Über den „beispiellosen Aufstieg“ der Notenbanken

08.08.2014 |  Von  |  Finanzen
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Über den „beispiellosen Aufstieg“ der Notenbanken
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Andrew Haldane, der neue Chefökonom der Bank of England, hat seine Position erst vor wenigen Wochen übernommen. Seine Aufgabe besteht in geldpolitischen Analysen, welche unter anderem die Basis für die zinspolitischen Entscheidungen des Hauses bilden. In der Welt der Notenbanken ist Haldanes Karriere beispiellos, zumal er seine akademische Bildung nicht an den Elite-Universitäten Oxford oder Cambridge erworben hat, sondern als 22-Jähriger mit einem Master-Titel der University of Warwick zur Bank of England kam. Heute zählt ihn das „Time“-Magazin zu den 100 weltweit einflussreichsten Menschen. In einem Fachartikel beschäftigte sich Haldane jetzt mit dem „beispiellosen Aufstieg“ der internationalen Notenbanken und zwei verschiedenen Szenarien für ihre Zukunftsperspektiven.

In seinem Text bescheinigt Haldane den Zentralbanken eine geldpolitische Machtposition, die in den vergangenen Jahrzehnten kontinuierlich angewachsen sei. Die entscheidende Zäsur dafür sieht er in den 1970er-Jahren, als die nationalen Währungen und damit auch die Notenbanken gegenüber dem US-Dollar als der bisherigen globalen Ankerwährung Unabhängigkeit gewannen. Durch die letzte grosse Krise wurde ihre Position bis auf Weiteres nochmals immens gestärkt.



Anfang des 20. Jahrhunderts – Goldstandard limitiert die Macht der Notenbanken

Anfang des 20. Jahrhundert gab es laut Haldane nur wenige Notenbanken, deren Verantwortlichkeiten durch den geltenden Goldstandard zudem enge Grenzen hatten. Der klassische Goldstandard wurde 1844 von der Bank of England eingeführt, bis zum Ende des Jahrhunderts folgten sukzessive weitere Staaten. Er schreibt vor, dass eine Ausgabe von Banknoten nur dann erfolgen darf, wenn ihr Wert zu 100 % durch Gold oder durch Staatsanleihen gedeckt ist. Mit dem Beginn des Ersten Weltkrieges wurde der Goldstandard in den kriegsführenden Staaten ausser Kraft gesetzt und durch sogenannte Kriegswährungen ersetzt. Zwischen den Weltkriegen wurde er als international verbindliche geldpolitische Basis zwar wieder eingeführt, erreichte jedoch nie wieder die Stabilität der Vorkriegszeit. Nach der Weltwirtschaftskrise der 1930er-Jahre – zu deren Auslösern er im Übrigen massgeblich gehörte – wurde er schliesslich in immer grösserem Umfang obsolet.

Das Bretton-Woods-System als währungspolitische Nachkriegsordnung

Ab 1944 wurde der Goldstandard zunächst durch das Bretton-Woods-System ersetzt. Benannt wurde es nach dem Ort Bretton Woods im US-amerikanischen Bundesstaat New Hampshire, wo sich am 22. Juni 1944 die Finanzminister und Notenbankchefs von 44 Staaten trafen, um die geldpolitischen Grundlagen für die Nachkriegszeit zu definieren. Im Zuge dieser Konferenz und als Kontrollinstitutionen wurden ausserdem die Weltbank sowie der Internationale Währungsfonds geschaffen. Das neue internationale Währungssystem versuchte, die Stabilität des Goldstandards mit einem flexiblen Wechselkurssystem zu kombinieren, das es den Staaten ermöglichte, auf wirtschaftliche Krisen auch mit geldpolitischen Massnahmen zu reagieren.



Vertrauensverlust in den US-Dollar – das Ende von Bretton-Woods

Der Fehler des Systems lag in einem wesentlichen Detail: Da innerhalb des Bretton-Woods-Systems der US-Dollar als globale Ankerwährung diente, waren angesichts des rapide wachsenden Welthandels kontinuierliche Dollar-Währungsreserven und ebenso kontinuierliche Leistungsbilanzüberschüsse gegenüber den USA erforderlich. Für die USA selbst waren innerhalb des Systems keine Leistungsbilanzanpassungen vorgesehen – ihre Staatsverschuldung wurde über das Anlegen von Währungsreserven de facto durch das Ausland finanziert. Auf lange Sicht untergruben die US-Leistungsbilanzdefizite jedoch das Vertrauen in den Dollar. Nachdem der damalige US-Präsident Richard Nixon die 1971 die Goldbindung des Dollar aufgehoben hatte und 1973 die Wechselkurse freigegeben wurden, war das Ende von Bretton-Woods gekommen.

