„Rosen, Tulpen, Nelken, alle Blumen welken“ – was dieser Spruch mit dem Finanzmarkt zu tun hat

10.06.2014 |  Von  |  Finanzen
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„Rosen, Tulpen, Nelken, alle Blumen welken“ – was dieser Spruch mit dem Finanzmarkt zu tun hat
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Wer kennt sie nicht, diese Lebensweisheit auf Poesiealbum-Niveau? Doch hätten Sie gedacht, dass sich hinter dem bekannten Spruch zugleich eine der härtesten Wahrheiten des Finanzmarktes verbirgt? Ein Blick in die Geschichte zeigt, wie deutlich sich manches durch die berühmte Blume sagen lässt.

Keine Pflanze ist so untrennbar mit einem Land verbunden wie die Tulpe mit Holland. Doch während diese Verquickung heutzutage vor allem Blumenhändler und Anbieter von Pauschalreisen entzückt, löste sie vor rund 400 Jahren noch ganz andere Assoziationen aus. Schuld daran waren die aus der Türkei eingeführten Tulpenzwiebeln, die bei den vermögenden Bürgern der Städte hoch im Kurs standen.



Wie wörtlich das zu verstehen ist, sollte sich jedoch erst noch zeigen. Zunächst waren die Saatträger nämlich ausschliesslich Tauschware, welche in den Häfen gegen landestypische Produkte feilgeboten wurden. Erst nachdem sich die daraus erwachsenden Blumen zu beliebten Zierpflanzen und Prestigeobjekten entwickelt hatten, begannen zahlreiche Händler die Zwiebeln aufzukaufen. Die Erkenntnis, dass deren Wert auf Märkten und in Spezialgeschäften weit über dem Einkaufspreis lag, brachte sie auf eine geniale Idee.

Fortan erwarben die in den Häfen stationierten Kaufleute die türkische Ware gleich säckeweise. Das dafür geliehene Geld konnten sie durch ungleich höhere Mehreinnahmen leicht zurückzahlen – und machten dabei ein wahrhaft blühendes Geschäft. Ihr diesbezüglicher Erfolg führte dazu, dass Tulpenzwiebeln ab 1620 wie finanzstarke Aktien an der Börse gehandelt wurden.

Zwischen 1623 und 1636 stieg der Wert einzelner Exemplare auf bis zu 5500 Gulden – ein Betrag, der das Jahreseinkommen einfacher Handwerker um das 20-Fache überstieg und manchen Spekulanten sogar zum Verkauf des eigenen Hauses animierte.

Doch schon wenige Monate später welkte der blühende Handel dahin. Ab Februar 1637 verloren die bis dato hoch gehandelten Tulpenzwiebeln rapide an Wert. Um die nun nicht mehr begehrte Ware so schnell wie möglich wieder loszuwerden, boten Händler die Pflanzenknollen mit Rabatten von über 90 % an – und blieben dennoch darauf sitzen. Ein Vorfall, der sich einige Zeit später in anderer Form und an anderem Ort wiederholen sollte. Doch das ist eine neue Geschichte …



 

Oberstes Bild: © PhotoSGH – Shutterstock.com

Über Christiane Dietering

Christiane Dietering hat eine handwerkliche, zwei kaufmännische und eine Autoren-Ausbildung absolviert. Sie arbeitet als freie Texterin, Rezensentin und Journalistin in den Themenbereichen Kunst und Kultur. Ihre Hauptauftraggeber sind Veranstalter von Musikaufführungen, Lesebühnen und Erotik-Events.


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