Nach wenigen Jahren am Ende: Der Lebenszyklus der Wissensarbeiter

23.02.2014 |  Von  |  Organisation, Selbstmanagement
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Nach wenigen Jahren am Ende: Der Lebenszyklus der Wissensarbeiter
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Die Geschichte der modernen Industrie- und Informationsgesellschaften hat so einiges hervorgebracht. Waren es nach der industriellen Revolution die Fliessbandarbeiter, so erhob die wissenschaftlich-technische Revolution die Wissenschaft zur neuen Produktivkraft. Neben der Arbeit, dem Boden und dem Kapital etablierte sich damit ein neuer Bereich der Wirtschaft, der heute vor allem die sogenannten Wissensarbeiter beschäftigt.

Ob an den grossen internationalen Börsen, in den Forschungs- und Entwicklungsabteilungen oder ganz oben in Politik und Management, überall sind sie zu Hause, die Wissensarbeiter der Gegenwart. So allgegenwärtig ihre Präsenz in den modernen Industriestaaten ist, so kurz ist ihr Lebenszyklus. Gemessen an einem Produktionsarbeiter, der durchschnittlich 45 Jahre bis zum Ruhestand arbeitet, ist der engagierte Wissensarbeiter so etwas wie eine Eintagsfliege. Die Halbwertszeit der modernen Wissensarbeiter ist oftmals bereits nach nur zwei Jahren erreicht. Vier Jahre Höchstleistungen mit wechselndem Erfolg – spätestens dann ist Schluss.



Geistige Arbeit bis zur körperlichen Erschöpfung

Wissensarbeiter arbeiten vor allem mit dem Kopf. Sie sammeln und bewerten Informationen, analysieren, strukturieren, empfehlen und entscheiden. Und das oftmals im Sekundentakt. Neben einem umfangreichen Spezialwissen zeichnen sich die Wissensarbeiter von heute dadurch aus, dass sie mit ihren Kenntnissen ganze Wirtschaften bewegen können. Ein grosser Teil dieser Wissensarbeiter bewegt sich beispielsweise an international renommierten Börsen und entscheidet letztlich dort mit über das Wohl oder Übel von Aktienkursen, Fonds, Rohstoffen und Derivaten. Gearbeitet wird hier nicht nur solange wie die regionale Börse für den Handel offen ist. Darüber hinaus gilt es, die anderen Märkte zu beobachten, Trends zu erkennen und zu analysieren und daraus die möglichst richtigen Folgerungen für die eigenen Entscheidungen zu treffen.

Wissensarbeiter finden sich auch in anderen Bereichen. Börsenmakler, Juristen, IT-Spezialisten, Bänker und Berater verbindet vor allem Eines: Sie arbeiten hart, immer und offenbar gern. Und wenn alles gut geht, verdienen sie dabei richtig viel Geld. Dazu gesellt sich ein hohes Mass an persönlicher Entscheidungsfreiheit, von dem andere nur träumen. Motivation und ein überdurchschnittlicher Leistungswille runden das Gesamtpaket der modernen Wissensarbeiter ab. Doch der Preis für Einsatz und Erfolg ist hoch, nicht selten zu hoch.

Die geistige Arbeit oftmals über zwei Drittel des Tages hinweg, Entscheidungsfreude an der äussersten Grenze des Risikos und der Verzicht auf eine gewisse Normalität im Leben fordern zunächst unmerklich, später aber immer spürbarer ihren Tribut. Bereits nach durchschnittlich vier Jahren Höchsteinsatz sind die Experten am Ende. Wie es dann weitergeht, bleibt für die meisten offen. Mit etwas Glück ist dann ausreichend Geld für den Rest eines durchschnittlich bescheidenen Lebens verdient worden oder es findet sich ein Arbeitgeber für Workaholics, die noch immer am Rande des Zusammenbruchs und an der Grenze des Machbaren arbeiten. Selbst bei klar geregelten und liberalen Arbeitszeiten.



