Egoismen überall – eigene Muster versus der Freud-Leitsatz

07.12.2015 |  Von  |  Selbstmanagement

Geschätzte Lesezeit: 7 minutes

Keine Beiträge mehr verpassen? Hier zum Newsletter anmelden!
Egoismen überall – eigene Muster versus der Freud-Leitsatz
5 (100%)
3 Bewertung(en)

Als ich mich letztens bei einer Grossveranstaltung mit einem Kollegen unterhielt, warf er mir vor, nicht respektvoll mit ihm umzugehen. Ich neige manchmal dazu, mich kurz mit Menschen zu unterhalten, damit ich mich mit vielen unterhalten kann. Ich fühlte mich zuerst ein bisschen unwohl und hinterfragte mich. Ist das vielleicht ein Muster von mir oder bin ich ein Getriebener des Lebens?

Doch je länger das Gespräch lief, umso mehr wunderte ich mich über meinen Kollegen. Er wollte mir einfach ins Gewissen reden und mir kam sofort der Freud-Leitsatz in den Sinn: „Das Problem, das ich einem anderen andichte, ist das eigene.“ Denn ich nehme mir eigentlich immer Zeit für andere Menschen und Respekt ist einer meiner grössten Werte. Obwohl dieser Wert leider immer mehr in unserer Gesellschaft verlorengeht. Wir diskutierten immer tiefer und am Ende kam es zu einem freundschaftlichen Handshake.

Das Leben ist Kommunikation und menschliche Beziehung

Auf einmal kam seine Lebenspartnerin dazu … mit einem sehr ernsten und vorwurfsvollen Gesichtsausdruck. Sie ging an ihm vorbei, ohne ihn weiter anzusehen. Das schien ihn sehr zu verletzen und er sank in Sekunden in sich zusammen. Jetzt schlich er wie ein kleines Hündlein hinter seiner Partnerin her und entschuldigte sich mehrfach bei ihr. Doch seine Gnädigste schenkte ihm keine Beachtung.

Jetzt fragte ich mich: „War es sein Muster bzw. sein Freudscher Leitsatz?“ 

Gehen wir aus der Situation heraus und betrachten das Gespräch als Dritte. Wir waren im Gespräch. Jeder Aussenstehende sah, dass wir uns nicht über Belangloses unterhielten, sondern über ein Thema, das wichtig und diskutierenswert war. Mit Sicherheit sah das seine Lebensgefährtin genauso. Nur sie stellte ihr Bedürfnis im Rang über seines.

Dadurch entstand ein Ungleichgewicht und die Waage schlug zu ihrer Seite aus, so dass sie bei ihm ein schlechtes Gewissen hervorrief. Er ging sofort in die Defensive. In einer Sekunde kapitulierte er auf allen Ebenen. Dieser Reflex kam so automatisch, dass man von einem eindeutigen Kommunikationsmuster sprechen kann: „Schatz kümmere Dich sofort um mich! Ja, sofort! Sonst bin ich mächtig sauer und mache Dir eine Szene.“ Wenn das ein Paar gut geübt hat, entsteht eine Mischung aus blindem Gehorsam und chronisch schlechtem Gewissen. Immerhin braucht der starke Partner den Schwachen! Kennen Sie das auch?

Merken Sie, um was es geht? Um emotionale Erpressung! Es geht um das Thema: „Mach mich glücklich!“ Es geht um das emotionale Glück des einen, indem er den anderen unter Druck setzt. Entsteht nicht alles unter Druck im Leben? Auch ein Diamant entsteht durch Druck. Doch wenn wir uns selbst reflektieren, können wir durch solche Situationen enorm lernen.

Doch wenn es sich dauerhaft einschleift, entsteht ein Prozess aus Dauernot und Helfermodus! 

Wenn sich solche Personen in ihrem Umfeld befinden, dann sollten Sie sich von ihnen konsequent trennen. Die Trennung von solchen Personen, Kollegen und sogenannten Freunden kann enorm befreien. Ich spreche aus sehr grosser Erfahrung!


