So wird das Anlagejahr 2017: Fünf Thesen der St. Galler Kantonalbank

05.12.2016 |  Von  |  Finanzen, News
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Das Jahr neigt sich unaufhaltsam dem Ende entgegen und daher ist es ein guter Zeitpunkt, schon einmal einen Blick auf 2017 zu werfen. Brexit, die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten, der Putsch-Versuch in der Türkei, Syrien-Konflikt – 2016 hielt wieder viele Überraschungen bereit, die auch im nächsten Jahr Folgen zeigen werden.

Die Anlage- und Investment-Experten der St. Galler Kantonalbank wagen bereits heute ein paar Vorhersagen und geben Tipps, worauf sich Anleger 2017 einstellen sollten. Wir geben hier ihre Analyse und Empfehlungen – in leicht gekürzter Form – wieder:

2016 waren starke Nerven gefragt

Die Frankenstärke liess Ende 2015 nichts Gutes für die Schweizer Wirtschaft erwarten. Der Ausblick war düster. Ein Jahr später stellt sich heraus: Ganz so schlimm war es nicht. Die Devisenmarktinterventionen der SNB und der stabile Euro/Franken-Wechselkurs haben die Planungssicherheit der Schweizer Exportfirmen verbessert.

Ein starkes Nervenkostüm war im Jahr 2016 das A und O für alle Aktien-Anleger. Zum Jahresanfang wurden die Aktienmärkte vom tief gefallenen Ölpreis, wirtschaftlichen Ängste um China und den Befürchtungen einer Rezession in den USA durchgeschüttelt. Später kamen der Brexit-Entscheid in Grossbritannien, die Unsicherheit über die weitere US-Geldpolitik sowie der Wahlkampf um die US-Präsidentschaft als Stressfaktoren hinzu. Die Börsen zeigten jedoch Nehmerqualitäten und die Aktienkurse haben sich immer wieder erholt.

Fünf Thesen für das 2017

1. Erstmals nach sieben Jahren wieder „Teuerung“ in der Schweiz

Ins Jahr 2016 startete die Schweizer Wirtschaft mit einer Inflationsrate von minus 1.4%. Zum Jahresende hat sich der negative Preisdruck nicht umgedreht, aber immerhin abgeflacht. Mit einem kleinen Minus von 0.2% hat sich die deflationäre Tendenz deutlich abgeschwächt. Im kommenden Jahr wird die Inflation wieder in den positiven Bereich und bis Ende 2017 auf +0.5% steigen. Weil die Inflationsrate weit vom SNB-Inflationsziel von 2% notiert, kann die SNB stark expansiv bleiben. Auch die Negativzinsen stehen nicht zur Diskussion. Diese werden die Anlegerinnen und Anleger auch durchs Börsenjahr 2017 begleiten.

2. Verhaltene Zinserhöhung durch die Fed, EZB und SNB weiter expansiv

Die US-Zinsen werden im kommenden Jahr steigen. Diese Entwicklung wird die langfristigen Zinsen auch in der Schweiz und der Eurozone nach oben ziehen, wenn auch weniger stark als in den USA. Die kurzen Zinsen bleiben aber in beiden Regionen tief, die Zinskurve wird steiler. Die SNB wird sich bei ihren Zins-Entscheiden an der geldpolitischen Ausrichtung der EZB orientieren und diese bleibt aufgrund der aus ihrer Sicht zu tiefen Inflation und dem zu schwachen Wirtschaftswachstum in der Eurozone expansiv.

Die Wertentwicklung des Frankens bleibt für die SNB von grösster Bedeutung. Weil die Deviseninterventionen die SNB-Bilanzsumme stark erhöhen, wird die Nationalbank auch im kommenden Jahr auf die Negativzins-Karte setzen, um den Franken unattraktiv zu machen.

