Der nächste spektakuläre Fall von Preisabsprachen – Wurstkartell zu 338 Millionen Euro Bussgeld verdonnert

19.07.2014 |  Von  |  News

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Das kann Verbrauchern und Verbraucherschützern nicht Wurst sein: Deutsche Wursthersteller und auch die Tochter einer Schweizer Firma haben jahrelang Preise abgesprochen und die Käufer zur Kasse gebeten. Die jetzt verhängten Bussgelder von insgesamt 338 Millionen Euro gehören zu den höchsten Strafen in der Geschichte des Bundeskartellamtes.

Der „Atlantic Kreis“ umfasst 21 Hersteller – darunter bekannte Marken wie Meica, Böklunder, Rügenwalder, Herta und Wiesenhof – und 33 verantwortliche Manager. Die Bezeichnung geht zurück auf das Hamburger Hotel „Atlantic“, wo die ersten Treffen der Beteiligten stattfanden. Nach den Erkenntnissen der Wettbewerbsbehörde stimmten sich die Mitglieder des Kartells über die Preisspannen für bestimmte Produktgruppen ab – etwa Schinken oder Brühwürste – und setzten damit höhere Preise gegenüber den Einzelhändlern durch. Die jetzt verhängten Bussgelder machen deutlich, wieviele Unternehmen beteiligt waren, über welche Zeiträume die Absprachen erfolgten und wie hoch die Umsätze in der Branche waren. Die einzelnen Strafen betragen jeweils 10 Prozent des Umsatzes auf Konzernebene.



In einer Pressemeldung berichtet das Amt weiter über zahlreiche Unterlagen und Zeugenaussagen, die belegen, dass namhafte Hersteller ihre dunklen Geschäfte schon seit Jahrzehnten und mit schöner Regelmässigkeit betrieben haben. Auf die Spur des Kartells kam die Behörde durch einen anonymen Hinweisgeber. Im Laufe der Untersuchungen zeigten sich elf Unternehmen kooperationsbereit und legten am Ende auch Geständnisse ab.

In den Skandal ist auch die Bell Deutschland Holding GmbH verwickelt, eine Tochter des Schweizer Bell Konzerns. Und sie ist nicht nur ein kleiner Fisch, das zeigt sich deutlich an der Busse. Bell teilte von sich aus mit, dass die Strafe 100 Millionen Euro betrage und wies sämtliche Beschuldigungen entschieden zurück. Im gleichen Schreiben kündigte Bell an, gerichtlich gegen die Entscheidung vorgehen zu wollen.

Bei den Zahlen wird in dieser Grillsaison wohl noch so manchem Barbecue-Fan die Wurst im Halse stecken bleiben.



 

Oberstes Bild: © Gordito1869 – wikimedia.org

Über Ulrich Beck

hat Germanistik, Geschichte und Philosophie studiert und ist zusätzlich ausgebildeter Mediendesigner im Segment Druck. Er schreibt seit über 30 Jahren belletristische Texte und seit rund zwei Jahrzehnten für Auftraggeber aus den unterschiedlichsten Branchen.


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