Wie Sie Ihre Stress-Resilienz trainieren (Teil II): Bewusste Umgebungsgestaltung

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Wie Sie Ihre Stress-Resilienz trainieren (Teil II): Bewusste Umgebungsgestaltung
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In stressigen Zeiten wächst die Sensibilität gegenüber externen Einflüssen. Es ist deshalb essenziell, diese erstens sorgfältig zu filtern und zweitens bewusst zu gestalten.

Ein in vielen Studien nachgewiesener Stressreduzierer sind robuste soziale Beziehungen. Paradoxerweise können Anspannung und eine exzessive Workload exakt das Gegenteil bewirken – nämlich ein häufig mit Abschotten gegenüber der nicht zum Arbeitsumfeld gehörenden Umwelt, das Zurückfahren von privaten Kontakten aus Zeitmangel und Erschöpfung sowie eine Reduzierung kommunikativer Inhalte auf reine Ergebnisorientierung. Dieses intuitive Verhalten kann den Stresslevel auf hormoneller wie psychischer Ebene um ein Vielfaches potenzieren.



Dies ist ein Bericht über die Stressbekämpfung in zwei Teilen. Hier das Inhaltsverzeichnis:

Teil I: Wie Sie Ihre Stress-Resilienz trainieren – Die Verschiebung der Wahrnehmung

Tel II: Wie Sie Ihre Stress-Resilienz trainieren – Bewusste Umgebungsgestaltung

Besonders wenn Sie ein Unternehmen gründen und sich in der ersten Feedbackschleife nach dem Markteintritt befinden (etwa, in dem erste Beurteilungen in sozialen Netzwerken auftauchen, der Vertrieb Rücklauf hinsichtlich der Akquisebemühungen meldet oder Ihre Marketingmassnahmen erste messbare Ergebnisse liefern), ist eine sorgfältige Selektion der auf Sie einströmenden Rückmeldungen notwendig. Die meisten jungen Unternehmer tendieren dazu, positives Feedback zwar als Bestätigung wahrzunehmen, sich aber aus Angst vor Fehlentwicklungen oder Fehleinschätzungen von Zielgruppe oder Wettbewerbern sehr viel intensiver und nachdrücklicher mit dem Negativfeedback zu beschäftigen.

Dieses Ungleichgewicht zwischen Positiv und Negativ kann ein extremer Stressauslöser sein, der nicht notwendig ist. Wohlgemerkt: Selbstverständlich müssen gerade junge Entrepreneure einen durchdachten, offen-iterativen Prozess zu durchlaufen bereit sein, ohne unter dem damit einher gehenden Druck einzubrechen.



Dennoch ist die Dosierung kritischen Feedbacks und die innere Einstellung dazu entscheidend. Machen Sie es sich zum Ritual, jede positive Rückmeldung an und für sich (also nicht relativ zum Gesamtbild) zu geniessen und als Bestätigung Ihrer Vision zu erleben. Lassen, Sie, falls irgend möglich, eine Vertrauensperson die an Sie herankommenden Negativreaktionen aussortieren und Ihnen nur die Kennziffern weiterleiten, die tatsächlich für die Unternehmensentwicklung und eine eventuelle Kurskorrektur wichtig sind.

Gerade die sozialen Medien mit ihren von der Konkurrenz leicht steuerbaren Schneeballeffekten können schnell eine Panik auslösen, die der vorübergehenden Natur der Sache völlig unangemessen ist und – viel schlimmer noch – zu durch Stress ausgelösten Fehlentscheidungen führt. Besonders wichtig: Starten Sie Ihren Tag immer mit guten Nachrichten! Das trainiert Optimismus und wirkt als simples Antistressprogramm. Sollte es keine solchen geben, dass visualisieren Sie Ihren Erfolg als erstes so präzise wie möglich.

