Agrarindustrie 4.0: Nahrung für eine Milliarde mehr Menschen mit Smart Farming

04.11.2016 |  Von  |  News

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Agrar-Experte Dr. Carsten Gerhardt, Partner bei A.T. Kearney, kommentiert die Entwicklung in der Agrarwirtschaft: „Auf rückläufige Wachstumsraten und sinkende Rohstoffpreise in der Agrarindustrie reagieren die Unternehmen mit Kostensenkungen sowie Fusionen und Übernahmen. Ob sich die erhofften Synergien tatsächlich erzielen lassen, ist fraglich“

„Dabei vernachlässigen die Unternehmen Digitalisierung und Smart Farming als mittelfristige, vielversprechende Alternative. Agrarindustrie 4.0 bietet nicht nur Wachstumschancen für die Industrie, sondern auch die Möglichkeit Ernteerträge zu steigern, sodass wir im kommenden Jahrzehnt eine Milliarde mehr Menschen ernähren können“, führt Gerhardt mit Blickauf die jüngste Studie der Managementberatung aus.

In ihrer aktuellen Publikation „Agricultureis Fertile Ground fürDigitization“ beschreiben die A.T. Kearney Autoren, wie Agrarunternehmen mit hilfe von Digitalisierung entlang der gesamten Wertschöpfungskette neue Erlösquellen erschliessen und gleichzeitig auf eine sich ändernde Nachfrage reagieren können.

Über die letzten Jahrzehnte konnten Saatgut-, Düngemittel- und Pflanzenschutzhersteller ihren Umsatz und Profit Jahr für Jahr verlässlich steigern. Eine Reihe parallel verlaufender Entwicklungen leiten nun eine Trendwende ein: Neben der zunehmenden Umstellung von Fleischkonsum auf vegetarische Ernährung, vor allem in der westlichen Welt, trübt auch das abflachende Wachstum in der Nachfrage nach Biokraftstoffen die Umsatzprognosen.

Hinzu kommen staatliche und privatwirtschaftliche Initiativen zur Reduzierung von Lebensmittelverschwendung: jede Tonne weniger Lebensmittelabfall übersetzt sich unmittelbar in eine geringere erforderliche Produktionsmenge. Auch die steigende Skepsis in der Bevölkerung gegenüber intensiver Landwirtschaft, dem Einsatz von Gentechnik und Pflanzenschutzmitteln, wie Glyphosat, verstärkt den Druck auf die Industrien – nicht zuletzt, weil Regierungen mit regulatorischen Einschränkungen einlenken.

Dem veränderten Markt begegnen Unternehmen mit Kostensenkungen und Übernahmen – in der Folge erlebt die Branche zur Zeit Megadeals mit schwindelerregend hohen Übernahmeangeboten – Erfolgsausgang ungewiss. Einen alternativen Weg bietet Digital Farming, die umfassende Digitalisierung der gesamten landwirtschaftlichen Wertschöpfung, diebislang noch in den Kinderschuhen steckt.

Digital Farming konzentriert sich, laut Studien-Coautor Benjamin Subei, derzeit auf Start-ups, die beispielsweise Drohnen zur Überwachung von Feldern, Sattelite Imaging und Robotertechnik entwickeln. Eine Ausweitung der Digitalisierung auf den gesamten Pflanzenzyklus, von der Aussaat bis zur Ernte, könne den Ernteertragum 20 bis 30 Prozent steigern – und damit Nahrung für zusätzlich eine
Milliarde Menschen liefern.

Digitalisierung in der Landwirtschaft werde die bisherigen Geschäftsmodelle radikal in Frage stellen, prognostizieren die Autoren. Es komme jetzt darauf an, die bestehenden Technologien zu bündeln und ganzheitliche Lösungen für Landwirte zu entwickeln und zu vermarkten. Analog zu anderen Industrien im digitalen Wandel, werden in der Agrarwirtschaft Plattformen entstehen, die Landwirte weltweit unterstützen, datenbasiert agronomische Entscheidungen zu treffen, umihre Erträge zu optimieren und die Ressourcen zu schonen.

„Wir gehen davon aus, dass die Grossen der Branche sich jetzt als First Mover platzieren werden, dicht gefolgt von Start-ups, die das Zeug haben, die Möglichkeiten der Digitalisierung clever für sich zunutzen und schnell praktikable Lösungen auf den Markt zu bringen“, resümiert Gerhardt. „Bei der Digitalisierung kommt es auf Schnelligkeit und Grösse an. Wer hier den ersten Schritt macht, bestellt das Feld und wird die Ernte einfahren.“

 

Artikel von: A.T. Kearney
Artikelbild zugeschnitten: © A.T. Kearney

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