Faszination Film, Teil 2: Moneyball – die Kunst, ein unfaires Spiel zu gewinnen

10.03.2014 |  Von  |  Allgemein
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Faszination Film, Teil 2: Moneyball – die Kunst, ein unfaires Spiel zu gewinnen
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Kann man als einzelner Mensch das ganze System verändern? Nun, wenn man den Mut besitzt, sich wie David gegen Goliath zu stellen, die richtigen Steine parat hat, und genau weiss, wohin und wie stark man sie werfen muss, fallen die Chancen, als Sieger aus dem Kampf hervorzugehen, gar nicht so schlecht aus. Genau darüber erzählt das US-amerikanische Sportdrama „Moneyball“ aus dem Jahr 2011.

Alles im Film dreht sich eigentlich um Baseball. Nicht alle mögen Filme über Sport, und erst recht nicht über Baseball, eine Sportart, darauf sich viele Europäer eher selten einen Reim machen können. Jedoch ist „Moneyball“ mehr als sehenswert und gibt besonders Unternehmern und allen, die die eigene Arbeit ernst nehmen, so einige Impulse zum Nachdenken.



Moneyball-Filmposter (Bild: © Columbia Pictures, Wikipedia)

Moneyball-Filmposter (Bild: © Columbia Pictures, Wikipedia)

Worum geht es?

Die Spielsaison des Baseballteams Oakland Athletics ist von lauter Misserfolgen begleitet. Die A´s verlieren ein Spiel nach dem anderen und scheitern letztendlich sehr früh und definitiv in den Play-Offs. Ausserdem macht die schwache finanzielle Situation des Clubs die Lage noch aussichtsloser, denn er verliert seine besten Spieler an die Konkurrenz. Die A´s scheinen in einen Teufelskreis geraten zu sein: arm wie sie sind, können sie sich keine Top-Spieler leisten, und ohne die Besten wird das Team mit Sicherheit wieder verlieren und der Club noch ärmer werden.

Während die gesamte Clubverwaltung stur darauf ausgerichtet ist, für die fehlenden Stars einen höchstens ähnlichen aber billigeren Ersatz zu finden, schlägt der General Manager des Vereins, Billy Bean (Brad Pitt), einen komplett anderen Weg vor. Nach seinem ziemlich zufälligen Treffen mit dem Yale-Absolventen, Computernerd und Baseballfan Peter Brand (Jonah Hill) entscheidet sich Billy Bean für einen krassen Kurswechsel.



Der Grund dafür ist Sabermetrics – ein statistisches Verfahren zur Bewertung der Baseballspieler, das versucht das Spiel in möglichst viele, für den Sieg wichtige Teilelemente zu teilen und diese statistisch zu messen. Das Verfahren war allgemein stark kritisiert oder gar verspottet, denn seine Ergebnisse stellten all die gefestigten Traditionen der Spielerselektion in Frage, die sich über die Jahre in der beliebtesten Sportart Amerikas etabliert haben.

Der neue Ansatz und die alte Vorgehensweise sind wie Tag und Nacht. Erfahrene Baseball-Gurus waren ständig auf der Suche nach „echten“ Stars, bereit ihnen Millionen zu zahlen, und hatten dabei eine ziemlich steife Vorstellung davon, wie diese sein sollen. Deswegen bekamen viele Baseballer gar keine grosse Chance und waren zum Spielen in zweitrangigen Clubs verurteilt, nur weil sie einen lustigen Entengang hatten oder beim Werfen die Arme komisch hielten.

Die Sabermetrics-Analyse zeigte aber, dass genau diese Spieler eine hervorragende Leistung in verschiedenen Teilaspekten des Spiels erbringen und beim richtigen Einsatz das Team unweigerlich zum Sieg bringen werden. Ein weiteres Extra: Da kein renommierter Club sie engagieren wollte, waren diese verkannten Stars absolut billig auf dem Baseball-Markt zu haben.

