Hochschule Luzern – Befragung zur beruflichen Vorsorge

15.09.2016 |  Von  |  News, Studien
Keine Beiträge mehr verpassen? Hier zum Newsletter anmelden!
Hochschule Luzern – Befragung zur beruflichen Vorsorge
5 (100%)
1 Bewertung(en)

Die berufliche Vorsorge (BV) ist eine wesentliche Säule der Alterssicherung in der Schweiz. Trotzdem gibt es nicht wenige, die das nicht besonders interessiert. Auch das Wissen um die komplexe Thematik weist Lücken auf. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der Hochschule Luzern.

Die Forscher haben dabei mehr als 730 Personen befragt. Sie sehen dringenden Handlungsbedarf, die festgestellten Wissensdefizite zu schliessen. Sonst könne es zu Entscheidungen und Abstimmungs-Verhalten kommen, das kontraproduktiv sei.

Studie im Auftrag von PensExpert

Die zweite Säule im schweizerischen System der Altersvorsorge stellt für die meisten Pensionierten die wichtigste Einkommensquelle dar. Die Höhe der Leistungen ist von Parametern wie Beitragshöhe, Beitragsdauer, Mindestzinssatz und Umwandlungssatz abhängig. „Es ist entscheidend, zu wissen, wie diese Parameter zusammenhängen, zumal die demografischen und wirtschaftlichen Entwicklungen auch auf politischer Ebene zu Reform-Diskussionen in der Altersvorsorge und Abstimmungen führen, die Konsequenzen haben können“, sagt Yvonne Seiler Zimmermann vom Institut für Finanzdienstleistungen Zug IFZ der Hochschule Luzern.

Um herauszufinden, wie gross das Interesse der Versicherten am Thema ist und wie gut sie darüber Bescheid wissen, hat wurde im Auftrag des Schweizer Vorsorgespezialisten PensExpert AG eine Umfrage bei rund 730 aktiv versicherten Personen durchgeführt.

Jeder Fünfte ist nicht sehr interessiert

Die Umfrage zeigt, dass das Thema der beruflichen Vorsorge für 80 Prozent der Befragten von Interesse ist. 20 Prozent sind weniger oder nicht am Thema interessiert. Für das Desinteresse wird als Hauptgrund „Bequemlichkeit“ angegeben, gefolgt von „ich bin zu jung“ und „das Thema ist zu kompliziert“.

Die Hälfte der Befragten hat auch schon in jüngeren Jahren über das Thema nachgedacht und die grosse Mehrheit der Befragten betrachtet die berufliche Vorsorge für die Schweizer Gesellschaft als wichtig. Allerdings glauben 56 Prozent nicht, dass sie von der AHV und der Pensionskasse genügend Geld erhalten werden, um ihren gewohnten Lebensstandard nach der Pensionierung aufrecht erhalten zu können.


Das Thema der beruflichen Vorsorge ist für 80 Prozent der Befragten von Interesse. (Quelle: Hochschule Luzern)

Das Thema der beruflichen Vorsorge ist für 80 Prozent der Befragten von Interesse. (Quelle: Hochschule Luzern)


Trickreiche Fragen decken Wissenslücken auf

Über 60 Prozent der Befragten schätzen sich als gut oder eher informiert ein, sowohl über das System der beruflichen Vorsorge (65 Prozent) als auch über die finanzielle Lage ihrer Vorsorgeeinrichtung und der von ihr gebotenen Leistungen (63 Prozent). Als Hauptgrund für Informationslücken werden „Bequemlichkeit“, „zu kompliziert“ oder „zu wenig Informationen erhältlich“ angegeben. Hauptinformationsquellen sind die Vorsorgeeinrichtung und der Arbeitgeber.

Um den tatsächlichen Wissensstand der Befragten zu klären, wurden ihnen zu den Themenbereichen „Allgemeines Wissen“, „Wissen zur Finanzierung und Kosten der beruflichen Vorsorge“, zu den „Leistungen der Kassen“, zur „Freiheit und Mitsprache der Versicherten“, „Steuern“ sowie „Recht“ Fragen gestellt.

Über alle Wissensfragen hinweg liegt der Anteil der richtigen Antworten im Durchschnitt bei 62 Prozent, der Anteil der falschen bei 22 Prozent. „Da bei allen Fragen die Antwortmöglichkeit ,weiss nicht‘ bestand, können wir die Schlussfolgerung ziehen, dass bei diesen 22 Prozent die Befragten fälschlicherweise der Meinung sind, die richtige  Antwort zu kennen, ihr Wissen also überschätzen“, sagt Seiler Zimmermann.

