Access to Medicine Index 2016: Welchen Zugang bieten Pharma-Firmen zu Medikamenten?

14.11.2016 |  Von  |  News

Geschätzte Lesezeit: 6 minutes

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Menschen in Entwicklungsländern haben bei Krankheiten oft das Problem, dass zwar Medikamente existieren, aber der Zugang dazu schwierig ist. Dabei erreichen pharmazeutische Unternehmen tendenziell Fortschritte, diesen Zugang zu erleichtern.

Dies ergibt sich aus dem am Montag, 14. November, veröffentlichten Access to Medicine Index 2016, der die Aktivitäten der 20 führenden Pharmaunternehmen in diesem Bereich misst. Der Index zeigt auch, dass es noch viel zu tun gibt und manche Chance ungenutzt bleibt.

Unternehmen mir den besten Access-Programmen

GlaxoSmithKline, das zum bereits fünften Mal den ersten Platz belegt, schafft es am besten, seine Access-Aktivitäten auf die Bedürfnisse abzustimmen. Auf GSK folgen dicht hintereinander Johnson & Johnson, Novartis und Merck KGaA. Die Pharmaindustrie ist sehr vielfältig, was sich auch darin widerspiegelt, wie die Unternehmen den Zugang zur medizinischen Versorgung angehen.

Trotzdem teilen die vier Unternehmen in der Spitzengruppe einige besondere Merkmale. Sie haben die am besten entwickelten Access-Programme mit gut organisierten Access-Strategien, die die Geschäftsentwicklung in den Schwellenländern unterstützen, in denen der Bedarf am Zugang zur medizinischen Versorgung hoch ist. Diese Unternehmen haben zudem gezeigt, dass sie unabhängig festgelegte Bedürfnisse mit hoher Priorität angehen können.

Was deutsche Pharmaunternehmen angeht, so ist das Ergebnis gemischt. Merck KGaA befindet sich in der obersten Gruppe und ist Vierter. Merck KGaA hat deutliche Stärken im Ausbau von R&D- und Herstellungskapazitäten. In Zusammenarbeit mit der Universität von Namibia und mit Unterstützung des dortigen nationalen Programms zur Malariabekämpfung, forscht Merck an Malaria im südafrikanischen Raum.

Sowohl Bayer als auch Boehringer-Ingelheim haben Plätze eingebüsst. Das liegt zum Teil daran, dass die anderen Unternehmen mehr tun. Bayer setzt sich zwar besonders für vernachlässigte tropische Krankheiten und für Familienplanung ein, ist aber dafür in anderen Bereichen weniger aktiv. Boehringer-Ingelheim ist auf den 16. Platz zurückgefallen, hat aber die grösste Projektpipeline (52 Projekte) zur Bekämpfung von Krankheiten mit einem starken Fokus auf nicht-übertragbare Krankheiten.

850 Produkte für die 51 schwersten Krankheiten

Die Unternehmen haben 850 Produkte für die 51 schwersten Krankheiten in den Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen auf dem Markt, 420 Produkte befinden sich in der Entwicklung. Das schliesst mehr als 100 Produkte mit ein, die sich seit 2014 in der Pipeline befinden, und 151 Produkte, die kommerziell nicht attraktiv sind, aber gerade von den Armen dringend benötigt werden.

Die Mehrheit (67 Prozent) der Forschungsprojekte, die Unternehmen für Produkte mit hoher Priorität bei gleichzeitig niedrigem wirtschaftlichem Anreiz haben, werden in Partnerschaften mit anderen Unternehmen betrieben.

Die Fortschritte, noch mehr Medizin noch besser verfügbar zu machen, lassen sich auch daran ablesen, wie Unternehmen mit ihren Patenten umgehen und in welchem Umfang sie anderen Herstellern erlauben, Generika ihrer Produkte herzustellen.

Verzicht auf Patentrechte

Seit 2014 haben sich sieben Unternehmen neu oder in noch grösserem Masse dazu verpflichtet, auf Patentrechte für bestimmte Produkte in bestimmten Regionen zu verzichten. So gibt es mehr Produkte gegen HIV/AIDS, die unter freiwilligen Lizenzvereinbarungen laufen und die in mehr Ländern als zuvor gültig sind. Zum ersten Mal überhaupt gibt es diese Vereinbarung auch für eine andere Krankheit als HIV/AIDS: Hepatitis C. Weltweit leiden zwischen 130 und 150 Millionen Menschen
an dieser chronischen Infektion.

Allerdings kann ein Produkt nur dann in einem Land zum Einsatz kommen, wenn es dort registriert ist. Der Index ergab, dass Unternehmen für ihre neuesten Produkte in nur 25 Prozent der Länder, die der Index als hohe Priorität eingestuft hat, eine Registrierung beantragen.

Ein weiterer Eckpfeiler, um den Zugang zur medizinischen Versorgung zu verbessern, ist es, die Produkte erschwinglicher zu machen. Der Index hat herausgefunden, dass bei einem Drittel der relevanten Produkte die Zahlungsfähigkeit berücksichtigt wird. Das hat sich seit dem Index 2014 nicht verändert. Nur 5 Prozent der Produkte (44 von 850) verfolgen so eine Preisstrategie in den Ländern, die der Index in die höchste Dringlichkeitsstufe einordnet, wobei mindestens ein sozialwirtschaftlicher Faktor berücksichtigt wird. Rund die Hälfte dieser Produkte kommen von GSK und AstraZeneca.

Was sonst noch getan wird

  • Ein Viertel der Unternehmen (5) hat neue Geschäftsmodelle entwickelt, um Bevölkerungsgruppen mit niedrigem Einkommen zu erreichen.
  • Die Krankheiten, die im Fokus der Access-Aktivitäten der Unternehmen stehen, sind Herzkrankheiten, Infektionen der unteren Atemwege und HIV/AIDS. Forschung und Entwicklung der Unternehmen konzentriert sich auf fünf Krankheiten, primär auf Infektionen der unteren Atemwege, gefolgt von Diabetes, Malaria, Virushepatitis und HIV/AIDS.
  • Die meisten Unternehmen setzen sich dafür ein, das Gesundheitssystem in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen zu stärken. Sechs Unternehmen stimmen dabei ihre Tätigkeiten mit den Prioritäten ab, die lokal, zum Beispiel von Regierungen, festgelegt wurden.

Die Unternehmen, die sich im Ranking am meisten verbessern konnten, waren AstraZeneca und Takeda. Beide haben im grossen Masse ihre Access-Strategien ausgebaut und angepasst. AstraZeneca verbesserte sich um acht Plätze und hat nun mit dem sieben Platz die Top Ten erobert. Takeda stieg um fünf Plätze auf Rang 15. Unterdessen sind Novo Nordisk, Roche und Gilead am stärksten gefallen, da sie von den anderen Unternehmen leistungsmässig übertroffen wurden.

 

Artikel von: Access to Medicine Foundation
Artikelbild: © photo4passion.at – shutterstock.com

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