Erschreckend: Ein Drittel wurde in der Lehre schon einmal sexuell belästigt

12.08.2019 |  Von  |  Arbeitsmarkt, News
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Erschreckend: Ein Drittel wurde in der Lehre schon einmal sexuell belästigt
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Eine Umfrage der Unia Jugend zeigt die alarmierende Realität von Lernenden: Ein Drittel der Befragten wurden im Arbeitsalltag in der Lehre schon einmal sexuell belästigt. Auch Mobbing, Stress und Überforderung sind weit verbreitet.

Und: Fast zwei Drittel müssen mindestens ab und zu Überstunden leisten, 70 Prozent der Lernenden fühlen sich wiederholt gestresst.

An der Umfrage der Unia Jugend beteiligten sich über 800 Lernende. Die Ergebnisse sind alarmierend: Ein Drittel der Teilnehmenden gab an, auf der Arbeit schon sexuelle Belästigung erlebt zu haben. Dabei sind Frauen (36 Prozent) stärker betroffen als Männer (25 Prozent). Die Zahlen sind insbesondere erschreckend, da die Lernenden erst seit kurzer Zeit im Arbeitsleben und viele von ihnen noch minderjährig sind. „Dass so viele Jugendliche Personen schon eine solche Erfahrung gemacht haben, ist erschreckend und zeigt, dass Lernende, aber auch alle Arbeitnehmenden verstärkt geschützt werden müssen“, sagt Kathrin Ziltener, nationale Jugendsekretärin der Unia.

Ein gesellschaftliches Problem, das auch die Lehre betrifft

Weitet man den Blick über den Arbeitsplatz hinaus auf Schule und Privatleben, sind die Zahlen noch deutlich höher. 80 Prozent der befragten Frauen gaben an, schon eine Art von sexueller Belästigung erlebt haben. Bei den Männern waren knapp die Hälfte (48 Prozent) schon Opfer von Belästigung.

Verschiedene Arten von Belästigung – oft kombiniert

Unter Belästigung werden dabei verschiedene Arten von Grenzüberschreitungen und Übergriffen gefasst (siehe Zusammenfassung der Umfrageresultate im Anhang). Oft treten diese kombiniert auf: Wenn beispielsweise „sexuelle Anspielungen oder abwertende Bemerkungen“ die am weitesten verbreitete Form ist, so waren nur gerade 16 Prozent aller Betroffenen ausschliesslich von dieser Art der Belästigung betroffen. Dies zeigt auch, dass oftmals auf eine erste Grenzüberschreitung eine weitere und häufig schwerwiegendere folgt.

Mobbing, Stress, Überforderung

Die Lehre ist für die meisten Lernenden auch abgesehen von unerwünschten Belästigungen kein Zuckerschlecken. 31 Prozent der Befragten berichten, dass sie selber bei der Arbeit schon Mobbing erlebt haben. Auch an Stress fehlt es nicht: 70 Prozent fühlen sich regelmässig gestresst, und fast zwei Drittel (63 Prozent) müssen mindestens ab und zu Überstunden leisten, obwohl dies bei Lernenden nur in Ausnahmefällen zulässig ist. Fast die Hälfte (46 Prozent) fühlen sich mindestens ab und zu bei der Arbeit überfordert.

Klare Reglemente und Betreuung können helfen

Um die Bedingungen in der Lehre zu verbessern, ist es zwingend, dass der gesetzliche Schutz der Lernenden durchgesetzt wird, was etwa Überstunden und Nachtarbeit betrifft. Um der Problematik der sexuellen Belästigung gerecht zu werden, sollten Unternehmen etwa eine Nulltoleranzpolitik gegenüber sexuellen Übergriffen durchsetzen und folglich klare Reglemente erlassen, eine Anlaufstelle in- oder ausserhalb des Betriebs schaffen und Sanktionen für fehlbare Mitarbeitende vorsehen. Denn die Arbeitgeber sind gemäss Gleichstellungsgesetz zum Schutz der Angestellten verpflichtet. Dies gilt in besonderem Masse für die Lernenden. Politisch fordert die Unia die Beweislastumkehr für sexuelle Übergriffe, damit alle Opfer den Schritt zur Polizei wagen.

Die Studie

An der Umfrage der Gewerkschaft Unia nahmen 812 Personen teil (davon 514 Personen online und 298 Personen per schriftlichen Fragebogen). 61% der Teilnehmenden sind weiblich, 30% männlich und 9% gaben kein Geschlecht an bzw. kreuzten die Kategorie „anderes“ an. 28% der Befragten gaben an, im ersten Lehrjahr zu sein, 22% im zweiten und 30% im dritten Lehrjahr. 20% der Teilnehmenden machten diesbezüglich nicht verständliche oder keine Angaben resp. haben die Lehre bereits abgeschlossen.

Zusammenfassung der Umfrageresultate (PDF)

 

Quelle: Gewerkschaft Unia
Titelbild: FS Stock – shutterstock.com

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