Das Leben ist Kommunikation und menschliche Beziehung. (Bild: © El Nariz - shutterstock.com)

Das Leben ist Kommunikation und menschliche Beziehung. (Bild: © El Nariz – shutterstock.com)


Wenn wir das Ganze jetzt konsequent auf den geschäftlichen Teil projizieren, dann merken Sie, was dies für eine Lawine auslöst. Solche Menschen sind schwarze Löcher und kosten eine Menge Energie: Energiesauger!

Emotionale Erpresser delegieren die Verantwortung für ihr eigenes Glück bzw. Unglück an die Aussenwelt! 

Herzlich Willkommen in der Welt der Neurosen und Neurotiker. Wer in sich ruht, dem ist seine Aussenwelt völlig egal. Der Neurotiker ruht nie in sich – egal, wie stabil seine Aussenwelt ist. Er findet immer das Haar in der Suppe, mit dem er seine emotionale Achterbahn rechtfertigt. Was soll er machen – er will immer leiden, das ist sein Muster. Er macht sich so selbst immer unglücklich und erwartet Hilfe von Aussen, die ihm aber gar nicht hilft. Weil sich die helfende Person, in seinem Auge, sich nie richtig anstrengt … ein ewiger Kreislauf!

Woher Neurosen kommen, wird und wurde viel diskutiert. Ein bisschen Genetik, ein wenig Hirnchemie und natürlich die Paradigmen aus der Kindheit. Dazu noch ein paar falsche Gedanken und schon heisst es: „Drama, Baby!“

Natürlich kann man so etwas eindämmen, indem man sich hinterfragt bzw. selbst reflektiert. Jeder bewertet sich selbst anders und meistens hilft jemand von aussen. Oder man ändert seine Ansprüche an sich selbst. Neurotiker haben immer den Anspruch, von anderen geliebt so werden.

Everybodys darling is everybodys A…loch! So ist es! 

Ab und zu Bestätigung und eine gewisse Eitelkeit sind okay. Doch die Dosis macht wie immer das Gift. Hinter ständiger Anerkennungssucht steckt meistens eine grosse Portion Narzissmus. Dazu hat mal ein bekannter Modedesigner gesagt: „Der Selbstbewusste fühlt sich überlegen, der Unsichere wie ein Wurm. Der Narzisst fühlt sich wie ein überlegener Wurm.“ Hier ist wieder das unersättliche Loch und es hat Hunger.

Jeder Mensch ist zum Grossteil mit sich selbst beschäftigt und es ist wichtig, einen gesunden Weg für sich selbst zu finden.

In diesem Sinne wünsche ich alles Gute mit dem eigenen Ego! Manchmal ist Hilfe von aussen sehr ratsam …

Mit den besten Siegercoach-Grüssen,

Swen-William Bormann

Siegen ist kein Zustand, sondern ein Prozess!

 

Artikelbild: © Gutzemberg – shutterstock.com

Über Swen-William Bormann

Swen-William Bormann wurde als Arbeitersohn geboren und machte, bevor er seine Berufung als Trainer fand, Erfahrungen im Handwerk und Verkauf. Also ein echter Praktiker – kein Theoretiker. Sein starkes Bedürfnis nach Weiterbildung und persönlicher Entwicklung führte ihn dazu, zahllose Bücher, DVDs und Hörbücher zu nutzen, Seminare zu besuchen etc., um den Wunsch, mehr zu lernen, zu befriedigen. Dabei war und ist ihm immer wichtig, nur von den Besten der Branche zu lernen, wie Tony Robbins, Brian Tracy und viele mehr. Heute trainiert er mit Begeisterung Menschen vom Sportler bis zum Manager und hält inspirierende Vorträge, die im Kopf und Herzen bleiben.


Ihr Kommentar zu:

Egoismen überall – eigene Muster versus der Freud-Leitsatz

Für die Kommentare gilt die Netiquette! Erwünscht sind weder diskriminierende bzw. beleidigende Kommentare noch solche, die zur Platzierung von Werbelinks dienen. Die belmedia AG behält sich vor, Kommentare ggf. nicht zu veröffentlichen.