Kunst im Büro gekonnt in Szene setzen

07.03.2014 |  Von  |  Allgemein, Organisation

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Die Räume und das Gelände Ihres Unternehmens sind nicht nur Arbeits-, sondern auch Präsentationsfläche. Diese Funktion bezieht sich sowohl auf das Ausstellen der Ware, den Empfang von Kunden oder die Verhandlung mit wichtigen Geschäftspartnern als auch auf die Gelegenheit, Ihr persönliches Kunstverständnis zu offenbaren. Was aber gilt es dabei zu beachten?

Bailey vs. Botticelli



Die Entscheidung, welchem Künstler und welchen seiner Werke Sie Raum geben wollen, hängt nicht nur von Ihren persönlichen Vorlieben ab. Gerade in öffentlich zugänglichen Bereichen oder in Räumen mit Kundenverkehr spielen auch ethische und ästhetische Aspekte mit hinein.

Die Kunstwerke, die Sie hier präsentieren, dürfen den Betrachter weder in religiöser noch in politischer oder sexueller Weise kompromittieren. Es ist ein Unterschied, ob Sie Besucher an der “Die Geburt der Venus” oder der Geburt Ihrer Tochter teilhaben lassen – auch wenn Ihnen beide gleich wichtig erscheinen. Den nötigen Hintersinn würden Sie lediglich mit einer Nebeneinanderstellung beider Werke beweisen.

Konzept

Damit geht dieser Beitrag nahtlos in einen weiteren wichtigen Aspekt der Präsentation über – das Konzept. Hier spielt weniger das WAS eine Rolle, sondern vielmehr das WIE. Es bestimmt, welchem Grundgedanken Ihre kleine Ausstellung folgt und welche Bedeutung Sie den gezeigten Kunstwerken beimessen. Dabei sind Gegensätze, Provokation und Inszenierung nicht nur erlaubt, sondern sogar erwünscht. Es muss aber immer deutlich werden, dass Sie diese Effekte bewusst herbeigeführt haben und nicht etwa das bedauernswerte Opfer mangelnden Kunstverständnisses sind.



Moderne Schwarz-Weiss-Fotografien in prunkvolle Goldrahmen zu setzen oder einen üppigen Rubens auf filigrane Fotoleinwand zu ziehen ist solange vertretbar, wie dieser Stilbruch eine persönliche Handschrift trägt und deutlich als solcher zu erkennen ist. Hat der Raum, in dem die Bilder hängen, eine einheitliche Linie aus Möbeln, Farben und übriger Dekoration, erzielen “unpassend” in Szene gesetzte Kunstwerke oft einen ganz besonderen Effekt.



Interpretationsspielraum

Trotz dieser Freiheit sind Ihnen bei der Inszenierung von Kunstwerken einige Grenzen gesetzt. Diese sind dort erreicht, wo Sie die Schöpfung oder ihre Betrachter der Lächerlichkeit Preis geben: Max Klingers “Pinkelnder Tod” auf dem Gäste-WC mag bei vielen für Schmunzeln, bei Liebhabern aber eher für Entrüstung sorgen – erst recht, wenn es sich bei Ihrem Unternehmen um ein Bestattungsinstitut handelt. Beachten Sie bitte auch, dass der Präsentations-Ort bzw. dessen Gestaltung die Aussagekraft eines Werkes unfreiwillig verstärken kann: Hängen Sie Raffaels “Madonna” über ein Sideboard und bestücken dieses mit Kerzen und Blumen, entsteht leicht der Eindruck eines Altars – ein Effekt, den Sie in Ihrem Büro sicherlich nicht erzielen wollen.

Format

Je grösser Bilder, Fotografien oder Skulpturen sind, desto mehr Aufmerksamkeit erregen sie. Häufig rückt eine solche Dominanz das eigentliche Motiv in den Hintergrund und lässt stattdessen Farben oder Strukturen besonders deutlich hervortreten. Deren Effekte können Sie nutzen, um eine bestimmte Atmosphäre zu schaffen oder eine psychologische Wirkung zu erzielen. Die entsprechende Ausstrahlung des Kunstwerks hängt eng mit einem der wichtigsten Aspekte der Präsentation zusammen – nämlich der

Beleuchtung

Die von Lichtquellen ausgehende Wärme kann zur Beschädigung von Kunstwerken führen. Jede daraus resultierende Veränderung des Trägermaterials oder der Farben ist in der Regel nicht oder nur sehr schwer rückgängig zu machen. Da hierdurch sowohl die Wirkung als auch der Wert eines Kunstwerks beeinträchtigt wird, empfehlen sich für die Illumination spezielle Leuchtkörper. So können Sie die Häufigkeit und die Dauer der Lichteinwirkung durch Bewegungsmelder reduzieren oder Kaltlichtreflektoren verwenden, die den grössten Teil der entstehenden Wärme an ihre Umgebung abgeben.