Eine mit diesem Ansatz verwandte, ausserordentlich effektive Taktik zur Stressreduktion ist die Reduzierung von Umgebungslärm. Damit sind weniger auditive Geräusche gemeint (aber auch hier lohnt sich unter Umständen ein Abklopfen der primären Aufenthaltsorte auf ihren Level an Lärmverschmutzung), als vielmehr der stete Fluss an Informationen, dem Sie ausgesetzt sind. Studien belegen, dass in entwickelten Informationsgesellschaften auf jeden (ungeschützten) Erwachsenen täglich etwa 12 Stunden lang unreguliert Daten einströmen. Leider sind wir von Natur aus auf diesen Datenansturm nicht vorbereitet.

Das Problem: Je mehr Daten Ihr Gehirn zu verarbeiten sucht, desto höher der Pegel der vorhandenen Stresshormone. Das liegt zum einen an der Überforderung der vorhandenen neuronalen Systeme, die in Konsequenz mit einem Fluchtinstinkt reagieren. Es hängt aber auch mit dem Absinken von Glücksstoffen zusammen.

In Konsequenz sind Sie weniger dazu in der Lage, in gegebenen Situationen das Positive zu sehen und eher dazu geneigt, nach Problemen, Schwachstellen und Risiken zu suchen – auch dort, wo vielleicht gar keine sind. Fahren Sie deshalb den Datenstrom absolut radikal zurück. Generell, aber ganz konzentriert an mehreren, bestimmten Kontemplationsmomenten am Tag. Setzen Sie sich, falls es nicht anders geht, in Ihr Auto, schalten das Handy aus und hören Sie klassische Musik. Gehen Sie in den nächsten Park und üben Sie sich zehn Minuten in Gehmeditation. Investieren Sie in Kopfhörer, die während der Arbeit alle Backgroundgeräusche ausfiltern.





Allein sein und zur Ruhe finden (Bild: www.Rudis-Fotoseite.de  / pixelio.de)

Allein sein und zur Ruhe finden (Bild: www.Rudis-Fotoseite.de / pixelio.de)




Jedes mentale Training, jedes positive Ritual, jede konstruktive Umgebungsgestaltung wird allerdings nur dann funktionieren, wenn Sie die notwendigen physiologischen Grundlagen dafür schaffen. Einfacher ausgedrückt: Ausreichend Schlaf und gutes Essen können die Stressreduzierer Nummer Eins sein. Umgekehrt sollten Sie niemals den Fehler begehen, die Relevanz von ausreichendem Schlaf und Nährstoffen zu unterschätzen.

Egal, wie sehr Sie Napoleon bewundern: Sie haben ein genetisch vorgegebenes Schlafpensum. Bleiben Sie darunter, produziert Ihr Körper Stresshormone, egal wie vorbildlich Sie sonst für sich sorgen. Das liegt daran, dass der Mensch die archaische Eigenschaft beibehalten hat, Schlafmangel mit der Vorhandensein von Gefahr zu assoziieren – denn warum sonst sollten Sie sich diese Tortur antun, als dass Sie vor der Höhle (oder am Feuer) wachen und nach Säbelzahntigern Ausschau halten, während der Rest des Stammes schläft?

Schlafen Sie also zu wenig, lösen Sie in Ihrem Gehirn einen Mechanismus aus, der in der Umwelt primär nach Gefahren Ausschau hält. Das Ergebnis: Sie werden pessimistisch, ängstlich – und noch gestresster. Das gleiche gilt für das Abfallen des Glukosepegels im Hirn, wie er etwa durch unregelmässiges oder zu wenig kohlehydrathaltiges Essen ausgelöst wird. Leisten Sie sich ein Buch zum Thema und nehmen Sie entsprechende Snacks zu sich – regelmässig und diszipliniert, egal wie sehr es zum Dresscode Ihrer Branche gehört, sich den Tag lang an Espressos ToGo festzuhalten.



 

Oberstes Bild: Auszeit – ein wichtiges Instrument der Stressreduzierung (Bild: © Ramona Heim – Fotolia.com)



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