Wie Sie Ihre Stress-Resilienz trainieren – Teil I: Die Verschiebung der Wahrnehmung

24.01.2014 |  Von  |  Selbstmanagement
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Wie Sie Ihre Stress-Resilienz trainieren – Teil I: Die Verschiebung der Wahrnehmung
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Für Entrepreneure und Selbstständige ist eine hohe Stress-Resilienz die Lebensversicherung ihres Unternehmens. Aber auch wenn Arbeitgeber neue Positionen auf Entscheiderebene zu besetzen haben, spielt die Befähigung, mit Druck umgehen zu können, ganz vorne bei den Wunschkompetenzen mit. In vieler Hinsicht ist das Stressempfinden persönlichkeitsbedingt. Was der eine als unzumutbare Belastung empfindet, ist für den anderen schlicht eine vielleicht unerwünschte, aber machbare Zusatzaufgabe.

Ganz unabhängig von solch subjektiven Reaktionen, die häufig biographisch bedingt sind und ausserdem von der hormonellen Architektur des Körpers abhängen, gibt es jedoch eine Reihe Methoden zu Steigerung der Stress-Resilienz, die jedem offenstehen und nachweislich funktionieren. In diesem und dem nächsten Teil gehen wir auf die erfolgreichsten ein und erläutern das notwendige Instrumentarium, um sie schnell und situativ einsetzen zu können.



Dies ist ein Bericht über die Stressbekämpfung in zwei Teilen. Hier das Inhaltsverzeichnis:

Teil I: Wie Sie Ihre Stress-Resilienz trainieren – Die Verschiebung der Wahrnehmung

Tel II: Wie Sie Ihre Stress-Resilienz trainieren – Bewusste Umgebungsgestaltung

Die Befähigung zum Glück hängt ab von der Beschaffenheit der Gedanken (Marc Aurel)

Anders ausgedrückt: Die Einstellung, die Sie gegenüber potenziell Stress auslösenden Faktoren einnehmen, ist entscheidend für den Druck, den diese bei Ihnen auslösen. Entscheiden Sie sich bewusst dafür, diese als persönliche Herausforderungen und Möglichkeiten zum mentalen Wachstum statt als Bedrohung des Status-Quo und Ihres inneren Gleichgewichtes wahrzunehmen, verlieren sie einen Grossteil ihres Schreckens.



Ein erheblicher Bestandteil des tatsächlich negativ wirksamen Stresses besteht nicht aus dem objektiv vorhandenen Druck – sondern aus der Angst vor dessen Auftreten und den in Folge ausgeschütteten Stresshormonen. Füttern Sie Ihr Unterbewusstsein mit der Botschaft, dass es nichts zu befürchten hat (selbst wenn Sie daran momentan nicht wirklich glauben), sondern im Gegenteil kurz vor einem positiven neuen Lernprozess steht. Es wird Sie in Konsequenz statt mit Kopfschmerzen oder exzessiver Müdigkeit mit den biochemischen Ressourcen versorgen, die Sie jetzt wirklich nötig haben.

Der externe Stress bleibt dabei gleich, aber Ihre Kapazitäten für den Umgang mit ihm stehen nun zur Verfügung. Das liegt an der neuro-kognitiv faszinierenden Tatsache, dass Ihr Unterbewusstsein nicht zwischen Realität und Fiktion unterscheidet – es reagiert auf Ihre Wahrnehmung und Gedanken, nicht auf Sinneseindrücke oder von aussen kommende Bilder. Ändern Sie Ihren Filter und die entsprechenden Stress-Symptome werden sofort zurückgefahren.



Die Frage ist also: Wie kriegen Sie diesen Wahrnehmungsdreher hin?

Stehen Sie vor einer besonders komplexen, arbeitsintensiven Aufgabe mit vielen möglichen Stressingredienzien, dann nehmen Sie sich einen Moment Zeit, statt direkt in ihre Aufarbeitung hinein zu stürzen. Akzeptieren Sie Ihre erste, instinktive Reaktion, aber bündeln Sie dann alle negativen Beschreibungen der Situation und legen Sie sie einen Moment lang unter „irrelevant“ ab. Zwingen Sie sich nun, die positiven Lerneffekte der Situation zu sehen – für Sie selbst und das Team als Ganzes.

