche Tat nicht begangen hat. Er wird zu zweimal lebenslänglicher Freiheitsstrafe verurteilt, die er im Gefängnis von Shawshank in Maine absitzen soll.

„Du kriegst lebenslänglich und das Leben nehmen sie dir auch. Jedenfalls den Teil der zählt.“    

Die ersten Jahre im Gefängnis sind für Andy extrem hart. Er wird mehrmals verprügelt und vergewaltigt. Doch bei all den Schrecken schafft er, innerlich nicht gebrochen zu werden.  Als Hobby-Geologe sammelt er im Gefängnishof Steine, aus denen er dann Figuren schnitzt. Er schliesst eine wunderbare Freundschaft zu einem der Mitgefangenen namens Red, der in Shawshank als Mensch bekannt ist, der Dinge besorgen kann. Da Red Andys Interesse an den Steinen kennt, schmuggelt er für seinen Freund ohne weitere Gedanken einen kleinen Geologenhammer ins Gefängnis.

„Weisst du, es ist eigenartig. Da draussen zählte ich zu den ehrlichsten Menschen, eine ganz ehrliche Haut. Ein Gauner bin ich erst im Gefängnis geworden.”

Ein Wendepunkt in Andys fast trostlosem Dasein kommt, als er dem leitenden Aufseher einen guten Rat bezüglich seiner eben erhaltenen Erbschaft gibt. Ab diesem Moment beginnt seine Karriere im Gefängnis, die genauso erfolgreich ist, wie sie im früheren Leben war. Andy wird in die Bibliothek versetzt, wo mit der Zeit ein richtiges Consulting-Büro entsteht. Er berät Wächter in allen finanziellen Fragen, spart für sie Steuer, schickt ihre Kinder mit Stipendien zu Hochschulen. Und für die Gefangenen schafft er, eine der besten Gefängnisbibliotheken im Staat einzurichten, und hilft vielen Sträflingen, die Prüfung zur Erlangung der Hochschulreife zu machen.

Sein Hauptjob ist aber das Geld des Gefängnisdirektors zu verwalten. Da es sich hauptsächlich um Schmiergeld handelt, ist Andys Aufgabe, es vor den Augen der US-amerikanischen Steuerbehörde als absolut sauber aussehen zu lassen. Diese Geldwäscherei betreibt er mit solcher Kunst, dass sich der Direktor zum Moment seiner Pensionierung ein Millionär wird nennen dürfen.

„Hoffnung ist eine gute Sache, vielleicht sogar die Beste. Und gute Dinge können nicht sterben.“

Von einem neuangekommenen Strafgefangenen erfährt Andy über den tatsächlichen Mörder seiner Frau und rennt sogleich zum Gefängnisdirektor, um ihn darum zu bitten, seinen Prozess neu zu aufzurollen. Aus Angst seinen Buchhalter zu verlieren, macht der Direktor alles, um dies zu verhindern.



„Einige Vögel sind nicht dazu geschaffen eingesperrt zu werden. Sie haben ein zu glänzendes Gefieder. Und wenn sie davonfliegen, dann jubelt der Teil in mir, der weiss, dass es eine Sünde war, ihn einzusperren.“   

Nach zwei Monaten Einzelhaft in einer winzigen Zelle ohne Fenster kehrt Andy an seinen Arbeitsplatz zurück, und der Direktor glaubt, seinen Willen gebrochen zu haben. Doch am Morgen danach wird seine Zelle leer vorgefunden. Mit dem kleinen Geologenhammer, den ihm Red vor 19 Jahren besorgt hatte, schaffte Andy einen Gang ins freie Leben zu graben.





Oberstes Bild: Fragment vom Filmposter „Die Verurteilten“ (Bild: ©Columbia Pictures, Wikimedia)

Oberstes Bild: Fragment vom Filmposter „Die Verurteilten“ (Bild: ©Columbia Pictures, Wikimedia)

„Ich merke, dass ich so aufgeregt bin, dass ich kaum still sitzen oder einen klaren Gedanken fassen kann. Ich glaube, es ist eine Erregung, die nur ein Mensch, der frei ist, nachempfinden kann. Ein freier Mann, der am Anfang einer langen Reise steht, deren Ende noch ungewiss ist.“

Erstaunlich, aber diese Worte sagt Red, als er als alter Mann auf Bewährung frei kommt. Und das ist wahrscheinlich die wichtigste Lektion im Film: Das Leben ist nie zu Ende, solange man am Leben ist.

Der Klassiker erzählt von vielen anderen Wahrheiten, die wir alle eigentlich gut kennen. Es tut uns aber gut, an sie ab und zu wieder erinnert zu werden: Der Mensch darf die Hoffnung und seine Würde nie verlieren. Man muss immer eine Vision haben: Nur das gibt Mut, weiter zu machen. Sei gut in allem, was du machst, sei es Beruf oder Hobbys, dein Wissen kann dir mal sehr nützlich werden.

Und zum Schluss noch ein Zitat, diesmal aber ein biblisches, das wahrscheinlich „Die Verurteilten“ am besten zusammenfasst: „Denn siebenmal fällt der Gerechte und steht doch wieder auf.“



 

Oberstes Bild: Fragment vom Filmposter „Die Verurteilten“ (Bild: ©Columbia Pictures, Wikimedia)

Über Natalia Muler

Ich schreibe, seit ich schreiben kann, und reise, seit ich den Reisepass besitze. Momentan lebe ich im sonnigen Spanien und arbeite in der Modebranche, was auch oft mit Reisen verbunden ist, worüber ich dann gerne auf den Portalen von belmedia.ch berichte. Der christliche Glaube ist das Fundament meines Lebens; harmonisches Familienleben, Kindererziehung, gute Freundschaften und Naturverbundenheit sind meine grössten Prioritäten; Reisen und fremde Kulturen erleben meine Leidenschaft; Backen und Naturkosmetik meine Hobbys und immer 5 Minuten zu spät kommen meine Schwäche.


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