Gewaltfrei kommunizieren in allen Lebensbereichen

25.03.2014 |  Von  |  Kommunikation
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Gewaltfrei kommunizieren in allen Lebensbereichen
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Die gewaltfreie Kommunikation ist ein Kommunikationsmodell, das von dem Amerikaner Marshall Rosenberg entwickelt wurde. Diese Form der Kommunikation basiert auf gegenseitigem Einfühlungsvermögen und Verstehen mit dem Ziel, den Konflikt effizient und nachhaltig zu bearbeiten und zu lösen.

Dieses Modell ist gleichermassen anwendbar auf die private, politische und berufliche Ebene und wird bevorzugt in Mediationsverfahren verwendet. In insgesamt vier Schritten gelingt mit Hilfe der gewaltfreien Kommunikation eine Annäherung der Parteien mit dem Ziel der Konfliktbeilegung.



Gewaltfreie Kommunikation – was ist das und wie funktioniert sie?

Im Zentrum der gewaltfreien Kommunikation steht die gegenseitige Wertschätzung, die getragen wird von einer einfühlenden Haltung gegenüber den eigenen Bedürfnissen und gegenüber denen des Konfliktpartners. Im Zusammenhang mit gewaltfreier Kommunikation bedeutet Gewalt die Erfüllung der eigenen Bedürfnisse auf Kosten anderer. Eine Form der Gewalt ist beispielsweise die Verurteilung anderer Menschen sowie Schuldzuweisungen.

Gewalt äussert sich auch in einer lebensfremden Kommunikation und der freiwilligen Einnahme einer Opferrolle, bei der jegliche Verantwortung für eigene Gefühle und eigenes Handeln nicht nur geleugnet, sondern anderen Menschen zugeschoben wird. Auch ein forderndes und den anderen unter Druck setzendes Verhalten ist eine Form von Gewalt, bei der das Recht des anderen auf freie Selbstbestimmung missachtet und dieser zu einer bestimmten Verhaltensweise – beispielsweise einer aggressiven Gegenwehr – gezwungen wird, auch wenn er das zu keiner Zeit gewollt hat.

Konflikte als tragischer Ausdruck unerfüllter Bedürfnisse



Zentrale Aussage des von Rosenberg entwickelten Kommunikationsmodells ist, dass Konflikte nichts anderes sind als der tragische Ausdruck unerfüllter Bedürfnisse. Danach steckt hinter jeder Handlung immer ein Bedürfnis, das dem Leben dient. Um Konflikte zu klären, ist es deshalb ratsam, nicht auf die von den Parteien formulierten Konfliktpunkte zu schauen, sondern auf die dahinter liegenden Gefühle und Bedürfnisse. Aufgrund dieser Feststellung hat Rosenberg eine Methode entwickelt, die sich als effizient bei der Konfliktlösung erwiesen hat und in vier Schritte gegliedert ist.

1. Urteilsfreie Beobachtung



Die urteilsfreie beziehungsweise wertfreie Beobachtung ist einer der zentralen Aspekte in der gewaltfreien Kommunikation, denn sie beinhaltet die Fähigkeit, eine Situation wertfrei zu beobachten und zu beschreiben. Regelmässig äussern die an einem Konflikt beteiligten Parteien die Situation allein aus ihrer Sicht mit den entsprechenden Interpretationen und Schuldzuweisungen, was auch aus dem Leidensdruck erwächst, dem die Parteien unterliegen. Das bedeutet auch, dass jeder Konfliktpartei die Distanz zur eigenen Situation fehlt und eine Betrachtung des Konfliktes von einer höheren Ebene aus in einer akuten Situation zunächst nicht möglich ist.



2. Gefühle statt Schuldzuweisungen

Die Triebkraft von Konflikten sind immer Gefühle. Anders als beispielsweise Kinder haben Erwachsene zumeist gelernt, ihren Handlungsimpulsen nicht immer sofort und manchmal auch gar nicht nachzukommen, was gemeinhin mit dem Begriff der Beherrschung umschrieben wird. Menschen wägen Entscheidungen ab, wobei oftmals rationale Überlegungen gegenüber den persönlichen Empfindungen überwiegen. Sofern diese von der Ratio getroffenen Entscheidungen mit den dahinterliegenden Bedürfnissen übereinstimmen, münden sie in produktive Reaktionen und Handlungen.

Anders verhält es sich jedoch mit persönlichen Bedürfnissen, die zugunsten rationaler Entscheidungen zurücktreten müssen. Diese lösen sich nämlich nicht auf, sondern drohen als Konflikt im Körper eines Menschen stecken zu bleiben. Langfristig gesehen können ungelöste Konflikte negative Folgen für das allgemeine Wohlbefinden sowie für die physische und psychische Verfassung nach sich ziehen. In einem Klärungsprozess wirkt es auf einen Konflikt deeskalierend, wenn die dahinter liegenden Gefühle erkannt und vor allem benannt werden.

3. Die Bedürfnisse hinter den Positionen

Tatsächlich basiert alles, was Menschen tun, auf Bedürfnissen, was gleichermassen alle Lebensbereiche durchzieht. Die hinter einem Handeln liegenden Bedürfnisse können ganz unterschiedlicher Art sein. Menschen tun etwas, weil sie beispielsweise nach einem Sinn suchen, weil sie sich nach Zugehörigkeit oder Anerkennung sehnen, weil sie sich persönlich weiter entwickeln möchten oder alles tun, um beruflich und gesellschaftlich ganz nach oben zu kommen. Bedürfnisse sind pure Lebensenergie, die jedoch nur dann wirklich fliesst, wenn unsere persönlichen Bedürfnisse tatsächlich gut versorgt sind.

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In allen Lebensbereichen gibt es Vorschriften, Regeln und Verträge. (Bild: jeh_somwang / Shutterstock.com)

4. Die Bedeutung der Bitte in der gewaltfreien Kommunikation

In allen Lebensbereichen gibt es Vorschriften, Regeln und Verträge. Tatsächlich sind es gerade diese Verhaltensvorschriften, die zu Konflikten im zwischenmenschlichen Bereich führen. Es ist das Muss hinter all diesen Normen, die oftmals im Widerstreit mit den tatsächlichen Bedürfnissen eines Menschen stehen. Tatsächlich ist das menschliche und organisatorische Miteinander abhängig von freiwilligen Beiträgen, die jeder Einzelne zum Gelingen eines Ganzen beisteuert.

Dementsprechend heisst die Erfolgsformel gegenseitige Unterstützung, denn sie ist als menschliches Bedürfnis eng mit den Themen Kontakt und Nähe verbunden. Doch genau diese Faktoren – Vertrauen in Freiwilligkeit und freigiebige gegenseitige Unterstützung – sind heutzutage nicht nur weitgehend verloren gegangen, sondern werden durch blosse Forderungen ersetzt, die nur ein einziges Ziel haben, nämlich eine einseitig positive Lösung zugunsten des Fordernden.

In der gewaltfreien Kommunikation werden Forderungen deshalb durch Bitten ersetzt, die in drei Kategorien unterteilt werden: Die Bitte um eine konkrete Handlung, die Bitte um eine Schilderung der Situation aus der Sicht des Gesprächspartners und die Bitte um eine Wiedergabe des Gehörten zwecks eines besseren Verstehens. Anders als die blosse Forderung erfüllt die Bitte in der gewaltfreien Kommunikation mehrere Kriterien: Sie fragt nach einer konkreten Handlung, die hier und jetzt erfüllbar ist und Freiwilligkeit ermöglicht.



 

Oberstes Bild: © recriminations – Shutterstock.com


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