Troubleshooting oder Wie Sie Konflikte konstruktiv bewältigen – Teil 1

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Troubleshooting oder Wie Sie Konflikte konstruktiv bewältigen – Teil 1
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Konflikte gehören zum Alltag, sowohl im Privat- als auch im Berufsleben. Wer Konflikte vermeidet, leugnet oder unterdrückt, wird auf Dauer nicht glücklich. Denn es geht nicht darum, Streitigkeiten dauerhaft auszuschliessen, sondern sie so zu lösen, dass etwas Konstruktives dabei herauskommt.

Ansonsten drohen negative Auswirkungen oder sogar Eskalationen, nach denen eine Lösung kaum noch möglich ist. Konflikten permanent aus dem Weg zu gehen, ist definitiv kontraproduktiv. Genau das tun aber viele Menschen, weil ihnen die Entschlossenheit und der Mut fehlen, ihre Karten offen auf den Tisch zu legen und nach einer Lösung des Problems zu suchen.



Auf der anderen Seite ist kaum jemand in der Lage, seinen Ärger abzuhaken und Konflikte unter den Tisch zu kehren und zu vergessen. Im Gegenteil staut sich über einen langen Zeitraum Wut auf, und das führt am Ende zu heftigen emotionalen Ausbrüchen. Wer kann schon mit permanenter Frustration und einem Gefühl von Ohnmacht durchs Leben gehen, ohne irgendwann zu explodieren? Deshalb ist Konfliktfähigkeit eine der wichtigsten Voraussetzungen, Streitigkeiten im privaten wie im beruflichen Bereich lösungsorientiert beizulegen.

Wie wird Konfliktfähigkeit definiert?

Der österreichische Ökonom und Konfliktforscher Friedrich Glasl beschreibt in seinem Buch „Konfliktfähigkeit statt Streitlust“ sehr prägnant, was mit dem Begriff gemeint ist. Für ihn ist ein konfliktfähiger Mensch jemand, der klar und deutlich seine Interessen und Standpunkte darlegen kann, aber gleichzeitig genauso offen für die Bedürfnisse seines Gegenübers ist.

Doch nicht nur das: Konfliktfähigkeit heisst auch, aus der Differenz zwischen zwei streitenden Parteien zu lernen, das Positive im Standpunkt des Anderen zu erkennen und zu respektieren. Wer konfliktfähig ist, geht Auseinandersetzungen auch deshalb nicht aus dem Weg, weil er gerade die Differenzen als persönliche Bereicherung erfährt – und weil er nicht fürchtet, durch ein Nachgeben in einer Sache einen Verlust seines Selbstwertes zu erleiden.



Ja, wo ist er denn, der Konflikt?



Wenn Sie nicht rechtzeitg die entsprechenden Gegenmassnahmen ergreifen, wird ein Konflikt irgendwann eskalieren. Dafür müssen Sie aber erstmal erkennen, dass ein Konflikt im Raume steht. Es gibt mehr oder weniger deutliche Warnsignale, an Hand derer Sie bei genügender Aufmerksamkeit rechtzeitig herausfiltern können, dass ein Streit in der Luft liegt. Eine solche Früherkennung vereinfacht die Konfliktlösung in nicht geringem Masse. Diese Warnsignale treten auch bei bereits schwelenden Konflikten auf.





Seien Sie sensibel für Warnsignale. (Bild: Actor / Shutterstock.com)

Seien Sie sensibel für Warnsignale. (Bild: Actor / Shutterstock.com)

Seien Sie sensibel für Warnsignale

Wenn Sie als Führungskraft in Ihrem Team eine oder mehrere der folgenden Veränderungen feststellen, sollten Sie wachsam sein und Ihre Wahrnehmung sensibilisieren. Wenn sich die Veränderungen verfestigen, können sie als Warnsignale für einen Konflikt gesehen werden.