4 Galeriebilder im Spotlight

Auch der Lichteinfall selbst kann einen negativen Einfluss auf das Kunstwerk ausüben. (Bild: connected2000 / Fotolia.com )




Auch der Lichteinfall selbst kann einen negativen Einfluss auf das Kunstwerk ausüben. Lenkt eine unbedacht platzierte Lichtquelle den Blick auf nebensächliche Details, wird dadurch die gesamte Komposition oder Aussage verfälscht. Des Weiteren können Farben verfremdet oder der Betrachter geblendet werden. Diesen unerwünschten Effekten beugen Sie mit sorgfältig positionierten Lampen vor. Hier empfehlen sich vor allem Leuchtkörper mit warmem, infrarot-starkem Licht und satinierter oder verspiegelter Oberfläche. Mit diesen können Sie gezielte Spots setzen und den Bereich Ihrer Kunstwerke effektvoll vom übrigen Raum abheben.

Rahmen

Ausser durch den “richtigen” Lichteinfall wird die Wirkung der Präsentation massgeblich durch den Rahmen bestimmt. Dieser muss nicht zwingend dem Stil des eingefassten Objektes entsprechen; sollte aber dennoch dessen wichtigsten Anforderungen gerecht werden:

Zu einer von ihnen gehört es, den Rahmeninhalt vor Schäden durch Lichteinfall, Feuchtigkeitseinwirkung oder Temperaturschwankung zu schützen. Abhängig von Art und Beschaffenheit des Kunstwerkes kommen dafür verschiedene Modelle in Frage:

  • Objekt- oder Katenrahmen bieten Reliefs, stark strukturierten Oberflächen oder plastisch ausgearbeiteten Kunstwerken den richtigen Halt. Sie können neben dem eigentlichen Bild oder Gegenstand mit ergänzenden Materialien befüllt werden und so die Wirkung des eingefassten Objektes zusätzlich unterstreichen oder kontrastieren.
  • Wechselrahmen kommen in der Regel bei Fotos, Kunstdrucken oder Zeichnungen zum Einsatz. Sie bestehen aus einer Hartpapp- oder Holzplatte, die als Objektträger und Halterung für die davor liegende Glasplatte dient. Mattierte oder entspiegelte Materialien ermöglichen dem Betrachter ein blendfreies Besichtigen.
  • Textilspann-Rahmen halten auf Stoff aufgebrachte Drucke ohne mechanische Hilfsmittel an Ort und Stelle.
  • Keilrahmen sind keine Rahmen im herkömmlichen Sinne, sondern die Basis vorbehandelter Leinwand. Sie werden nach dem Bemalen durch so genannte
  • Schattenfugen-Rahmen stabilisiert. Auch diese mechanischen Hilfsmittel gehören nicht zu den klassischen Bilderrahmen, ermöglichen es aber, ein Gemälde ohne zusätzliche Einfassung an die Wand zu bringen.
  • Die weitere Aufgabe eines Rahmens besteht darin, die Wirkung des darin eingefassten Objektes zu unterstreichen. Neben unterschiedlichen Grössen, Materialien und Farben kommen dabei auch so genannte Passepartouts zum Einsatz. Diese Karton- oder Papierstreifen erfüllen innerhalb des eigentlichen Rahmens zahlreiche Aufgaben: Sie
  • grenzen das gerahmte Objekt optisch ab
  • betonen das Objekt zusätzlich
  • verhindern einen direkten Kontakt zu den Bestandteilen des Rahmens
  • ermöglichen es, die Grösse des Objektes an den Rahmen anzupassen
  • fassen unterschiedliche Bilder und Rahmen konzeptionell zusammen

Passepartouts können hinsichtlich ihrer Farbe und ihrer Struktur auf den Rahmen und das zu rahmende Objekt abgestimmt sein oder selbst künstlerisch bearbeitet werden. Ihre Ausschnittöffnung sollte eine konvexe 45º-Kante aufweisen, damit auf dem Bild kein unerwünschter Schattenwurf entsteht.



 

Oberstes Bild: © fhmedien_de – Fotolia.com

Über Christiane Dietering

Christiane Dietering hat eine handwerkliche, zwei kaufmännische und eine Autoren-Ausbildung absolviert. Sie arbeitet als freie Texterin, Rezensentin und Journalistin in den Themenbereichen Kunst und Kultur. Ihre Hauptauftraggeber sind Veranstalter von Musikaufführungen, Lesebühnen und Erotik-Events.



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