Bildungsmodell für Beschäftigte: Mit Umschulungen in eine erfolgreiche Zukunft

01.03.2018 |  Von  |  Arbeitsmarkt, Bildung, News
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Bildungsmodell für Beschäftigte: Mit Umschulungen in eine erfolgreiche Zukunft
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Der technologische Wandel in der Wirtschaft schreitet voran. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer werden künftig vermehrt gezwungen sein, deswegen den Beruf und das Berufsfeld zu wechseln. Das heutige Bildungssystem bietet dafür jedoch kein tragfähiges Angebot.

Swissmem hat ein Umschulungsmodell entwickelt, das auf bereits qualifizierte Personen fokussiert, deren Job aufgrund des Qualifikationswandels wegzufallen droht. Es baut die Brücke für einen nachhaltigen Wechsel in ein neues Berufsfeld mit entsprechender Zweitausbildung und formellem Abschluss für Erwachsene. Davon profitieren Arbeitnehmer, Arbeitgeber und auch die Gesellschaft.



Die Schweizer Wirtschaft und damit auch der Arbeitsmarkt unterliegen einem stetigen Wandel. Im Zuge der Digitalisierung beschleunigt sich dieser zunehmend und betrifft immer häufiger Arbeitnehmer auf allen Qualifikationsstufen. Diese werden künftig vermehrt gezwungen sein, sich beruflich grundlegend neu zu orientieren, d.h. den Beruf und das Berufsfeld zu wechseln. Gleichzeitig besteht in der Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie (MEM-Industrie) sowie in anderen Branchen ein Fachkräftemangel.

Diese Situation ist für den Arbeitsmarkt und die Bildungslandschaft eine grosse Herausforderung. Der Schweiz muss es gelingen, den strukturellen Wandel mit dem Arbeitsmarkt in ein Gleichgewicht zu bringen. Ansonsten droht ein verschärfter Fachkräftemangel bei gleichzeitig höherer Arbeitslosigkeit.

Es ist an sich nichts Neues, dass Arbeitnehmende in Verlaufe ihres Werdeganges den Beruf wechseln. Bereits heute arbeiten 59 Prozent der Beschäftigten nicht mehr im Berufsfeld, in dem sie ihre Erstausbildung absolviert haben. Die bisherige Berufsmobilität hat jedoch grosse Mängel. Erstens erfolgt der Wechsel teilweise über eine Phase der Arbeitslosigkeit. Das belastet die Sozialwerke. Und zweitens führt der Weg häufig von einer qualifizierten Tätigkeit hin zu einem Job, der ein tieferes Qualifikationsniveau erfordert. Die heutige Berufsmobilität bringt somit zu viele Verlierer hervor und belastet die Sozialversicherungen.

Diese Problemstellung hat Swissmem veranlasst, nach neuen Wegen zu suchen. Das von Swissmem entwickelte Umschulungsmodell soll den Wechsel in ein neues Berufsfeld erleichtern und einen Beitrag zur bestmöglichen Nutzung des inländischen Fachkräftepotenzials leisten. Es umfasst sechs Schritte, die individuell kombiniert und ausgestaltet werden können.

Was ist neu?

Das bestehende Schweizer Bildungssystem deckt erfolgreich die Erstausbildung sowie die Weiterbildung innerhalb eines bestimmten Berufsfeldes ab. Dieses System ist aber nicht für Wechsel des Berufsfelds durch eine Zweitausbildung ausgelegt. Quereinsteiger haben es deshalb schwer. Das neu entwickelte Swissmem-Modell fokussiert auf bereits qualifizierte Personen, deren Job aufgrund des Qualifikationswandels bedroht ist.

Es richtet sich sowohl an Beschäftigte mit einem Berufsabschluss als auch an Personen mit einem Tertiärabschluss und ist somit keine Berufslehre im herkömmlichen Sinn. Es ermöglicht Erwachsenen eine Zweitausbildung mit entsprechendem Abschluss unter Berücksichtigung und Anerkennung der bereits vorhandenen Fähigkeiten. Es schliesst damit eine Lücke im heutigen Bildungssystem. Die wichtigsten Eckwerte des Swissmem-Modells sind:

  • Die Umschulung soll einen Berufswechsel auf allen Beschäftigungs- und Altersstufen ermöglichen.
  • Das persönliche Qualifikationsniveau soll mit der Umschulung erhalten oder erhöht werden.
  • Die Umschulung erfolgt erwachsenengerecht.
  • Die Berufsmobilität muss durch den Arbeitsmarkt gesteuert werden.
  • Die Bildungsmassnahmen beschränken sich auf das absolut Notwendige.
  • Die Umschulung muss zu einem formalen Abschluss führen.

Herausforderungen bei der Umsetzung

Die Finanzierung der Bildungsmassnahmen sowie der Lebenshaltungskosten während der Umschulung sind eine grosse Herausforderung. Da die Ausganglage für jede Person anders ist, muss jeweils ein individuelles Finanzierungspuzzle zusammengestellt werden. Dieses kommt nur dann zustande, wenn sowohl umschulungswillige Arbeitnehmende wie auch Arbeitgeber, Branchenorganisationen, Bund und Kantone einen Beitrag leisten.

Bei der Umsetzung des Swissmem-Umschulungsmodells kann weitgehend auf bestehende Instrumente und bereits tätige Akteure aufgebaut werden. Dennoch müssen diverse Handlungsfelder mit hohem Engagement angegangen werden, um Brücken zu bauen und erwachsenengerechte Angebote zu schaffen. Das ist nur mit einem partnerschaftlichen Vorgehen von Bildungsinstitutionen, Bund, Kantonen, Branchenorganisationen und Arbeitgebern möglich.

Die MEM-Industrie ist bereit, dieses Umschulungsmodells in einem Pilotprojekt zu testen und damit Erfahrungen zu machen. Gelingt die Etablierung, so kann dieses Konzept für Wirtschaft und Gesellschaft einen wichtigen Beitrag leisten, um die Herausforderungen im Arbeitsmarkt der Zukunft erfolgreich zu meistern.

 

Quelle: Swissmem
Artikelbild: © Matej Kastelic – shutterstock.com

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