Familienunternehmen: Besonders erfolgreich bei der Bindung ihrer Mitarbeiter

04.07.2014 |  Von  |  Organisation
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Familienunternehmen: Besonders erfolgreich bei der Bindung ihrer Mitarbeiter
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In der Schweiz machen Familienunternehmen – meist kleine oder mittlere Firmen – 88 % der Unternehmenslandschaft aus. Sie sind damit das Rückgrat der Schweizer Wirtschaft. Zum Vergleich: In der EU werden nur 60 % aller Unternehmen von ihren Inhabern geführt. Eine aktuelle Studie zeigt, dass sie auch heute eine Reihe von Wettbewerbsvorteilen geniessen. Besonders erfolgreich sind Familienunternehmen bei der Bindung ihrer Mitarbeiter.

Ganz ohne Risiken geht es allerdings auch in Familienunternehmen nicht. Auch sie bleiben von Anpassungen an den Markt und veränderten Wettbewerbsstrukturen nicht verschont. Probleme können sich vor allem aus der dominierenden Stellung des Firmenchefs, traditionellen Strukturen und einem patriarchalischen Führungsstil ergeben.



Langjährige Beschäftigungsverhältnisse, starke Mitarbeiterbindung

Für die Studie befragte das Beratungsunternehmen HPO aus Freienbach/Schwyz rund 300 in Führungspositionen tätige Mitarbeiter von Familienunternehmen und nicht familiengeführten Firmen. Die Researcher stellen unter anderem den überdurchschnittlich langen Verbleib der Mitarbeiter in Familienunternehmen heraus. 40 % der befragten Mitglieder der Firmenleitung und 49 % des mittleren Kaders arbeiteten zwischen 15 und 24 Jahre in „ihrem“ Unternehmen. An andere Firmen binden sich nur 17 respektive 25 % der Führungskräfte derart lange.

Auch die Bindung der Mitarbeiter untereinander ist in Familienunternehmen grösser: Drei Viertel der dort befragten Führungskräfte stimmten dieser These zu, in nicht familiengeführten Unternehmen waren es nur zwei Drittel. Die Mehrheit der Studienteilnehmer war der Meinung, dass sich der Charakter von Familienunternehmen durch eine gewisse Einheitlichkeit von Werten und Normen von anderen Firmen unterscheidet und dieser Unterschied für sie ein Wettbewerbsvorteil sein kann.

Langfristiges Herangehen an Probleme



Die intensive Mitarbeiterbindung reflektiert sowohl die Kontinuität der Unternehmen selbst als auch Aspekte ihrer Kultur, die in anderen Wirtschaftsbereichen tendenziell zurückgetreten sind: Die Mitarbeiter von Familienunternehmen fühlen sich angehört und ernst genommen – trotz der in aller Regel patriarchalischen Führung, bei der der Inhaber und Chef am Ende meist allein entscheidet.

HPO-Berater Lalive d´Epinay – in seinen Top-Management-Jahren unter anderem Präsident der SBB – geht davon aus, dass in Familienunternehmen das langfristige Herangehen an Probleme auch kurzfristige Schwierigkeiten besser löst, glaubt allerdings, dass letztlich die Zusammensetzung des Unternehmens wettbewerbsentscheidend ist. Um sich zu behaupten, reiche eine Überarbeitung von Prozessen nicht immer aus. Um produktiv und wettbewerbsfähig zu bleiben, sei oft auch ein kultureller Wandel nötig.

Latente Risiken – vor allem bei der Firmennachfolge und bei Auslandsexpansionen



Die stark personalisierten Verhältnisse sowie die Entscheidungsmacht und kulturprägende Rolle des Patrons können sich als Hindernisse im Wettbewerb erweisen: Die stark personenfokussierte Organisation der Firmen blockiert unter Umständen wichtige Veränderungen. 58 % der Befragten meinten, dass Familienunternehmen stärker „von oben nach unten“ geführt würden als andere Firmen; 29 % von ihnen fanden, dass spätestens bei der Firmennachfolge die gesamte Unternehmenskultur neu ausgerichtet werden müsse.

An dieser Stelle wird ein latentes Risiko offenbar – viele Patrone sperren sich, solange sie die die Firma führen, auch gegen längst überfällige Veränderungen. Probleme bekommen Familienunternehmen oft auch bei Auslandsexpansionen. Die Berater konstatieren, dass das Modell Schweiz in anderen Ländern nur selten funktioniere – Firmen, die aus traditionellen Strukturen kommen und deshalb ihre neuen Märkte nicht verstehen, würden beim Schritt über die Grenzen in vielen Fällen scheitern. 51 % der Studienteilnehmer äusserten sich dahin gehend, dass ein patriarchalischer Führungsstil die internationale Ausrichtung von Familienunternehmen hemmt.

Trotzdem bescheinigt d´Epinay auch patronal geführten Unternehmen gute Zukunftschancen, wenn sie in der Lage sind, sich neuen Anforderungen zu öffnen und Veränderungen auf den Weg zu bringen. Starke Führungspersönlichkeiten sind entscheidend für die Perspektiven einer Firma – Familienunternehmen sind prädestiniert dafür, dieses „Kapital“ zu nutzen.



 

Oberstes Bild: © racorn – Shutterstock.com


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