  • Die Kommunikation wird frostig und unpersönlich, es herrscht eine kühle Sachlichkeit, die alltäglichen zwischenmenschlichen Beziehungen verschlechtern sich.
  • Die Gesprächskultur verfällt: Ihre Mitarbeiter fallen sich gegenseitig ins Wort, reagieren ironisch oder sarkastisch auf die Statements von Kollegen, es herrscht insgesamt ein aggressiver Unterton in allen Aussagen.
  • Die Atmosphäre im Team wird insgesamt feindseliger und aggressiver. Ihre Mitarbeiter sind ständig gereizt. Ungeduld mit anderen kommt auf, Gerüchte werden verbreitet und Intrigen gesponnen. Einer klagt den anderen an, dass er Probleme nicht versteht oder nicht verstehen will. Argumentationen werden aggressiver oder abfällig, eine Einigung über Ideen, Vorschläge oder Probleme ist nicht mehr möglich. Subtile Angriffe gegen andere, teils sogar unter der Gürtellinie, werden zur Tagesordnung.
  • Mitarbeiter halten Informationen zurück oder haben sie „ganz vergessen“. Gespächsbeiträge werden absichtlich verdreht und anderslautend wiedergegeben. Vorschläge werden kritisiert oder niedergemacht, bevor sie überhaupt diskutiert wurden.
  • Kollegen suchen gezielt nach Problemen, Fehlern oder Hindernissen bei anderen Kollegen. Es werden ständig Vorwürfe erhoben und Schuldzuweisungen ausgesprochen. Keiner gibt mehr dem Anderen nach. Es wird Partei ergriffen, ohne dass wirklich sachliche Gründe vorliegen.
  • Die Krankmeldungen und Fehlzeiten im Team häufen sich überdurchschnittlich.
  • Ihre Mitarbeiter zeigen vermehrt Desinteresse und leisten nur noch Dienst nach Vorschrift. Die Kooperation und das Engagement im Team werden immer schlechter.
  • Ihre Mitarbeiter verhalten sich zunehmend passiv, ergreifen keine Initiative mehr, zeigen kaum oder nur geringe Verantwortungsbereitschaft für ihr Handeln.
  • Nebensächlichkeiten werden aufgebauscht und überbewertet.
  • Aufgaben werden zu spät erledigt, Projekte verzögern sich, die Mitarbeiter reagieren mit Ausflüchten und fadenscheinigen Entschuldigungen.
  • Versagen und Misserfolge bei Projekten häufen sich, die Fehlerquote auch bei den einfachsten Aufgaben schnellt in die Höhe.
  • Mitarbeiter suchen sich Verbündete gegen andere Mitarbeiter. Es bilden sich Gruppen, die sich unterschwellig bekämpfen.

Solche Entwicklungen und Phänomene sollten Sie keinesfalls ignorieren oder auf die leichte Schulter nehmen, nach dem Motto: Das renkt sich schon wieder ein. Im Gegenteil, je eher Sie eingreifen und versuchen, die Hintergründe aufzudecken, desto leichter lassen sich aufkeimende Konflikte bewältigen. Versuchen Sie herauszufinden, welche Schwierigkeiten und Probleme hinter den Verhaltensweisen Ihrer Mitarbeiter stecken. Führen Sie im Zweifelsfall vertrauliche Einzelgespräche. Wenn Sie frühzeitig gezielte Massnahmen ergreifen, können Sie eine Eskalation des oder der Konflikte vermeiden und den Schaden für das Klima im Team und für Ihr Unternehmen in Grenzen halten.



 

Oberstes Bild: © Ljupco Smokovski – Shutterstock.com

Über Ulrich Beck

hat Germanistik, Geschichte und Philosophie studiert und ist zusätzlich ausgebildeter Mediendesigner im Segment Druck. Er schreibt seit über 30 Jahren belletristische Texte und seit rund zwei Jahrzehnten für Auftraggeber aus den unterschiedlichsten Branchen.


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