Seit den 1970er-Jahren werden die Notenbanken unabhängig



Haldane führt aus, dass auf das Bretton-Woods-System zunächst der „Monetarismus“ folgte – die Staaten also versuchten, ihre Geldmengen zu steuern. Der geldpolitische Spielraum der Notenbanken war auch in dieser Phase noch begrenzt, die neuen technischen Möglichkeiten erlaubten ihnen jedoch, den technischen Rahmen dieser Steuerung zu definieren. Durch die hohen Inflationsraten der 1970er-Jahre wurden die selbst gesetzten Geldmengenziele von diversen Ländern jedoch wiederholt verfehlt – Haldane schreibt, dass sich hieraus ein „Zeitkonsistenz“-Effekt ergeben habe: Während die Politik in den Ruf geraten sei, ihre geldpolitischen Vorsätze zu brechen, hätten die Zentralbanken als „Bollwerk“ für Stabilität gegolten. Damit hatte die Geburtsstunde ihrer Unabhängigkeit geschlagen, in den 1980er- und 1990er-Jahren setzte sich diese weltweit durch.

Wachsende Risiken zur Zeit der „grossen Mässigung“

Durch diese Entwicklung gerieten die bisher sehr diskreten Zentralbanken jedoch auch ins politische und mediale Rampenlicht. Politiker und Öffentlichkeit verlangten Erklärungen und manchmal auch Entschuldigungen zu geldpolitischen Schritten. Die Publikationen, Medienäusserungen und Handlungen der Notenbanken wurden zu einem Barometer der globalen Wirtschaftslage. Bis zum Ausbruch der letzten Finanz- und Wirtschaftskrise erschien dies zumeist als ein eher unspektakulärer Akt – Haldane bezeichnet diese Phase als die Zeit der „grossen Mässigung“ („great moderation“), in der es schien, als ob Wirtschaft und Währungshüter den „Heiligen Gral des Wachstums ohne Risiko“ gefunden hätten. Die Folge: Sie und auch die anderen Marktteilnehmer stumpften ab und erzeugten damit ein „Vakuum“, in dem „Risiken auf Himalaya-Höhen“ eingegangen wurden.





Die Finanzkrise stärkt die Position der Notenbanken. (Bild: JMiks / Shutterstock.com)

Die Finanzkrise stärkt die Position der Notenbanken. (Bild: JMiks / Shutterstock.com)

Die Finanzkrise stärkt die Position der Notenbanken

In der Krise selbst erfanden sich aus Haldanes Sicht die Notenbanken neu – im Übrigen nicht zum ersten Mal in ihrer Geschichte – und schufen mit der sogenannten „quantitativen Lockerung“ („quantitative easing“) der Geldpolitik die Grundlage für ihren unaufhaltsamen Aufstieg. Die Details bestanden in Zinssenkungen bis auf ein Niveau nahe oder neuerdings sogar unter dem Nullpunkt, dem massenhaften Aufkauf von Staatsanleihen und in einigen Ländern auch von privaten Papieren sowie den sogenannten „makroprudentiellen Massnahmen“, also der Regulierung des gesamten Marktes. Über den Finanzsektor und die Geldpolitik reichen diese Ambitionen weit hinaus – die Zentralbanken greifen heute tief in die gesamte Wirtschaftsentwicklung ein.



Zwei gegenläufige Szenarien für die Zukunft

Als Perspektiven für die Notenbanken geht Haldane von zwei recht unterschiedlichen Szenarien aus. Im Zuge einer nachhaltigen Normalisierung der Wirtschaft und der Märkte fahren die Notenbanken ihren Einfluss möglicherweise wieder weit zurück. Ihre Geldpolitik würde sich dann wieder auf die Steuerung der Inflation sowie der kurzfristigen Zinsen fokussieren. Falls im Finanzsystem – ausdrücklich auch ausserhalb der Bankbilanzen – immer mehr Risiken zu zyklischen Instabilitäten führen, stärkt dies auch die Position der Notenbanken, da ihre Einmischung zur Minderung von Gefahren für die Realwirtschaft dann unverzichtbar wäre.



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