Gruppenintelligenz in Unternehmen gezielt nutzen
von Olaf Hoffmann Kommunikation Organisation Selbstmanagement Web
Auch in Unternehmen lässt sich die Gruppenintelligenz zum einen zum Erreichen gesteckter Ziele, zum anderen aber auch in krisenhaft gefährdenden Situationen sinnvoll einsetzen.
Gruppenintelligenz potenziert das Wissen
In Unternehmen sind oftmals eine Menge Mitarbeiter beschäftigt. Je nach Abteilung, Arbeitsaufgabe und Erfahrung wird bei den Beschäftigten ein Mindestmass an Wissen, Können und Erfahrung vorausgesetzt, das sich meist in den Auswahlgrundlagen für einzustellende Mitarbeiter wiederfindet. So verfügen die Mitarbeiter eines Teams meist über eine gleiche oder ähnliche Qualität und Quantität an Fähigkeiten und Fertigkeiten, die für die Arbeit im jeweiligen Bereich erforderlich sind. Darüber hinaus bringt aber jeder Arbeitnehmer auch eine gute Portion zusätzlicher individueller Fähigkeiten und Erfahrungen mit in das Unternehmen, die es ebenfalls zu nutzen gilt.
Immerhin zeichnen gerade diese Unterschiede in der persönlichen intellektuellen Ausstattung die Breite der menschlichen Ressourcen im Unternehmen aus. Auf diese Weise potenziert sich das Wissen in der Gruppe weit über die Grundlagen- und Spezialbildung für die eigentlichen beruflichen Aufgaben hinaus. Dieses Potential richtig zu nutzen und für das Gesamtergebnis im Unternehmen einzusetzen ist eine Aufgabe, die sich vor allem Führungskräften stellt.
Wird diese Gruppenintelligenz richtig erkannt und adäquat eingesetzt, führt das zu deutlich besseren Ergebnissen in der Bewältigung von Herausforderungen. Andererseits führt ein Missachten der Gruppenintelligenz oftmals dazu, dass sich einzelne Mitarbeiter oder ganze Mitarbeitergruppen in ihrer Vielfalt nicht wahrgenommen fühlen. Am Ende steht ein Minus an Motivation und ein ebenso dickes Minus in der Identifikation mit dem eigenen Unternehmen. Zukunftsorientierte Unternehmen nutzen die Gruppenintelligenz schon heute in der strategischen Zieldefinition und gern auch dann, wenn es krisenhafte Prozesse zu meistern gilt.
Wie unerkannte intellektuelle Potentiale erkannt werden
Werden Mitarbeiter gesucht, dann wird für die Auswahl zumeist ein fest umrissenes Mass an Fähigkeiten, Fertigkeiten und individuellen Persönlichkeitsmerkmalen als Mindestmass für eine mögliche Einstellung vorausgesetzt. Viele Bewerber beziehen sich in ihren Bewerbungsunterlagen aber nicht nur auf die geforderten Bildungsabschlüsse, Berufsausbildungen oder sonstige Anforderungen. Oftmals bringen die Bewerber von Haus aus ein zusätzliches Mass an Fähigkeiten und Fertigkeiten sowie Interessen mit, das zwar aktuell nicht angefragt ist, aber dennoch im Unternehmen genutzt werden kann. Daher gilt es, schon im Auswahlverfahren solche Bewerber zu prädestinieren, die über die geforderte berufliche Bildung und Erfahrung hinaus zusätzliche Fähigkeiten mit in das Unternehmen einbringen können.
Auch bereits im Unternehmen beschäftige Arbeitnehmer können mehr als nur das, was im speziellen Aufgabenbereich von ihnen abverlangt wird. So ist es lohnend, im Unternehmen herauszufinden, welche Arbeitnehmer über spezielle Kenntnisse und Erfahrungen verfügen, die zwar nichts mit dem unmittelbaren Aufgabenbereich zu tun haben, aber für das Unternehmen als Ganzes interessant sein können. Diese besonderen Fähigkeiten gilt es dann weiter zu entwickeln und zielgerichtet für Unternehmensbelange einzusetzen. So gibt es überall beispielsweise Mitarbeiter, die sich aufgrund ihrer menschlichen Eigenschaften bestens als Streitschlichter bewähren. Solche Mitarbeiter sind durchaus dazu in der Lage, Konflikte zwischen Mitarbeitern in der Lösung zu moderieren. Dazu braucht es dann keiner Führungsverantwortung und auch keiner extern geladenen Moderatoren – dies nur als Beispiel.
Was Gruppenintelligenz fördern kann
Die Gruppenintelligenz im Unternehmen ist auch dann ein kostenloses Gut, wenn es darum geht, die strategische Ausrichtung von Unternehmen für überschaubare Zeiträume festzulegen. Erfahrene Unternehmer und Führungskräfte fragen beispielsweise in Mitarbeitergesprächen gezielt danach, wo einzelne Arbeitnehmer das Unternehmen oder einzelne Leistungen im kommenden Jahr oder innert der nächsten fünf Jahre sehen. Aus der Sammlung und konzeptionellen Aufarbeitung dieser Fragestellung lassen sich wichtige Folgerungen für die Unternehmensentwicklung ableiten. Damit kann die Gruppenintelligenz in Unternehmen auch Entwicklungsziele definieren, die einzelnen Führungskräften so vielleicht nicht oder gar nicht bewusst geworden sind.
Gruppenintelligenz in der Krise
Sieht sich das Unternehmen einer krisenhaften Entwicklung gegenüber, hilft Gruppenintelligenz auch hier oftmals aus der Sackgasse. Spätestens dann, wenn der eigene Arbeitsplatz bedroht ist, denkt jeder Arbeitnehmer genauer darüber nach, wie das Unternehmen und damit eben auch sein Arbeitsplatz gesichert werden kann. Wenn sich Führungskräfte in solchen schwierigen Situationen nur noch mit angstgeweiteten Augen hinter Zahlenkolonnen und Einsparpotentialen verbarrikadieren, bleibt oftmals die Intelligenz der Gruppe aussen vor. Dabei haben doch viele Mitarbeiter hervorragende Ideen, wie Produkte verbessert, die Marktstellung des Unternehmens stabilisiert oder Einsparpotentiale sinnvoll genutzt werden könnten. Meist werden sie nur nicht danach gefragt.
Sinnvoll ist es sicherlich, die Gruppenintelligenz nicht erst in krisenhaften Zeiten zu nutzen, sondern bereits auch dann, wenn es dem Unternehmen gut geht. Dann kann nämlich diese ausgeweitete Form der individuellen Intelligenz auch dafür sorgen, dass es dem Unternehmen noch besser geht.
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