Der Fokus auf die Aufgabe und ihren Lerneffekt lässt Sie das Ziel treffen - statt Energie mit negativen Gedanken zu verschwenden.  (Bild: lassedesignen - Fotolia.com)

Der Fokus auf die Aufgabe und ihren Lerneffekt lässt Sie das Ziel treffen – statt Energie mit negativen Gedanken zu verschwenden. (Bild: lassedesignen – Fotolia.com)




Seien Sie dabei kreativ – vielleicht besteht hier die Chance, Fähigkeiten zu fördern, die Ihnen nie als besonders wichtig erschienen sind, sich aber als nützlich herausstellen können. Nach und nach stellt sich ein Gefühl für das Vorhandensein paralleler Realitäten ein: Eine, in der die Aufgabe Stress auslöst, viele weitere, in der sie zu einem befriedigenden, mental beschleunigenden Prozess wird. Diese Übung nimmt Ihnen zum einen das typische Gefühl der Ausweglosigkeit, indem es die gleichzeitige Präsenz vieler Perspektiven aufmacht. Die alternative Beschreibung steht nun ausserdem Ihrem Unterbewussten als Option zur Verfügung, um positiv darauf reagieren zu können – etwas, das vorher gar nicht möglich war.

Zusätzlich haben Sie gerade, ohne es zu merken, ein Drehbuch für den weiteren Verlauf des Projektes verfasst. Denn dieser steht, Sie werden überrascht sein, niemals in Stein gemeisselt, egal wie identisch er die letzten Male abgelaufen ist. Damit kommunizieren Sie sich selbst und Ihrem Team, dass Sie es sind, der (oder die) die Situation gestaltet, statt blosses Opfer der Umstände zu sein. Die Opferrolle nämlich löst im Menschen weitere dämpfende Prozesse aus und wird schliesslich zum Selbstläufer: Das Gefühl, ausgeliefert zu sein, ist eines der häufigsten Burn-Out-Symptome.

Fokussieren Sie ausserdem vor jeder Stress-Situation nicht auf die Stress auslösende Tätigkeit sondern auf das Ergebnis, zu dem diese das Instrument, den Weg, den Schlüssel darstellt. Dieses kognitive Überspringen des Stressprozesses hilft Ihnen beim Aufbau des für Stress-Resilienz so nötigen Optimismus.

Zwei unermesslich wertvolle Methoden, das eigene Gehirn auf Umdenken zu trainieren, sind diese. Sobald der Stress ein überbordendes Mass annimmt, lassen Sie alles stehen und liegen und gehen Sie ins Museum. Egal in welches; je umfassender, epochen- und stilreicher die Sammlung ist, desto besser. Die Art von mentaler Befreiung, die die Begegnung mit Kunst auch bei den an Kulturgeschichte uninteressiertesten Menschen auslöst, ist grösstenteils unerklärt – auch wenn schon fast alle grossen Denker sich damit beschäftigt haben. Einige haben es mit dem Ausdruck „Sublimität“ beschrieben, der Fähigkeit, sich aus dem Alltäglichen auf eine höhere Ebene zu transportieren, auf der sich das wirklich Wichtige vom Irrelevanten löst und profane Furcht von robustem Mut abgelöst wird. Was auch immer jedoch in diesem „ästhetischen Moment“ geschieht: Hinterfragen Sie diesen Effekt nicht lange. Probieren Sie ihn einfach aus – in der Mittagspause, zwischen Arbeitsschluss und Heimweg, an einem Sonntag morgen. Sollte Ihnen tatsächlich die Zeit dafür fehlen, kann das konzentrierte und fokussierte Hören klassischer Musik zu ähnlichen Ergebnissen führen.

Der zweite Weg zur Umprogrammierung von Stressmustern ist das Brechen mit täglichen Gewohnheiten. Wenn Ihnen ein Wechsel der Perspektive am Arbeitsplatz schwer fällt, nehmen Sie sich vor, innerhalb der nächsten 24 Stunden drei Dinge in Ihrem Privatleben fundamental anders zu machen als normalerweise – sei es die Route Ihres Heimwegs, das Parfum, dass Sie tragen oder die Art, wie Sie sich Ihren Kaffee zubereiten lassen – oder ersetzen Sie letzteren gleich durch grünen Tee für einen Tag, das kann physiologische Wunder wirken! Diese subtilen Verrückungen der versteinerten Routine lassen wesentlich fundamentalere Veränderungen plötzlich machbarer erscheinen.



 

Oberstes Bild: © lassedesignen – Fotolia.com



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