Unzumutbare Arbeits- und Hygienebedingungen – Burger King droht ein riesiger Imageverlust

08.05.2014 |  Von  |  News
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Unzumutbare Arbeits- und Hygienebedingungen – Burger King droht ein riesiger Imageverlust
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Lecker geht anders! Die Fast Food Welt ist seit mehr als einer Woche um eine schlechte Nachricht reicher. Aber das ist eigentlich noch beschönigend ausgedrückt. In Wirklichkeit geht es um einen handfesten Skandal, von dem sich das Unternehmen Burger King so schnell wohl nicht erholen dürfte, wenn es nach Verbraucherschützern geht.

Ein Team des deutschen Fernsehsenders RTL hatte in der letzten Woche Hygiene- und Arbeitsbedingungen bei einer Reihe von Filialen entdeckt, die den Kunden den Appetit auf Hamburger nehmen könnte.



Die bekannte Krone – Markenzeichen von Burger King – ist nach den Enthüllungen arg angekratzt. Die betroffenen Lokale gehören allesamt zur Yi-Ko-Holding, mit 91 Filialen der grösste Franchisenehmer der Burger-Kette in Deutschland. Mittlerweile hat es personelle Konsequenzen gegeben. Geschäftsführer Ergün Yildiz ist zurückgetreten (worden?), nachdem er eine Woche lang versucht hatte, den Skandal auszusitzen. Dies teilte die Burger King Beteiligungs GmbH mit. Eine Stellungnahme zu den Vorwürfen war von Yildiz persönlich bisher allerdings nicht zu hören.

Die Tochtergesellschaft des amerikanischen Konzerns war bis vor einem Jahr noch selbst Eigentümer der Lokale, bevor diese an Yi-Ko verkauft wurden. Nachfolgerin von Yildiz wird die Direktorin für Franchise Operations, die bisher sämtliche Franchisenehmer der Fast-Food-Kette in Deutschland betreute. Nicole Gottschalk war in einer früheren Position als Senior Managerin für die Qualitätskontrolle zuständig. Ausserdem soll in Kürze ein neuer kaufmännischer Leiter berufen werden.

Damit reagiert Burger King auf die negative Berichterstattung, die sich durch die gesamte Presse- und Medienlandschaft zieht. Mit dem neuen Management sollen wieder die eigenen Qualitätsstandards eingehalten und gesichert werden. Zudem wird eine engere Zusammenarbeit von Yi-Ko mit Burger King angestrebt, um unverzüglich relevante Veränderungen in den betroffenen Filialen einzuleiten – so das Unternehmen in einer Pressemitteilung.

Andreas Bork, Chef der Burger King Beteiligungs GmbH, sprach sein Bedauern gegenüber den Gästen aus und versicherte, alles daranzusetzen, um das Vertrauen der Verbraucher  zurückzugewinnen. Operative Missstände sollen sofort beseitigt werden, darüber hinaus seien faire Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter sicherzustellen. Bork ist überzeugt, dass mit dem neuen Management ein Neustart erfolgreich sein werde.



Wie schon vorher bekannt wurde, führt Burger King seit einigen Tagen nach Bekanntwerden des Skandals Sonderinspektionen in den Yi-Ko-Filialen durch. Spezielle Teams für die Sicherheit von Lebensmitteln sollen die Restaurants kontrollieren sowie Manager und Mitarbeiter erneut trainieren, teilte Burger King Worldwide mit. Sie sind mit weitreichenden Kompetenzen ausgestattet, die es ihnen erlauben, in extremen Fällen auch eine sofortige Schliessung durchzusetzen. Solche Filialen würden erst nach Erfüllung sämtlicher Standards für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit wieder geöffnet. Inzwischen sind zwei Schnellrestaurants von Yi-Ko von dieser Massnahme betroffen.

In München hatte das Gewerbeaufsichtsamt die dort angesiedelten Filialen schon seit längerem im Visier. Allein in den letzten 16 Monaten seien die elf Restaurants insgesamt 44 Mal kontrolliert worden. Eine solch hohe Frequenz ist für die Fast-Food-Branche in der Regel nicht üblich. In drei Fällen verhängte das Amt Bussgelder gegen die Lokalbetreiber.





Burger King Hamburger
. (Bild: Karen Grigoryan / Shutterstock.com)

Burger King Hamburger
. (Bild: Karen Grigoryan / Shutterstock.com)

Die Missstände bei den von Yi-Ko betriebenen Filialen von Burger King wurden in der RTL-Serie „Team Wallraff – Reporter Undercover“ aufgedeckt. Ein Teammitglied hatte sich in einige Filialen eingeschleust und haarsträubende Zustände entdeckt. So wurden zum Beispiel Lebensmittel nach Ablauf des Haltbarkeitsdatums einfach umetikettiert und wieder als frische Ware angeboten. Laut Vorgabe der Geschäftsführung durften pro Filiale und Tag maximal Nahrungsmittel im Wert von zehn Euro in den Müll wandern, alles andere erhielt ein neues Etikett und ging wieder in den Verkauf.



Von wegen „Frisch gegrillt schmeckt besser“! Fleisch wurde zum Teil stundenlang warmgehalten, statt frisch vom Grill serviert zu werden. Darüber hinaus fanden die Reporter Darmbakterien in den Küchen – Mitarbeiter, die zuvor Toiletten reinigten, bereiteten anschliessend in der gleichen Arbeitskleidung Lebensmittel zu.

Die Yi-Ko-Holding stand schon länger in der Kritik, vor allem auch wegen der miesen Arbeitsbedingungen. Bereits kurz nach der Übernahme der Filialen im Sommer 2013 hatte das Unternehmen Mitarbeitervertreter entlassen, Betriebsvereinbarungen gekündigt und beschlossene Löhne nicht ausgezahlt. Die RTL-Reportage berichtete von 7,71 Euro Stundenlohn und unbezahlter Mehrarbeit als Standard. Von Weihnachts- oder Urlaubsgeld konnten die Angestellten allenfalls träumen. Mehrere ehemalige Mitarbeiter haben diese Aussagen inzwischen bestätigt.

Daraufhin kritisierte die Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG), dass der neue Franchisenehmer systematisch vorgehe, um Betriebsräte zu zerschlagen und auf Dauer schlechtere Arbeitsbedingungen für die Angestellten einzuführen. In Deutschland wurde damals vor Arbeitsgerichten nahezu flächendeckend über fristlose Kündigungen von Betriebsräten der Holding verhandelt.

Man darf gespannt sein, wie die Verbraucher langfristig auf den Skandal reagieren werden. Zuletzt hatte die gesamte Fast-Food-Branche mit Umsatzeinbussen zu kämpfen.



 

Oberstes Bild: © Smial – wikimedia.org

Über Ulrich Beck

hat Germanistik, Geschichte und Philosophie studiert und ist zusätzlich ausgebildeter Mediendesigner im Segment Druck. Er schreibt seit über 30 Jahren belletristische Texte und seit rund zwei Jahrzehnten für Auftraggeber aus den unterschiedlichsten Branchen.



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