Nicht jeder Konflikt am Arbeitsplatz ist Mobbing

12.08.2014 |  Von  |  Allgemein, Organisation
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Nicht jeder Konflikt am Arbeitsplatz ist Mobbing
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Kaum ein Begriff wird in der Arbeitswelt so inflationär verwendet wie der des Mobbings, wenn es darum geht, Konflikte und Unstimmigkeiten am Arbeitsplatz zu bezeichnen. Doch dabei handelt es sich nicht automatisch um Mobbing, womit eine klare Abgrenzung und richtige Einschätzung der Situation notwendig ist.

Unstimmigkeiten sind nicht automatisch Mobbing



Wenn jemand über einen älteren Kollegen stichelt, wird dies oft als Mobbing bezeichnet, ist es in der Realität aber gar nicht. Ebenso kann die Aussage des Chefs, wonach ein derzeit kranker Mitarbeiter in eine andere Abteilung versetzt wird, ganz und gar eine normale Information für die übrigen Anwesenden sein und muss absolut gar nichts mit Mobbing zu tun haben. Dies sind nur zwei Beispiele, die aufzeigen sollen, dass ganz alltägliche Konflikten in der Arbeitswelt nicht automatisch mit dem viel schlimmeren Ausgrenzen in Zusammenhang gebracht werden dürfen.

Lautstarke Diskussionen, die der Ausdruck von Unstimmigkeiten sind und für Meinungsverschiedenheit innerhalb des Teams stehen, haben nichts mit Mobbing zu tun. Vielleicht ist man sich einfach in der Sache nicht einig und das schon aus Prinzip, weshalb man auch eher persönlich in der Argumentation wird. Zudem kommt dann noch eine unterschiedliche Funktion oder ein differierender Stand in der Hierarchie des Unternehmens, und schon ist der perfekte Konflikt zusammengekommen. Wer hier nicht lösungsorientiert und konstruktiv vorgeht, landet früher oder später im Dissens, der meist sehr schwer zu überbrücken ist.

Doch mit Mobbing haben diese Zusammenhänge trotzdem nichts zu tun, denn dieses Phänomen ist mehr als alle Konflikte zusammen. Den Unterschied macht das zielgerichtete und meist sehr absichtliche Vorgehen des Einzelnen. Wer jemanden mobbt, tut dies im vollen Bewusstsein, dass er dem anderen schadet und genau diese Absicht steht auch im Vordergrund des Handelns. Vielleicht werden ja wichtige Informationen vorenthalten oder man stellt den Betroffenen vor allen bloss. Dazu kommt dann eine gewisse Isolation des Opfers. Durch die sehr bewusste Handlung, dem Opfer zu schaden und es zu isolieren, unterscheidet sich Mobbing von einem normalen Konflikt am Arbeitsplatz.

Konflikte im Team sind zu begrüssen, Mobbing ist abzulehnen. (Bild: Dooder / Shutterstock.com)

Konflikte im Team sind zu begrüssen, Mobbing ist abzulehnen. (Bild: Dooder / Shutterstock.com)




Konflikte im Team sind zu begrüssen, Mobbing ist abzulehnen



Die Arbeitswelt und zunehmend auch die Öffentlichkeit ist sich darüber im Klaren, dass Mobbing am Arbeitsplatz absolut nicht zu tolerieren ist. Doch klar ist auch, dass es ganz ohne Konflikte nicht geht. Immer wieder treffen unterschiedliche Persönlichkeiten aufeinander, wobei jeder Mitarbeiter seine eigenen Interessen zu vertreten hat. Diese können entweder der nächste Schritt auf der Karriereleiter, mehr Gehalt oder ein neues Projekt sein. Wer sich die Mühe macht und das alles in einem Kontext ständiger Veränderung sieht, begreift auch, dass es Konflikte einfach geben muss.

Sie sind sogar ausgesprochen wichtig, um im gesamten Team immer wieder neue Lösungen oder Innovationen zu entwickeln, die natürlich langfristig dem Unternehmen zugute kommen. Nur wenn alle Fakten auf dem Tisch liegen und ohne gegenseitige Blossstellung auch gemachte Fehler zur Sprache kommen, kann ein tragfähiger Ansatz erarbeitet werden, der langfristig allen Beteiligten von Nutzen ist. Konflikte einfach mit Schweigen zu quittieren, schadet im Berufsleben auf lange Sicht gesehen.



Stellt sich aber die Frage, inwieweit man in der modernen Arbeitswelt und mit der ständigen Präsenz des Themas Mobbing nicht schon so sensibilisiert ist, dass man allzu schnell dazu neigt, den Begriff auch zu verwenden. Doch wer Mobbing schon einmal selbst zu spüren bekommen hat, wird mit diesem fast schon Modewort sehr sorgfältig umgehen. Ein sorgfältiger Umgang, der weit weg von inflationärer Verwendung angesetzt ist, wäre daher absolut wünschenswert und trägt nicht nur zum besseren Opferschutz bei, sondern bietet zudem die entsprechende Vorsicht.

Es ist unbestritten, dass Mobbing ein absolut schwieriges Thema ist, das zum einen nicht einfach im Umgang ist, aber zum anderen auch nicht tabuisiert werden darf. Vorgesetzte sind gefragt, ihr Team entsprechend im Auge zu haben, ob sich Vorzeichen von Mobbing erkennen lassen. Eine entsprechende Sensibilität seitens der Chefs ist absolut notwendig, denn Opfer leiden oft unter erheblichen gesundheitlichen Auswirkungen.

Wer in seinem Umfeld oder aber im Kollegenkreis jemanden als potenzielles Mobbingopfer erkennt und wahrnimmt, sollte in jedem Fall einschreiten. Denn nur wenige können sich aus dieser Falle selbst befreien, meist wird vom Betroffenen nicht einmal richtig erkannt, was hier in seinem Umfeld gerade mit ihm passiert. Deshalb ist es notwendig, Mobbingopfern zu helfen und ihnen den Weg aufzuzeigen, wie sie aus dieser Opferrolle am besten und schnellsten herausfinden. Doch dem einen oder anderen Konflikt am Arbeitsplatz sollte man sich auch in Zukunft getrost stellen.



 

Oberstes Bild: © Alliance – Shutterstock.com


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