Versteckte Stellen finden: Mit Initiativbewerbungen zum Erfolg

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Versteckte Stellen finden: Mit Initiativbewerbungen zum Erfolg
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Dass Firmen längst nicht alle ihre offenen Stellen inserieren, ist kein Geheimnis. Sehr viele Jobs werden niemals öffentlich ausgeschrieben, sondern beispielsweise über Empfehlungen oder Personalberatungen besetzt.

Hier liegt auch eine Chance für Kandidaten, die sich bei ihrer Stellensuche nicht oder nicht allein auf den Anzeigen-Pool in den Medien verlassen wollen. So mancher Stellensuchende hat seinen Traumjob stattdessen durch eine Initiativbewerbung gefunden.



Roger Gförer, Leiter der Abteilung Career Services an der Uni Zürich, schätzt, dass zwischen 15 und 20 Prozent aller Arbeitsverhältnisse durch Initiativbewerbungen zustande kommen. Auch viele andere Personalexperten teilen diese Sicht. Die Chance auf Erfolg ist bei einer Initiativbewerbung schon rein mathematisch deutlich höher, da der Kandidat dabei nicht einer von vielen ist und sich mit seinem Profil daher ganz anders präsentieren kann. Zudem bieten Initiativbewerbungen die Möglichkeit einer wirklich aktiven Karriereplanung. Wer sich für diesen Weg entscheidet, muss im Vorfeld sehr gründlich reflektieren und auch recherchieren, wo und wie er wirklich arbeiten will. Danach ist eine gute Selbstpräsentation gefragt, bei der es um die optimale Herausstellung der eigenen Qualitäten ebenso geht wie um Begeisterung für die Firma und die angestrebte Stelle.

Bis zu 20 Prozent aller Einstellungen erfolgen über Initiativbewerbungen

Eine Initiativbewerbung muss sehr spezifisch auf das jeweilige Unternehmen zugeschnitten sein. Der Bewerber kommt daher nicht darum herum, die Aktivitäten der Firma und alle relevanten Informationen so umfassend wie möglich zu recherchieren. Gerade in diesem Engagement liegt oft auch ihr Erfolgsgeheimnis: Die Arbeitgeber „spüren“, wenn sich jemand intensiv mit einer Firma auseinandersetzt und damit deutlich macht, dass er genau dorthin gehören will – und in vielen Fällen auch gehört. Viele Unternehmen fordern auf ihren Karriere-Seiten ausdrücklich zu Spontanbewerbungen aus und betrachten diese als einen festen Bestandteil ihrer Personalarbeit.

Stefan Preier, der Personalchef der Maxon Motor AG in Sachseln/Kanton Obwalden, meint beispielsweise, dass die technischen Produkte der Firma sich an ein ganz spezifisches Segment von Menschen wenden – wenn jemand echtes Interesse an ihren Technologien hat, soll er auch durch Initiativbewerbungen die Möglichkeit erhalten, mit dem Unternehmen in Kontakt zu treten. 10 bis 20 Prozent der Maxon-Mitarbeiter wurden schliesslich auf diesem Weg gefunden.



Grosses Glück haben Kandidaten, die mit ihrer Spontanbewerbung sowie ihrem persönlichen Profil auf Anhieb bei ihrem Wunsch-Arbeitgeber ein Bedürfnis – und auf eine tatsächlich freie Stelle – treffen. Optimal ist, wenn der Bewerber sehr genau weiss, wo die Organisation zu einem bestimmten Zeitpunkt steht. In Change-Prozessen werden beispielsweise oft Krisenmanager gebraucht. Wer sich glaubhaft als solcher präsentieren kann, wird vielleicht sofort genommen. Auch durch Expansionen oder neue Grossprojekte besteht vielleicht akuter Bedarf nach neuem Personal.

In der Praxis erfordern viele Initiativbewerbungen jedoch einen längeren Atem. Wiederholte Nachfragen sind dabei geradezu ein Muss. Falls das Unternehmen eine Absage damit begründet, dass es derzeit keinerlei Vakanzen gebe, das Profil des Bewerbers jedoch grundsätzlich passt, können Interessenten die Personalverantwortlichen in der Regel problemlos bitten, ihre Dossiers für spätere Bewerbungen pendent zu halten.



