Mediation – Konfliktlösung mit Gewinnern auf beiden Seiten

24.11.2014 |  Von  |  Organisation
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Mediation – Konfliktlösung mit Gewinnern auf beiden Seiten
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Techniken zur Konfliktlösung gibt es schon lange. Eine davon ist die Mediation, die allerdings noch in den Kinderschuhen steckt. Ihr Potenzial für die Zivilgesellschaft, die Wirtschaft, das Rechtssystem und für viele andere Bereiche ist noch nicht einmal annähernd ausgeschöpft.

Es ist vor allem das der Mediation innewohnende Prinzip der Nachhaltigkeit, das einen entscheidenden Beitrag zur Verbesserung der Konfliktkultur leistet. Im deutschsprachigen Raum wird die Mediation bislang vor allem für die Lösung familiärer und partnerschaftlicher Konflikte eingesetzt, eher noch zaghaft in der Wirtschaft und im Rechtswesen, in der Baubranche, im Schul- und im Gesundheitswesen.



Die Mediation als kooperative und konstruktive Konfliktlösung

Die Mediation ist eine konstruktive Konfliktlösung, bei der die streitenden Parteien von einer neutralen dritten Person, dem Mediator, dabei angeleitet werden, durch eine Analyse des bestehenden Konflikts im Rahmen einer Kooperation eigenverantwortlich eine Lösung zu finden. Insoweit zielt die Mediation auf eine Win-win-Lösung ab, bei der beide Parteien etwas hinzugewinnen. Diese Methode basiert auf gewaltfreier Kommunikation, die verbale Gewalt wie beispielsweise Vorwürfe, Anklagen und Schuldzuweisungen sowie Druck und Zwang durch eine gewaltfreie Streitkultur ersetzt.

Mediation fördert die Bedürfnisse hinter den Positionen der Streitparteien zutage, wodurch sich deren Sichtweise verändert und gegenseitiges Verständnis möglich wird. Der Mediator unterstützt die Medianten darin, ihre Gefühle und Bedürfnisse mitzuteilen und sich gegenseitig zuzuhören. Er verzichtet darauf, inhaltliche Vorschläge zu unterbreiten oder Wertungen zugunsten der einen oder anderen Streitpartei vorzunehmen, sondern achtet darauf, dass die gewaltbehaftete Kommunikation einem konstruktiven Gesprächsstil weicht. Anders als bei einem Gerichtsverfahren geht es in der Mediation nicht darum zu klären, welche Partei recht hat, sondern darum, eine für beide Parteien akzeptable und konstruktive Lösung zu finden.

Die Grundgedanke der Mediation und ihre Prinzipien



Durch die Mediation werden die streitenden Parteien aktiviert, mit dem Offenlegen ihrer Bedürfnisse einen konstruktiven Beitrag zu leisten, um der festgefahrenen Situation zu entkommen und gemeinsam eine gütliche Lösung zu finden. Dieses Ziel erreicht die Mediation, indem sie bestimmten Grundsätzen folgt.

– Gebot der Freiwilligkeit:
Die Mediation unterliegt dem Gebot der Freiwilligkeit. Das bedeutet, dass die Parteien zu jeder Zeit die Mediation unterbrechen oder auch abbrechen dürfen. Denn die Aussprache der eigenen Gefühle und Bedürfnisse sowie das Zuhören und Verstehen der Gefühle und Bedürfnisse des anderen sind eine persönliche Investition, deren Freiwilligkeit die Chancen auf eine für beide Mediationsparteien gute Lösung erhöht.

– Neutralität und Allparteilichkeit:
Die Neutralität bezieht sich auf die Person des Mediators, der die Rolle eines neutralen Dritten übernimmt. Das bedeutet, dass er sich hinsichtlich des Gehörten, seiner Beobachtungen sowie in Bezug auf die Bedürfnisse und Gefühle der Mediationsparteien neutral und allparteilich verhält. Das heisst er unterstützt alle anwesenden Streitparteien gleichwertig darin, ihre Bedürfnisse und Gefühle offenzulegen. Von der Neutralität und Allparteilichkeit des Mediators ist abhängig, ob das Mediationsverfahren von den Parteien als fair wahrgenommen wird.





Der Mediator beschränkt sich allein auf die Steuerung des Verfahrens. (Bild: udra11/Shutterstock.com)

Der Mediator beschränkt sich allein auf die Steuerung des Verfahrens. (Bild: udra11/Shutterstock.com)

– Eigenverantwortlichkeit der streitenden Parteien:
Die Mediation legt die Verantwortung für die Lösung des Konflikts in die Hände der Medianten. Insoweit verzichtet der Mediator auf eine inhaltliche Beeinflussung des Klärungsprozesses – er leistet keine Überzeugungsarbeit und bietet keine Lösungen – und beschränkt sich allein auf die Steuerung des Verfahrens.

– Festgelegte Schritte innerhalb des Mediationsverfahrens:
Das Mediationsverfahren folgt einem festen Ablauf und gliedert sich zumeist in fünf Phasen, zunächst wird der Konflikt in seine einzelnen Bestandteile aufgeschlüsselt, um diese dann im Rahmen der Klärung sowie der Lösungsfindung wieder zusammenzuführen. Auf diese Weise wächst ein gegenseitiges Verstehen für die Bedürfnislage des jeweils anderen, was dann zur Klärung des Konflikts führen kann.

– Der sichere Rahmen eines Mediationsverfahrens:
Die Mediation lebt von klaren Abmachungen, die ihr einen sicheren Rahmen verleihen und den Konfliktparteien Sicherheit geben. Teil dieser festen Rahmenbedingungen sind die zu Beginn der Mediation geschlossene Mediationsvereinbarung sowie der am Ende von allen Parteien, einschliesslich des Mediators, unterzeichnete Mediationsvertrag.



– Mediation ist zukunftsorientiert:
Die Mediation ist zukunftsorientiert, da sie auf eine nachhaltige Konfliktlösung und auf ein verändertes Konfliktverhalten der Mediationsparteien ausgerichtet ist. Es geht also nicht um die rückwärtsgerichtete Frage nach der Schuld für den Konflikt, sondern um die Erhellung der den Konflikt verursachenden Geschehnisse sowie um die Klärung und Lösung gegenwärtiger Streitfragen.

Was Mediation erreichen kann

Die Mediation verfolgt insbesondere zwei Ziele. Es geht darum, dass die Parteien eine tragfähige und nachhaltige Lösung für den bestehenden Konflikt erarbeiten und für die Zukunft eine offene Konfliktkultur entwickeln. Diese Ziele kann die Mediation für die streitenden Parteien unter bestimmten Voraussetzungen erreichen.



  1. Mithilfe der Mediation werden die von den Streitparteien erhobenen Vorwürfe und Anschuldigungen in die dahinterliegenden Bedürfnisse und Gefühle übersetzt. Das bedeutet auch, dass sich die Mediation nur auf die Punkte konzentriert, die einer konkreten Konfliktbearbeitung bedürfen.
  2. Der Mediator unterstützt die Parteien darin, Verständnis für die Sichtweise des jeweils anderen aufzubringen und die Kommunikation dahin gehend zu verändern, dass sie gewaltfrei ist.
  3. Die Mediationsparteien werden durch das Mediationsverfahren und insbesondere durch einen Perspektivenwechsel befähigt, einen eigenverantwortlichen und konstruktiven Umgang mit Konflikten zu entwickeln, was mit einer Veränderung des Konfliktverhaltens einhergeht.

 

Oberstes Bild: © mast3r – Shutterstock.com


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