Schweizer Finanzbranche mit geringerem Personalbedarf

08.10.2014 |  Von  |  News
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Schweizer Finanzbranche mit geringerem Personalbedarf
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Der Finanzplatz Schweiz hat einen hohen internationalen Stellenwert. In vielen Bereichen gehört er zu den Weltmarktführern. Ebenso wichtig ist der Schweizer Finanzsektor als Arbeitgeber. Die derzeit eher verhaltene Konjunktur macht jedoch auch vor den Finanzdienstleistern nicht halt. Der Personalbedarf der Branche schwächt sich ab.

Der Wertschöpfungsanteil der Schweizer Banken und Versicherungen an der Gesamtwirtschaft beläuft sich auf etwa 11 %. Rund 5,5 % aller Schweizer Arbeitnehmer sind im Finanzsektor beschäftigt. Im internationalen Vergleich bemerkenswert war, wie gut die Branche und ihre Mitarbeiter die letzte Krise überstanden haben. Die aktuellen Beschäftigungszahlen legen jedoch nahe, dass das Wettbewerbsumfeld in Europa auch auf den Finanzplatz Schweiz nicht ohne Einfluss bleibt.

Personalnachfrage in der Finanzbranche sinkt seit der Jahresmitte

Dramatisch ist dieser Trend zwar vorerst nicht, trotzdem weist er auf latente Wachstumsschwächen hin. Im dritten Quartal 2014 ist die Zahl der offenen Stellen bei Banken, Versicherungen und anderen Finanzdienstleistern nur noch um 4,3 % gewachsen. Im ersten Halbjahr 2014 hatte sich der Zuwachs – jeweils im Vergleich zum Vorjahr – dagegen noch auf 14,3 % belaufen. Der Finews-Job-Directory-Index – eine Erhebung des Finanzportals Finews.ch und der Stellenbörse Jobdirectory.ch – weist für Ende September 2014 insgesamt 4291 offene Stellen in der Branche aus – auf den ersten Blick ein Grund für Optimismus: Im Vergleich zum Jahresanfang bedeutet dieser Wert einen Anstieg von 19,2 %.

Neue Jobs – vor allem bei Credit Suisse und Migros-Bank

Stagnationstendenzen zeigen sich dagegen im Detail: Neue Jobs haben fast ausschliesslich die Credit Suisse sowie die Migros-Bank geschaffen. Die meisten anderen Institute haben die Zahl ihrer Stellenangebote zurückgefahren oder halten sie auf dem gleichen Niveau wie bisher auch. Die Credit Suisse baut derzeit ihre Vermögensverwaltungssparte aus und sucht dafür qualifizierte neue Mitarbeiter in den Bereichen Projektleitung und Kundenberatung. Die UBS hat ihre Stellenausschreibungen seit dem Jahresbeginn dagegen um 11 % reduziert. Die Ersteller des Finews-Job-Directory-Index kommentierten, dass die Schweizer Grossbank nach den Umstrukturierungen der Nach-Krisen-Jahre im Hinblick auf ihre Personalressourcen nun eine optimale Aufstellung erreicht habe.

Hohe Kosten für Risikomanagement und Erfüllung von Regulierungsvorgaben

Nach Credit Suisse und Migros-Bank suchten die Regional- und Retail-Banken sowie die Kantonalbanken am meisten Personal. Ihre Jobangebote beliefen sich auf 192 respektive 188 offene Stellen. Seit der Jahresmitte wird auch bei diesen Instituten ein – allerdings nur leichter – Abschwung sichtbar. Die Privat- und Auslandsbanken haben das Recruiting neuer Mitarbeiter ebenfalls zurückgefahren. Die Index-Ersteller sehen die Ursachen dafür allerdings nicht im direkten marktbezogenen Wettbewerb der Banken, sondern in den hohen Kosten für ihr Risikomanagement und für die Erfüllung der neuen Regulierungsvorschriften für Finanzdienstleister, bei denen sowohl nationale als auch internationale Anforderungen zum Tragen kommen.

 

Oberstes Bild: © Martin Good – Shutterstock.com


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