Hab Mut, dir Gedanken zu machen!

22.05.2015 |  Von  |  Selbstmanagement
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Hab Mut, dir Gedanken zu machen!
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„Unsere Führungskräfte sind Menschen, die sich über ihre Arbeit viele Gedanken machen“, sagte vor Kurzem der Geschäftsbereichsleiter eines Industriebetriebs in Oberösterreich am Rande einer Teamklausur.

Tagein, tagaus stehen Sie im Brennpunkt interner und externer Herausforderungen und müssen fortwährend widersprüchliche Ziele und Interessen in Einklang bringen. Und dazu kommt meist noch das übliche Tagesgeschäft …

Aber wann ist dann noch die Zeit, um über die eigene Arbeit nachzudenken? Und sind Gedanken dazu geeignet, einen wesentlich weiterzubringen?

Mut zur Lücke …

Von dem Reformator Martin Luther wird gesagt, dass ihm wesentliche Erkenntnisse seines Lebenswerkes auf dem stillen Örtchen gekommen seien – und nicht im ruhigen Kämmerlein.

Musikerinnen und Musiker berichten von Fortschritten in ihrem Spiel, nachdem sie nach langen, intensiven Übungsperioden eine Pause eingelegt haben. Die kurze Unterbrechung führe dazu, dass das Instrument neu und anders in der Hand liege und die Passagen, an denen sie zuvor hart gearbeitet hätten, auf einmal wie von selbst gelängen.

Auch Tänzerinnen ist dieses Phänomen vertraut – Autoren, Künstlerinnen, Handwerkern. Und Menschen, die in einer besonders kritischen Situation noch einmal glimpflich davongekommen sind. Sterbende ebenfalls, sofern sie sich nichts mehr vormachen und ihre Schwerpunkte eindeutig gesetzt haben.

Vor einigen Jahren musste ich die Geschäftsleitung eines rentablen Dienstleistungsunternehmens neu besetzen. Dem Eigentümer war dabei sehr wichtig, dass die potenziellen Kandidatinnen und Kandidaten auf ihr Verhalten in Krisen überprüft werden sollten. Er war der Ansicht, wer schon mal eine dramatische Situation erlebt habe, werde mit ruhigerer Hand agieren und sei in der Lage, sich und das eigene Verhalten in Problemsituationen besser zu beurteilen.

… und Platz für Neues machen

In den genannten Fällen geht es höchstens nebenbei um „Gedanken“ im wörtlichen Sinn. Vielmehr haben diese Phänomene mit einer Ausprägung von Selbstorganisation zu tun, die zum Vorschein kommen kann, wenn die entsprechenden äusseren Bedingungen diese fördern. Matthias zur Bonsen, der sich mit „Lebendigkeit und Energie in Unternehmen“ beschäftigt, bezeichnet diese fruchtbaren Rahmenbedingungen als „Strukturen am Rande des Chaos“. Es sind die Grenzbereiche zwischen hoch motiviertem Einsatz („Führen“, Üben, Sinnieren) und dem Loslassen dieses Kraftaufwands.

Führungskräfte, die sich während ihrer alltäglichen Arbeit (und nicht während eines Trainings in angenehmer Seminarraumatmosphäre) immer wieder mal in diese Übergangszonen begeben, liefern einen unschätzbaren Beitrag für die Lebendigkeit eines Unternehmens.

Hab Mut!

Ja, man braucht Mut, um aus der vermeintlichen Sicherheit bewährter Strukturen herauszutreten und sich auf das weite Feld des freien Geistes zu begeben. Alte Gewohnheiten hinter sich zu lassen, um sich aus anderer Perspektive auf die Sache und die daran teilnehmenden Menschen einzulassen.

In diese Richtung zu denken ist wie Kofferpacken. Die eigentliche Reise nimmt ihren Anfang, wenn wir den Mut finden, uns dem Neuen auszusetzen, und darauf bauen, dass wir „am Rande des Chaos“ ein fruchtbares Feld finden.

Und das betrifft nicht nur Führungskräfte im engeren Sinn.

 

 

Oberstes Bild: © X – shutterstock.com

Über Michael A. Defranceschi

beschäftigt sich seit über 20 Jahren mit dem Themenbereich „Mensch und Leistung“, seit 2005 als selbständiger Trainer, Berater und Coach.
Als nach internationalem Standard zertifizierter Business Coach und Business Trainer ist er Mitglied der Expertsgroup Wirtschaftstraining & Coaching.

Der von ihm entwickelte softwarebasierte Beratungsansatz Quod.X® - Fact Based Company Coaching zeichnet sich aus durch hohe Effizienz bei minimalem Zeitaufwand und bewährt sich insbesondere in der Teamentwicklung im Dienstleistungsbereich.


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