3. US-Dollar verliert trotz steigender Zinsen an Wert

Trotz fortschreitendem Fed-Zinserhöhungszyklus wird der US-Dollar unter Abgabedruck geraten. Der Greenback kann zwar jeweils im Vorfeld einer möglichen US-Zinserhöhung zulegen. Aber mit jedem weiteren Zinsschritt wird sich dieser Effekt abschwächen. Darum wird der US-Dollar im Verlaufe der nächsten zwölf Monate abwerten. Der Euro profitiert dagegen von der aufkommenden Diskussion über das Ende der ultra-expansiven Geldpolitik.

4. Guter Jahresstart für Aktienmärkte, aber nicht zu viel Optimismus

Der Nährboden für eine positive Entwicklung des Aktienmarktes ist vor allem zum Jahresbeginn gelegt. Zu Beginn des Jahres bleibt die Geldpolitik der Zentralbanken in ihren Grundzügen expansiv und das Zinsniveau tief. In den USA werden viele Infrastrukturprojekte aus der Taufe gehoben und die vorlaufenden Wirtschaftsindikatoren werden weiterhin eine expansive Konjunkturentwicklung signalisieren.

Spätestens zur Jahresmitte kommen die Spielverderber wieder vermehrt zum Zug. Dazu gehören die restriktiver werdende Geldpolitik in den USA und die Erwartung, dass auch in der Eurozone irgendwann die Geldpolitik wieder restriktiver werden muss. Die Abwertung des Yuan illustriert, dass Chinas Entwicklung ebenfalls von Unsicherheiten geprägt ist. Sie ist ein Belastungsfaktor für die Entwicklung der Aktienmärkte weltweit.

5. Der Goldpreis kommt unter Abgabedruck

Echt positive Treiber für den Goldpreis wird es 2017 nicht geben. Vermehrte Diskussionen um wieder steigende Inflationsraten werden ihn unterstützen. Aber die steigenden Zinsen in den USA erhöhen die Opportunitätskosten für das zinslose Gold, was die Anlage unattraktiver machen wird und den Goldpreis auch entsprechend belastet.

  • Obligationen: Die Obligationen werden untergewichtet; sie sind wegen der tiefen Renditen und der Aussicht auf eher steigende als fallende Zinsen nicht attraktiv. Der Hauptteil besteht aus Franken-Anleihen mit einer guten Kreditqualität. Um die Renditeaussichten zu optimieren wird die konservative Obligationenallokation mit High Yield Anleihen und Global Bonds ergänzt, wobei bei der zweiten Ergänzung das Währungsrisiko abgesichert ist.
  • Aktien: Die St. Galler Kantonalbank hält bei der Aktienallokation ein Gleichgewicht gegenüber der Benchmark. Auf Ebene Regionen wird ein Übergewicht bei den US-Aktien und Schweizer Aktienmarkt umgesetzt.

Bei den US-Aktien ist von positiven Impulsen der US-Binnenkonjunktur auszugehen. Zu erwarten ist, dass positive Impulse für die globalen Aktienmärkte aus den USA kommen. Auf der anderen Seite zeigt sich, dass der US-Aktienmarkt in unsicheren Zeiten wesentlich weniger stark mit Kursausschlägen oder –abschlägen reagiert als die zyklischen Aktienmärkte der Schwellenländer oder der Eurozone.

Der Schweizer Aktienmarkt ist im internationalen Vergleich zurückgeblieben. Daraus ergibt sich positives Potenzial, vor allem in Kombination mit den verbesserten Konjunkturaussichten für die Schweiz. Der Pharmasektor und andere internationale Unternehmen dürften von der positiven Entwicklung der Weltwirtschaft profitieren.

  • Rohwaren: Der Goldpreis wird weiterhin unter Abwertungsdruck bleiben. Vor allem der Anstieg der US-Zinsen und kaum Sorge vor stark steigender Inflation nehmen dem Goldpreis die Preisfantasie. Die St. Galler Kantonalbank hält kein Gold in ihren Portfolios. Auch von anderen Rohstoffen wird mangels Preisphantasie nach oben Abstand gehalten.

 

Quelle: St. Galler Kantonalbank
Artikelbild: © NicoElNino – shutterstock.com (Symbolbild)

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