Schweizerische Nationalbank – Business as usual?

12.12.2016 |  Von  |  News
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Am letzten Donnerstag hat die EZB eine Fortsetzung ihres Anleihe-Aufkaufpogramms beschlossen. Gleichzeitig wurden die Zinsen unverändert gelassen. Von der Fed wird an diesem Mittwoch eine Zinserhöhung von vermutlich 0.25% erwartet. Am Donnerstag wird sich die Schweizer Nationalbank mit den Zinsen befassen und damit den Reigen der geldpolitischen Entscheidungen abschliessen.

Nach Einschätzung von Dr., Thomas Stucki, CIO der St. Galler Kantonalbank, wird die wahrscheinliche US-Zinserhöhung die SNB jedoch nicht dazu ermuntern, ihrerseits das Libor-Ziel anzuheben. Die SNB müsse nach Frankfurt und nicht nach Washington schauen. Entsprechend werde die SNB die Zinsen in der Schweiz tief im negativen Bereich bei -0.75% behalten. Gleichzeitig werde sie darlegen, dass ihre Inflationsprognose einen zu geringen Preisdruck anzeigt und sie daher bei Bedarf die Zinsen weiter senken wird. Weiter erläutert Stucki:

„Für die SNB ist die negative Zinsdifferenz zum Euroraum wichtig. Der Geldmarktsatz für dreimonatige Anlagen in Franken liegt 0.4% unter dem vergleichbaren Euro-Zins. Ein Minderertrag von 0.4% pro Jahr macht den Franken aber nicht wirklich unattraktiv. Die SNB wird dennoch ihre Zinsen nicht senken. Das kurzfristige Signal für einen schwächeren Franken wäre schnell verpufft. Die zusätzliche Belastung von Banken und Pensionskassen würde jedoch bleiben. Die SNB wird deshalb weiter gezwungen sein, eine aktive Währungspolitik zu betreiben, um den Franken stabil zu halten.

SNB interveniert häufiger am Devisenmarkt

Die SNB war in diesem Jahr immer wieder gezwungen, im Devisenmarkt zu Lasten des Frankens zu intervenieren. Seit Anfang Jahr bis Ende November sind die Fremdwährungsbestände der SNB von 560 Mrd. Franken auf 648 Mrd. Franken gestiegen. Davon ist nur ein kleiner Teil des Anstiegs durch Erträge und Kapitalgewinn auf den Anlagen zu erklären. Die Devisenreserven sind heute ungefähr gleich gross wie die jährliche Wirtschaftsleistung des Landes.

Da stellt sich natürlich die Frage, wie weit die SNB ihre Bilanz noch aufblähen kann. Theoretisch sind ihr diesbezüglich keine Grenzen gesetzt. In der Realität läuft sie jedoch Gefahr, das Vertrauen der Schweizer Bevölkerung und der Schweizer Wirtschaft zu verlieren. Wo diese Grenze ist, kann man nicht sagen. Die SNB wird weiter bereit sein, ihre Devisenbestände aufzustocken, solange sie diesen Prozess kontrollieren kann. Dabei hilft ihr, dass sie keine fixe Untergrenze zum Euro oder zum Dollar verteidigen muss.

Franken weiter unter Aufwertungsdruck

Das heisst nicht, dass der Franken auf ewig im aktuellen Bereich zwischen 1.07 und 1.09 zum Euro handeln wird. Die SNB wird bereit sind, Vorteile der Schweizer Wirtschaft im Vergleich zum Ausland durch tiefere Inflationsraten und stärkere Produktivitätsgewinne über eine Aufwertung auszugleichen. Eine Aufwertung des Frankens um ein bis zwei Prozent pro Jahr wird sie zulassen. Damit kann die Schweizer Wirtschaft umgehen. Das hat sie in den Jahren und Jahrzehnten vor der Finanzkrise bewiesen.“

 

Quelle: St. Galler Kantonalbank
Artikelbild: © Pixeljoy – shutterstock.com

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