BGM-Baustein: Vereinbarkeit von Familie und Beruf

29.01.2016 |  Von  |  Organisation, Selbstmanagement
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BGM-Baustein: Vereinbarkeit von Familie und Beruf
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Thomas, Beatrice und Dominik. Drei Mittdreissiger. Sie alle haben etwas gemeinsam. Sie sind gut ausgebildet, hochmotiviert im Job, topfit und kerngesund. Bei ihnen steht Familiennachwuchs an. Eine schöne, spannende, aufregende aber auch turbulente und anstrengende Zeit für die ganze Familie. Denn Familie und Beruf zu vereinen, ist keine leichte Aufgabe.

Erst recht, wenn die Arbeitgeber nicht mitmachen. Dabei profitieren beide Seiten von einem familienfreundlichen Arbeitsumfeld. Unternehmen müssen sich im Klaren sein: Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist ein wichtiger Baustein für das Betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM).

„Frau zu Hause bei den Kindern, Mann arbeitet Vollzeit“ ist ein Auslaufmodell. In vielen Familien arbeiten beide, und Mutter wie Vater sind für die Kindererziehung zuständig und im Haushalt aktiv. Auch Thomas und Dominik möchten wie viele moderne Väter mehr Zeit mit ihrer Familie verbringen. Beatrice dagegen möchte ihre gute Ausbildung nicht sinnlos hinterm Herd verstauben lassen. Sie ist gerne halbtags zuhause, aber auch im Job verwirklicht sie sich selbst und bereichert die Wirtschaft mit ihrem Ideenreichtum und ihrer Arbeitskraft. Richtig genutzt hat diese Situation das Potenzial zum Win-Win für Mitarbeiter und Unternehmen.

Richtig genutzt! Einige Arbeitgeber haben es bislang verschlafen, auf diese Entwicklung umfassend zu reagieren. Klar, viele stöhnen erstmal bei dem herannahenden Arbeitsaufwand, den es nach sich zieht, wenn ein Mitarbeiter kürzer tritt. Natürlich müssen Arbeitgeber bei der Nachricht „Ich bin schwanger“ oder „Ich möchte in Teilzeit gehen“ nicht freudestrahlend an die Decke springen. Doch genauer hingeschaut, bietet der Familienzuwachs der Mitarbeiter eine Chance auf ein gutes Image, zufriedene, loyale, leistungsfähige und gesunde Mitarbeiter.

Zufrieden und gesund

Wenn Thomas, Beatrice und Dominik sich darauf verlassen können, dass sie unterstützt werden, reduziert das die Belastungen erheblich. Sie sind konzentrierter bei der Arbeit und – was unterschätzt wird – für Eltern ist der Job häufig eine willkommene Abwechslung zur Kindererziehung. Wenn der Arbeitgeber dann noch den Balanceakt zwischen Job und Familie erleichtert, steigen Leistungsfähigkeit, Produktivität und Motivation.

Ob firmeninterne Kinderbetreuung, ein extra Büroraum, den Eltern bei Betreuungsengpässen nutzen können, die Möglichkeit ins Homeoffice zu gehen oder Führungskräfte in Teilzeit oder Job-Sharing. Das sind nur ein paar der Instrumente, die Unternehmen zur Verfügung stehen, um ihre Mitarbeiter mit Familien zu unterstützen. Gut 1,5 Fehltage* eines berufstätigen Elternteils können mit solchen Massnahmen pro Jahr reduziert werden.

Wichtig für den Arbeitgeber und den Arbeitnehmer ist ein einfacher Wiedereinstieg. So sichert sich das Unternehmen nach der familiär bedingten Auszeit das Wissen, die Erfahrungen und Kontakte ihrer Mitarbeitenden und die gut ausgebildete Arbeitskraft bleibt dem Betrieb erhalten. Die Kosten für eine Neurekrutierung, die im hochqualifizierten Bereich durchaus fünfstellig* ausfallen, kann man sich sparen.

Einen Schritt voraus im War for Talents

Wer den BGM-Baustein Familienfreundlichkeit gut umsetzt, profitiert zusätzlich von einem guten Image. Eine Umfrage des Personalvermittlers Randstad hat ergeben: Wichtigstes Arbeitgeberkriterium ist eine angenehme Arbeitsumgebung, gefolgt von Gehalt, der Arbeitsplatzsicherheit, den Arbeitsinhalten und der Work-Life-Balance.

Viele junge, talentierte Fachkräfte suchen sich ihren Job also sehr genau aus: Werden viele Überstunden erwartet, gibt es einen Freizeitausgleich, flexible Arbeitszeiten und Arbeitszeitmodelle wie Teilzeit oder Jobsharing, kann ich von Zeit zu Zeit im Homeoffice arbeiten? Kurz: Werden Angebote geschaffen, die den Spagat zwischen Job und Familie oder Freizeit erleichtern und Stress aus dem Alltag nehmen?



Der Unternehmer, der diese Gelegenheit beim Schopfe packt, dem Mitarbeiter entgegenkommt und ein BGM wirklich lebt, poliert sein Image auf Hochglanz und macht sich als Arbeitgeber attraktiv. Es versteht sich von selbst, dass eine familienfreundliche Haltung nicht nur auf dem Papier steht. Hier gilt das Prinzip: Gleiches Recht für alle. So wie Unternehmen sich ihre Mitarbeiter sehr genau anschauen, werden auch die Unternehmen während der Probezeit auf Herz und Nieren geprüft.

Schaumschläger werden schnell entlarvt. Nur, wenn das drin ist, was draufsteht, lassen sich vielversprechende Mitarbeiter und Führungskräfte an sich binden. Andernfalls ist der Ruf ganz schnell im Eimer.

In diesem Sinne: Nutzen Sie ein die Vorteile eines BGM und schauen Sie selbstkritisch auf Ihre vielleicht noch ausbaufähige familienfreundliche Unternehmenskultur.

 

*Quelle: HR-Performance – Raschid Boubabba, Geschäftsführer der MCGB GmbH Unternehmensberatung
Artikelbild: © Goodluz – shutterstock.com

Über Peter Regli

Peter Regli und der Sport bilden eine untrennbare Einheit. Der ehemalige Leichtathlet und Trainer im Spitzensport ist heute Dozent, Referent und Autor zu den Themen Gesundheit und Gesundheitsmanagement für Menschen und Unternehmen. Seine Erkenntnisse aus Praxis, Erfahrung und wissenschaftlicher Forschung setzt er ein, um Menschen und Unternehmen auf dem Weg zu einem fitten, gesunden Leben und mehr Leistungsfähigkeit zu begleiten. Mehr unter www.peter-regli.ch oder pr@peter-regli.ch.


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