Car Connectivity – revolutionär oder altbekannt?

17.11.2014 |  Von  |  Organisation
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Car Connectivity – revolutionär oder altbekannt?
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Ist das vernetzte Fahrzeug so revolutionär, wie sich das anhört? Oder nur der  nächste Schritt in der technischen Entwicklung? Schon heute ersetzt das Smartphone in vielen Pkw das Navigationssystem, schon bald sollen sich Fahrzeuge selbst steuern und miteinander kommunizieren.

Das hört sich alles nach einer Revolution auf vier Rädern an. Doch nüchtern und realistisch betrachtet, ist es ein längst fälliger Schritt technischer Weiterentwicklung.

Für wohl jeden Autofahrer ist das Stauerlebnis ein Horrorszenario. Vor allem dann, wenn der Stau völlig unerwartet kommt und der Verkehrsfunk freie Fahrt gemeldet hatte. Dabei könnte es kinderleicht sein, derartige unerwartet Vorkommnisse zu umsteuern. Dazu müssen lediglich diejenigen Pkw, die zuerst in den Stau fahren, den stockenden oder gar stehenden Verkehr an eine „Sammelstelle“ melden. Technisch ist das eigentlich schon heute kein Problem mehr.

Vom Termin in den  Stau

Der Termin beim Kunden ist bestens verlaufen, das Business-Meeting ist vorüber, nun erwartet den Fahrer ein entspannter Abend. Eigentlich ein Grund zur Freude – wäre da nicht die Rückfahrt. Zwar meldet der Verkehrsfunk freie Fahrt von Zürich nach Zug, doch kommt der Verkehr bei Knonau völlig zum Erliegen. Vollsperrung nach einem Unfall. Grund genug, sich über den Verkehrsfunk zu ärgern? Ärgern vielleicht, Grund zur Beschwerde aber nicht – denn der Radiosender wurde von der Entwicklung überrascht, die Meldezeit dauerte zu lange.

Staus in der Schweiz verursachen einen wirtschaftlichen Schaden von rund 1,8 Milliarden Schweizer Franken im Jahr. Dabei liessen sich die Kosten sofort auf ein Sechstel pro Jahr senken, würden die technischen Möglichkeiten konsequent genutzt: Das Fahrzeug wird vernetzt, über das Internet werden Daten anonym geliefert, gesammelt und ausgewertet. Kommt ein Pkw in einem als Autobahn ausgewiesenen Sektor zum Stillstand, wird der Standort weitergeleitet und die Meldung an die anderen Pkw im Netz übermittelt. Und siehe da: Im Nu können Navigationsgerät oder Smartphone eine Ausweichroute berechnen.

Gelebte Realität: Real-Time-Traffic-Infos

Was sich wie eine Vision der Zukunft anhört, ist bei BMW schon gelebte Realität. So sind die Fahrzeuge der Bayerischen Motorenwerke mit einer integrierten SIM-Karte ausgestattet, über die Real-Time-Traffic-Informationen generiert werden können. Der Haken an der Sache: Die Informationen der circa 2,5 Millionen BMW laufen nur bei BMW selbst in den Server, werden dort exklusiv für Besitzer der Marke ausgewertet und weitergeleitet. Wer also keinen BMW fährt, hat nichts davon.


Ist das vernetzte Fahrzeug so revolutionär, wie sich das anhört? (Bild: © gyn9037 - shutterstock.com)

Ist das vernetzte Fahrzeug so revolutionär, wie sich das anhört? (Bild: © gyn9037 – shutterstock.com)


Im Grunde führt gar kein Weg daran vorbei, dass die Pkw sich untereinander vernetzen. Denn volkswirtschaftlicher Nutzen lässt sich nur dann erzielen, wenn der Pkw aus der koreanischen Autoschmiede seine Daten auch an den Wagen aus Italien, Deutschland oder den USA weiterleitet. So ermöglicht das Internet eine Verkehrssteuerung, die auf Echtzeit basiert und mithilfe zu verhindern, dass man schier ewig im Stau festhängt.

Vom sprechenden Auto zur sprechenden Ampel

Die Kommunikation der Pkw untereinander stellt dabei nur einen Anfang dar. Die moderne Technik eröffnet ein noch viel breiteres Spektrum an Möglichkeiten. So können Baustellenschilder mit einem Sender ausgerüstet werden, der mit dem Auto kommuniziert und zeitig vor der Baustelle warnt. Auch Ampeln wären imstande, mit  Pkw zu „sprechen“. Sie könnten vor Rotphasen warnen, aber auch eine „Grüne Welle“ an den Wagen melden oder die notwendige Geschwindigkeit, die man für freie Fahrt erreichen darf. Wie BMW schon heute zeigt, ist eine Kommunikation von Car to Car technisch machbar. Diese Fähigkeit lässt sich so erweitern, dass man von einer „Car to X“-Kommunikation spricht.

Doch wenn es die Technik bereits hergibt, diese Features zu nutzen, wo ist dann der Haken? Ganz einfach, die Kosten sind immens. Ampeln, Baustellen, Schilder, Strassen, Brücken – die gesamte Infrastruktur müsste auf Konnektivität aufgerüstet werden. Und auf welches System soll man sich einigen? Wer kommt für die Kosten auf? Nicht wenige Städte verfügen bereits über erstklassige Verkehrsserver. Und wen spricht das System an? Direkt das Auto oder doch das Smartphone via App?

Priorität: die Integration von Smartphones

Die digitale Vollvernetzung ist nicht mehr aufzuhalten, erst recht nicht mehr umkehrbar. Apps sorgen dafür, dass man freie Fahrt hat und regeln sogar, dass und wie man ein Event organisieren kann. Weil Apps viele Dinge des täglichen Lebens lenken, will so gut wie jeder Käufer eines Neu- und Gebrauchtwagens die Option haben, sein Smartphone mit dem Wagen zu vernetzen. Eine Option, die von Apple CarPlay, MirrorLink oder auch Android Auto aus dem Hause Google angeboten wird. Das Smartphone vernetzt sich mit dem Wagen, wird auf einem Touchscreen im Pkw sichtbar. An der Ampel twittern – das ist keine Zukunftsmusik mehr. Die Fahrzeugindustrie hat erkannt, dass an der Integration des Smartphones in den Pkw kein Weg mehr vorbei führt.



Allerdings erweist sich gerade diese Vernetzung als zweischneidiges Schwert: Wer soll noch die äusserst teuren Navigationsgeräte – teils mit TV- und DVD-Option – kaufen, wenn doch das Smartphone genau diese Features bereits mitliefert? Es muss ein Mehrwert geschaffen werden, und den liefern weit reichende Zusatzfeatures, um schneller ans Ziel zu kommen. Dem Navigationsgerät wird die Aufgabe zukommen, die relevanten Daten zu empfangen und im Sinne des Fahrers auszuwerten. So behalten auch die genannten Geräte ihren Sinn und Nutzen – unterstützt vom Smartphone.

 

Oberstes Bild: © My Life Graphic – shutterstock.com



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