Die digitale Revolution: Fluch oder Segen für die Schweiz?

08.09.2014 |  Von  |  Neue Medien, Web
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Die digitale Revolution: Fluch oder Segen für die Schweiz?
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Den Beginn machte quasi die Neolithische Revolution, die den Übergang von dem bis dahin vorherrschenden Nomadentum zur Sesshaftigkeit der Menschen beinhaltet. Sie beschreibt das erstmalige Aufkommen von Viehzucht und Ackerbau als so bezeichnete Wirtschaftsweisen sowie von Vorratshaltung in der Jungsteinzeit. Im 18. und 19. Jahrhundert gestaltete die industrielle Revolution dann die sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse im Hinblick auf die expliziten Lebensumstände und Arbeitsbedingungen um, was allerdings mit dem Aufkommen sozialer Missstände einherging.

Nunmehr befindet sich die Menschheit und vor allem die Geschäftswelt inmitten der digitalen Revolution. Die stets neuen technologischen Errungenschaften sowie der Einsatz der entsprechenden digitalen Techniken respektive Technologien haben der Menschheit neben reichlich Segen durchaus auch den ein oder anderen Fluch beschert. Unübersehbar sind dabei die Auswirkungen der digitalen Revolution insbesondere auf den Arbeitsmarkt: Maschinen ersetzen diesbezüglich immer häufiger den Menschen bzw. die menschliche Arbeitskraft. Aber: Es wird auch immer mehr Potenzial geschaffen für neue Berufe.



Arbeitswelt im Wandel: Der Beruf des Kassierers ist quasi vom Aussterben bedroht

Auch in der Schweiz sind die Auswirkungen der digitalen Revolution deutlich zu sehen. Sassen früher an den Supermarktkassen ausnahmslos Kassierer und Kassiererinnen, die manuell die jeweiligen Produkte vom Transportband genommen haben und diese über den Scanner gezogen haben, so ist dieses klassische Bild nunmehr ein Auslaufmodell. Heute arbeiten viele Supermärkte in der Schweiz von Zürich über Bern bis nach Lausanne mit sogenannten Selbstzahl-Stationen, wobei der jeweilige Kunde den Scanner selbst bedienen und den Preis für die Ware anschliessend am Automaten zahlen kann. Statt des klassischen Kassierers ist hier lediglich ein Aufseher nötig, der bei Problemen oder Fragen der Kunden zur Verfügung steht.

Setzt sich diese „Arbeitswelt der Zukunft“ durch, wovon die Experten allgemein ausgehen, wird es den Job des Kassierers – langfristig betrachtet – nicht mehr all zu lange geben; er ist quasi vom Aussterben bedroht. Demgegenüber gewinnt das Berufsbild des Aufsehers bzw. des Supervisors immer mehr an Bedeutung. Dass die stetig voranschreitende Technik Arbeitsprozesse und -abläufe erleichtert und auch ganze Berufszweige überflüssig macht, zeitgleich aber auch neue Betätigungsfelder schafft, ist dabei wahrlich kein neues Phänomen. Szenarien dieser Art konnten sowohl schon während der neolithischen als auch innerhalb der industriellen Revolution beobachtet werden.

Zukunftsforscher aus Basel: 65 % der heutigen Arbeitsplätze sind ernsthaft gefährdet



Neu ist indes aber, mit welcher nahezu abstrusen Geschwindigkeit sich dieser Wandel im 21. Jahrhundert vollzieht. Zudem ist es immer wieder erstaunlich, wie komplex inzwischen die Themen- und Betätigungsfelder sind, die bereits jetzt schon und erst recht zukünftig von den Computern übernommen werden. Diesbezüglich prognostiziert der in Basel beheimatete Zukunftsforscher Gerd Leonhard, dass die Entwicklung dahin gehe, dass alleine in Europa rund 65 % aller heutigen Arbeitsplätze gefährdet seien. Dies liegt natürlich vornehmlich an den entstandenen technologischen Möglichkeiten. Schliesslich können Roboter, intelligente Software oder auch digitale Assistenten viele Aufgaben mit einer weitaus höheren Geschwindigkeit sowie einer ungleich höheren Präzision, als es einem Menschen möglich ist, ausführen.

Des Weiteren wird diese Veränderung der Arbeitswelt zusätzlich angetrieben durch den akuten Preiszerfall innerhalb des Technologie-Sektors sowie durch die immer rascher voranschreitende Weiterentwicklung in nahezu jeder Branche und jedem Segment. Dabei kommen insbesondere der Informationsverarbeitung sowie den intelligenten Systemen eine wachsende Bedeutung zu. Da diesbezüglich auch in der Schweiz der Wandel hin zur Informationsgesellschaft auch gleichzeitig die entsprechenden Anforderungen an die Beschäftigten quasi verifiziert hat, werden sich zukünftig die Stellenbeschreibungen weiter vom heutigen Muster entfernen. So seien die Hälfte der Tätigkeiten, die im Jahr 2030 benötigt würden, heute noch gar nicht erfunden, sagt Leonhard in diesem Zusammenhang voraus.





Datenschutz. (Bild: Nata-Lia / Shutterstock.com)

Datenschutz. (Bild: Nata-Lia / Shutterstock.com)




Verwalten der eigenen Daten: Privatsphäre-Manager als neuer Berufszweig möglich

Allerdings zeichnet sich in einigen Segmenten bereits jetzt schon die zukünftige berufliche Entwicklung und die damit einhergehende Bedeutung deutlich ab. Alleine die aktuelle Datenschutz-Diskussion lässt diesbezüglich erahnen, welchen Stellenwert in der Zukunft zum Beispiel gerade im Bereich Internet ein entsprechender Datenschutz für Unternehmen und auch für Privatpersonen einnehmen wird. Da diesbezüglich immer mehr Informationen aus dem beruflichen und privaten Umfeld eines Individuums online abrufbar sind, könnten schon bald Privatsphäre-Manager gefragt sein, die bei der Verwaltung und der Sicherung von Daten eigener Dateien assistieren. Auch für das Verwischen digitaler Spuren könnten sie die optimale Anlaufstelle darstellen.

In vielen Branchen sorgt die rasant zunehmende Digitalisierung aber bereits jetzt für steigende Umsätze – allerdings auch für reichlich Nachwuchssorgen. Gerade Beratungsunternehmen legen momentan eine erhöhte Nachfrage nach neuem Personal an den Tag. Gesucht werden diesbezüglich insbesondere Mitarbeiter, die über ein entsprechendes Technologie- und Strategie-Know-how im Hinblick auf neue und auch zukünftige Geschäftsmodelle verfügen. Laut expliziten Berichten konzentrieren sich einige Unternehmen dieser Art bei der Personalrekrutierung dabei aktuell vornehmlich auf die Schweiz, Deutschland und Österreich.



 

Oberstes Bild: © Linda Moon – Shutterstock.com


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