Komplexe Vorbereitung und Kontaktpflege sind ein Muss

Grundsätzlich gilt: Eine Initiativbewerbung erfordert eine gute und recht komplexe Vorbereitung. Die Basis dafür verschafft ein Branchenüberblick. Bewerber können anhand der hierbei gewonnenen Informationen eine Liste der Unternehmen erstellen, für die sie gerne arbeiten und die sie kontaktieren wollen. Vor der ersten Kontaktaufnahme sollten sie sich über ihre Wunschfirma danach so viel Wissen aneignen wie irgend möglich ist. Die ersten Recherchequellen dafür sind meist das Internet, Medien sowie Publikationen des Unternehmens selbst.





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Sehr gut ist, wenn sich bei der Recherche informationelle Kontakte zu aktuellen oder ehemaligen Mitarbeitern, Kunden oder Lieferanten ergeben. (Bild: Shutter_M / shutterstock.com )

Sehr gut ist, wenn sich bei der Recherche informationelle Kontakte zu aktuellen oder ehemaligen Mitarbeitern, Kunden oder Lieferanten ergeben. Der zu beantwortende Fragenkatalog zum potentiellen Arbeitgeber umfasst Produktportfolio, Geschäftsergebnisse und strukturelle Faktoren ebenso wie aktuelle Ereignisse sowie die strategische Ausrichtung der Firma. Auch Grundzüge der Firmenkultur sowie der Konditionen für die Mitarbeiter sollten vor der eigentlichen Bewerbung bereits bekannt sein.

Sehr wichtig ist danach, im Unternehmen die richtigen Ansprechpartner herauszufinden. Mit einem Anruf lässt sich diese Frage meist am besten klären. Das Motivationsschreiben sollte wie bei jeder anderen Bewerbung auch kurz und präzise sein. Der Adressat muss daraus entnehmen können, warum sich der Kandidat für eine Bewerbung bei dieser Firma entschieden hat, wo seine professionellen Stärken liegen und welchen Nutzen das Unternehmen davon hat, ihn einzustellen.

Bei der Frage, wie das Dossier für eine Initiativbewerbung auszusehen hat, gehen die Meinungen der Experten allerdings auseinander: Gehören in diesem Fall das gesamte Dossier mit allen Ausbildungs- und Arbeitsstationen oder nur das Motivationsschreiben mit einem Lebenslauf in die Bewerbungsunterlagen? Falls das Unternehmen auf seiner Internetpräsenz dazu nichts angibt und auch der Ansprechpartner in der Firma sich dazu nicht geäussert hat, bleibt Bewerbern hier nicht viel mehr, als sich nach ihrem „Bauchgefühl“ zu richten. Spezielle Zertifikate, Auszeichnungen oder eine besonders gute Masterarbeit sollten jedoch auf jeden Fall Erwähnung finden. Auf der Homepage der meisten Firmen findet sich ein Hinweis, ob diese Bewerbungen per Post oder per E-Mail präferieren.

Nachfragen sollten Bewerber dann, wenn sie auf ihre Spontanbewerbung nach etwa einem Monat noch keine Antwort haben – und sich auf dieses Telefonat möglichst ausführlich vorbereiten. Optimal ist, wenn sie Interesse daran bekunden, mit der Firma auch dann in Kontakt zu bleiben, wenn sich aus der Bewerbung zunächst kein Gespräch oder sogar ein konkretes Stellenangebot ergibt. Oft bringen das Vorhalten der Bewerbungsunterlagen im Unternehmen, eine Kontaktaufnahme in grösseren Intervallen oder auch eine erneute – vielleicht mit einem Personalverantwortlichen bereits informell abgesprochene – Initiativbewerbung auf lange Sicht doch noch Erfolg. 



 

Oberstes Bild: © Lisa S. – shutterstock.com


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