Gold-Initiative – kontraproduktiv für Finanzpolitik und Wirtschaft

14.11.2014 |  Von  |  News
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Gold-Initiative – kontraproduktiv für Finanzpolitik und Wirtschaft
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Die Initiatoren der Initiative „Rettet unser Schweizer Gold“ – die SVP-Nationalräte Luzi Stamm und Lukas Reimann – können zufrieden sein: Die Gold-Initiative ist inzwischen auch in der grossen Finanzwelt Thema. Ihre Annahme könnte die Märkte durcheinanderwirbeln und negative Effekte auf die Finanzpolitik sowie die Schweizer Wirtschaft haben. 

Ein entsprechendes Statement kam vor kurzem von der britischen Grossbank Barclays. Aus Sicht der Analysten dürfte ein positiver Volksentscheid grössere Auswirkungen auf den Schweizer Franken sowie den Goldpreis haben. Langfristig würde der „langfristige Gleichgewichtspreis“ für Gold vermutlich spürbar steigen.

Geringere geldpolitische Flexibilität der SNB

Bei einer Annahme der Initiative müsste die Schweizerische Nationalbank (SNB) künftig mindestens 20 Prozent ihres aktiven Kapitals in Gold halten, künftig dürfte sie das Edelmetall ausserdem nicht mehr verkaufen. Ausländische Goldbestände der SNB müssten in die Schweiz zurück. Im ersten Schritt beliefe sich die Ankaufsumme auf etwa 60 Milliarden Franken. Die Barclays-Analysten vermuten, dass auch die Möglichkeiten der SNB, den Mindestkurs des Franken zum Euro durch geldpolitische Massnahmen zu stützen, sinken würden. Wenn die Nationalbank den Wechselkurs beispielsweise durch den Aufkauf von Fremdwährungen stabilisieren wollte, müsste sie dazu künftig auch fortlaufend Gold in ihre Bilanz aufnehmen. Insgesamt würde das verfassungsrechtlich abgesicherte Mandat der SNB zur Geldmarkt- und Währungsregulierung massiv beschnitten.

Enteignung von Anlegern und Sparern durch negative Zinsen

Sofern in diesem Szenario der Mindest-Wechselkurs des Franken gehalten werden soll, sehen die Analysten der Barclays-Bank ausserdem eine steigende Wahrscheinlichkeit für negative Zinsen. Sie nehmen an, dass die SNB den Einlagenzins direkt nach einer Annahme des Referendums auf oder sogar unter das Zinsniveau der Eurozone senken würden. Im Klartext: Die Annahme der Initiative würde de facto zur Enteignung von Anlegern und Sparern führen.

„Eigentor“ aus populistischen Motiven

Politiker aller Parteien und Wirtschaftsexperten äussern sich inzwischen unisono gegen eine Annahme der Gold-Initiative. Auch aus den Reihen der SVP war Kritik zu hören: SVP-Ständerat Alex Kuprecht bezeichnete das Referendum kürzlich in aller Öffentlichkeit als ein „Eigentor“. Die Initiatoren hatten ihr Projekt ursprünglich mit massiven Goldverkäufen der SNB in den vergangenen zwölf Jahren begründet. Angeblich habe die Bank in diesem Zeitraum rund 1.500 Tonnen Gold – 60 Prozent der Schweizer Goldbestände – zum „historisch schlechtesten Preis“ verkauft.



Pikanterweise befand sich der Goldpreis zum Zeitpunkt der Publikation der Abstimmungsvorlage im September 2011 nahe seines Allzeithochs von etwa 1.900 US-Dollar pro Feinunze Gold. Seitdem hat das Edelmetall um knapp 37 Prozent an Wert verloren. Hätte sich die SNB in den vergangenen Jahren nach den „Vorgaben“ der SNB gerichtet, hätte sie massive Verluste eingefahren.

 

Oberstes Bild: © Juk86 – shutterstock.com


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