Was in der Wissensarbeit krank macht

Es ist nicht die Wissensarbeit selbst, die krank macht. Vielmehr sind es der übersteigerte Ehrgeiz, das immer wieder neue Bewerten komplexer Zusammenhänge und die ständige elektronische Verfügbarkeit, die letztlich krank machen. Wissensarbeiter arbeiten nicht selten bis zu 120 Stunden in der Woche. Und das freiwillig. Das ist dreimal so lange, wie es durchschnittliche Beschäftigte tun. Dreimal längere Arbeitszeiten, ständig wechselnde Entscheidungsparameter, die Sucht nach Erfolg und die ständige Erreichbarkeit via Smartphone und Co. führen dazu, dass viele der so genannten Wissensarbeiter quasi ständig arbeiten. Werden derart engagierte Zeitgenossen nach ihrer Motivation gefragt, fällt die Antwort recht einsilbig aus: „Es macht mir Spass!“

Schnell findet der Spass jedoch ein jähes Ende. Wer sich zurückzieht oder zeitlich kürzer tritt, landet schnell auf der Verliererstrasse und ist dann aussen vor, wenn es um Erfolg, Geld und Macht geht. Für die, die unentwegt am Ball bleiben, endet die Erfolgswelle auf der sie gesurft sind ebenso schnell. Bereits nach nur einem Jahr andauernd harten Arbeitens stellen sich erste Erschöpfungszustände und körperliche Symptome ein. Unruhiger Schlaf, ungesunde Essgewohnheiten, nicht ausreichend Zeit für das Regenerieren führen zu Kopfschmerzen, Magenschmerzen, unbestimmter Übelkeit und oftmals auch zu einer stets präsenten Müdigkeit, die freilich ignoriert werden kann. Alles schon Anzeichen für echte Erschöpfung und drohendes Burnout. Aber meist längst noch keine Gründe zum Aufhören.



Die Erfolgsspirale dreht sich weiter



Ja, die Erfolgsspirale dreht sich weiter, auch wenn man nicht daran teilhat. Diesen Zustand können die meisten Wissensarbeiter nicht verkraften. Das gesteigerte Mass an Motivation und Erfolgshunger macht aus der Spirale schnell einen Teufelkreis. Erfolg verlangt nach noch mehr Erfolg, Misserfolge müssen mit einem Mehr an Einsatz und Entscheidungsfreude kompensiert werden und letztlich will jeder der Beste sein. Koste es, was es wolle. Erfolg um jeden Preis heisst hier auch Verschleiss von Körper und Seele im Zeitraffertempo. Für eine gesunde und ausgeglichene Lebensführung bleibt ohnehin kaum Zeit, der Freundeskreis wird kleiner bis er letztlich nicht mehr vorhanden ist und persönliche Eigenschaften wie Freundlichkeit, Toleranz und Entgegenkommen sind in diesem Business ohnehin nicht wirklich gefragt. Bereits nach spätestens drei Jahren präsentieren sich die Intellektual-Workaholics als körperliche und psychische Wracks, die davon nur noch nichts wissen (wollen). Die körperlichen Signale werden gern ausgeblendet, solange der Geist noch frisch scheint. Die Erfolgsspirale dreht sich eben weiter, vielleicht auch schon unbemerkt nach unten.

Endzeit

Durchschnittlich nach vier Jahren sind die überengagierten Wissensarbeiter kaputt. Seelisch und körperlich am Ende und oftmals nicht einmal mehr gesellschaftsfähig haben sie den Zenit ihrer Leistungsfähigkeit längst überschritten. Misserfolge häufen sich, dass Interesse an den Koryphäen von gestern weicht einer zunehmenden Distanz im Heute. Was jetzt bleibt ist oft nicht viel.

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Durchschnittlich nach vier Jahren sind die überengagierten Wissensarbeiter kaputt. (Bild: Matthias Preisinger / pixelio.de)

Wer dieser Endzeitstimmung rechtzeitig entgehen will, sollte zeitig darüber nachdenken, ob es wirklich lohnt, auf diese Weise zu leben und zu arbeiten. In den meisten Fällen sind Wissensarbeiter, die engagiert aber besser strukturiert arbeiten, ebenso erfolgreich. Vielleicht nicht ganz oben aber eben mit dabei. Und das sollte angesichts der nicht abwägbaren Risiken und des kurzen Lebenszyklusses übereifriger Wissensarbeiter dann vielleicht auch ausreichend sein.



 

Oberstes Bild: © apops – Fotolia.com



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Über Olaf Hoffmann

Olaf Hoffmann ist der kreative und führende Kopf hinter dem Unternehmen Geradeaus...die Berater.
Neben der Beratertätigkeit für kleine und mittlere Unternehmen und Privatpersonen in Veränderungssituationen ist Olaf Hoffmann aktiv in der Fort- und Weiterbildung im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe.
Als Autor für zahlreiche Blogs und Webauftritte brilliert er mit einer oftmals bestechenden Klarheit oder einer verspielt ironisch bis sarkastischen Ader. Ob Sachtext, Blogbeitrag oder beschreibender Inhalt - die Arbeiten des Autors Olaf Hoffmann bereichern seit 2008 in vielfältigen Formen das deutschsprachige Internet.


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