Hier sieht der ehrgeizige GM seine einzige Chance, die ausweglose Lage zu retten. Zusammen mit Peter Brand stellen sie eine Spielerauswahl zusammen, die die angesehenen Club-Scouts ins Schaudern bringt. Trotz heftigsten Widerstands der gesamten Vereinsverwaltung fängt Billy Bean an, seinen Plan mit dem Risiko, seinen Job zu verlieren, durchzusetzen.

Die ersten Spiele scheinen seinen Gegnern Recht zu geben, denn die A´s verlieren ein Match nach dem anderen. Zum heftigen internen Streit kommt Kritik oder gar Spott von aussen. Der Trainer Art Howe weigert sich nach neuen Philosophie zu handeln und besetzt die wichtigen Positionen mit „seinen besten“ Spielern. Als Antwort darauf verkauft oder tauscht Billy Bean diese um. Der Verein ist geschockt und streut sich Asche über den Kopf. Doch dann gewinnen die A´s ihr erstes Spiel, und dann noch eins und noch eins, bis die Mannschaft einen historischen Rekord von 20 nacheinander gewonnenen Spielen in der Liga aufstellt.

Am Schluss scheitert das Team sehr nahe am Siegespokal, und der GM der Athletics muss eine weitere Niederlage hinnehmen. Und noch viele danach, denn hinter den Figuren von Billy Bean und seinem Assistenten stecken reale Menschen, die bis heute für A´s arbeiten, ein seit den Moneyball-Jahren sehr erfolgreiches Team, das es aber noch nicht bis zum Champion-Titel geschafft hat.

Diese scheinbare Niederlage entpuppt sich aber als ein grosser Sieg in Beans Kampf gegen das System. Seinem Beispiel folgten viele renommierte Clubs, die plötzlich nicht nur den Baseball-Helden des Tages hinterher waren, sondern auch unterschätzte oder verkannte Spieler für sich entdeckten.

Worum geht es wirklich?

„Moneyball“ ist ein richtig motivierender Film für alle, die selbstständig zu denken wagen. Die Figur von Billy Bean verkörpert viele wertvolle Lektionen:

  • Um eine richtige Antwort zu finden, muss man die richtige Frage stellen. Wie erkennt man das eigentliche Problem im ganzen Trouble?
  • Eine eigene Meinung hat man, um sie zu verteidigen und durchsetzen zu können.
  • Ein Teil des Mainstream zu sein, ist bequem, aber dumm und sinnlos, wenn der Weg ins Nirgendwo führt.
  • Allein zu kämpfen ist schwierig. Gleichgesinnte an deiner Seite sind nicht zu unterschätzen. Versichere dich, von den richtigen Menschen umgeben zu sein.
  • Das Ansehen der Person spielt keine Rolle. Schaue hinter die Fassade und erkenne die wahren Stärken und Schwächen, Ängste und Motivationen der Menschen.
  • Durchhalten, obgleich alles aus dem Ruder zu laufen scheint.
  • Geld motiviert, ist aber nicht alles.
  • Wer siegen will, riskiert zu verlieren. Niederlagen sind bitter, aber des Kampfes wert.
  • Sei mit ganzem Herzen bei dem, was du machst.

Die Liste könnte man weiterführen, denn es gibt in „Moneyball“ noch einiges an Teilgeschichten, jede von ihnen mit eigener Moral. Von daher kann man den Film besonders selbstständigen Unternehmern nur empfehlen. Und ich würde ihn gerne noch ein zweites Mal sehen.



 

Oberstes Bild: Baseball – Lieblingssport der Amerikaner (Bild: M.E.  / pixelio.de)

Über Natalia Muler

Ich schreibe, seit ich schreiben kann, und reise, seit ich den Reisepass besitze. Momentan lebe ich im sonnigen Spanien und arbeite in der Modebranche, was auch oft mit Reisen verbunden ist, worüber ich dann gerne auf den Portalen von belmedia.ch berichte. Der christliche Glaube ist das Fundament meines Lebens; harmonisches Familienleben, Kindererziehung, gute Freundschaften und Naturverbundenheit sind meine grössten Prioritäten; Reisen und fremde Kulturen erleben meine Leidenschaft; Backen und Naturkosmetik meine Hobbys und immer 5 Minuten zu spät kommen meine Schwäche.


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