Am höchsten ist der Wissensstand, gemessen mit dem Anteil richtiger Antworten, im Themenbereich „allgemeines Wissen“ (76 Prozent), gefolgt von „Recht“ (64 Prozent) und „Finanzierung und Kosten“ (63 Prozent). In den Themenbereichen „Leistungen“, „Freiheit und Mitsprache“ und „Steuern“ ist der Wissensstand mit durchschnittlich 56 Prozent richtigen Antworten am tiefsten.

Zum Beispiel kennen nur 35 Prozent den aktuellen BVG-Umwandlungssatz, und nur 22 Prozent wissen, dass Pensionskassen-Gelder bei einer Auswanderung in ein EU-Land nur mit Einschränkungen bezogen werden dürfen. Das Wissen wird im Themenbereich „Freiheit und Mitsprache“ mit einem Anteil von durchschnittlich 30 Prozent falschen Antworten am meisten überschätzt.

Jeder Dritte desinteressiert und uninformiert

Am besten kennen sich ältere Schweizerinnen und Schweizer aus, die am Thema der beruflichen Vorsorge interessiert sind, eine gute Ausbildung genossen haben und Arbeitnehmende einer Firma in der Branche „Finanz- und Versicherungsdienstleistung“ sind. Am schlechtesten ist das Wissen bei Desinteressierten, bei jüngeren Personen mit tieferem Ausbildungsniveau und bei Ausländern. Der Wissenstand ist jedoch unabhängig von Geschlecht und Beschäftigungsgrad.

Die Studie der Hochschule Luzern zeigt Handlungsbedarf auf: Die grosse Mehrheit interessiert sich zwar für das Thema und fühlt sich auch gut darüber informiert. Aber die Umfrage zeigt auch, dass der Anteil der Desinteressierten und Uninformierten mit 35 Prozent beachtlich ist. Zudem können rund 24 Prozent der Umfrageteilnehmer nur die Hälfte oder weniger aller Fragen richtig beantworten.

Deshalb seien Massnahmen notwendig, um umfassender zu informieren und vermehrt für das Thema zu sensibilisieren, sagt Yvonne Seiler Zimmermann: „Nur wer über genügendes Wissen bezüglich des Vorsorgesystems verfügt, kann fundierte Entscheidungen sowohl für seine persönliche Vorsorge als auch für die Ausgestaltung der zweiten Säule im Rahmen der politischen Gestaltungsmöglichkeiten treffen.“

 

Artikel von: Hochschule Luzern
Artikelbild: © goodluz – Shutterstock.com

Über belmedia redaktion

belmedia hat als Verlag ein ganzes Portfolio digitaler Publikums- und Fachmagazine aus unterschiedlichsten Themenbereichen aufgebaut und entwickelt es kontinuierlich weiter. Getreu unserem Motto „am Puls der Zeit“ werden unsere Leserinnen und Leser mit den aktuellsten Nachrichten direkt aus unserer Redaktion versorgt. So ist die Leserschaft dank belmedia immer bestens informiert über Trends und aktuelles Geschehen.


1 Kommentar


  1. Erfahrungen aus der Akquise von InteressentInnen für Beratungen bezüglich Altersvorsorge: Da gibt es den Teil der Bevölkerung die einen starken Bezug zum Thema haben weil sie in einem entsprechenden oder dem Thema nahen Bereich beruflich tätig sind oder über die eigene Famile oder den eigenen Freundeskreis gute Kontakte zu Fachleuten aus diesem Gebiet pflegen und sich entsprechend mit dem Thema aktiv beschäftigen und was ihre eigene Vorsorgesituation betrifft entsprechend handeln oder gehandelt haben.

    Und dann gib es die Beratungsresistenten die nach dem Prinzip leben: Bis jetzt ist es auch gegangen. Warum soll es morgen nicht gehen und warum soll ich heute handeln?

    Leider hat sich der Umverteilungsgedanke und eine damit einhergehende Anspruchshaltung gegenüber dem System als solches über Generationen im Volk weit verbreitet und etabliert. Ob angesichts dessen eine weiche Landung im Sinne einer erfolgreichen Reformierung unserer Vorsorgewerke/unseres Vorsorgesystems möglich sein wird?

Ihr Kommentar zu:

Hochschule Luzern – Befragung zur beruflichen Vorsorge

Für die Kommentare gilt die Netiquette! Erwünscht sind weder diskriminierende bzw. beleidigende Kommentare noch solche, die zur Platzierung von Werbelinks dienen. Die belmedia AG behält sich vor, Kommentare ggf. nicht zu veröffentlichen.