Familienunternehmen – Arbeit zwischen Vertrautheit und Zerbrechen

07.04.2014 |  Von  |  Organisation
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Familienunternehmen – Arbeit zwischen Vertrautheit und Zerbrechen
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Familienunternehmen haben auch in der Schweiz eine lange Tradition. Ihren Ursprung haben die kleinen bis mittleren Gewerbebetriebe in der häuslichen Landwirtschaft und im kleinen, spezialisierten Handwerk. Mittlerweile werden auch Beherbergungsbetriebe, Agenturen, Handelsbetriebe und viele andere Wirtschaftsbetriebe als Familienunternehmen gegründet, geführt und manchmal auch aufgegeben.

Das Arbeiten im Familienbetrieb stellt besondere Anforderungen an alle Beteiligten. Vom Chef über die mitarbeitenden Familienmitglieder bis hin zum letzten Angestellten fordert der Familienbetrieb eine grosse Nähe, die nicht nur Vertrautheit bietet, sondern oftmals auch zum Zerbrechen von Familie und Unternehmen führt.



Kraft und Ohnmacht der Struktur

Besonders die kleinen Familienbetriebe basieren auf den festen Verbindungen der betriebsführenden Partner. Die Vertrautheit mit den Stärken und Schwächen des jeweils Anderen verleiht solchen Unternehmen eine tiefe innere Kraft, die oftmals auch Krisenzeiten unbeschadet übersteht. Vorausgesetzt, alle Beteiligten wissen, worauf sie sich einlassen und arbeiten gemeinsam am eigenen Unternehmen.

Spätestens den Kindern, die aus einer solchen Verbindung hervorgehen bleibt die Wahl oftmals nicht mehr. Diese werden fast schon automatisch in den Familienbetrieb eingegliedert. Oftmals wollen die später erwachsenen Kinder gar nichts anderes machen, manchmal dürfen sie es aber auch nicht. Das familieneigene Unternehmen hat Vorrang.

Damit verbunden ist auch eine gewisse Ohnmacht, die sich besonders dann zeigt, wenn einzelne Familienmitglieder aus dem Konstrukt Familienbetrieb aussteigen. Grund dafür können Tod und Krankheit sein. Manchmal ist es aber auch eine Trennung, die sich nicht nur auf den Partner, sondern in vielen Fällen auch auf das Unternehmen bezieht. Dann gerät die Struktur in der scheinbar heilen Welt familiengeführter Unternehmen ins Wanken.



Berufliches muss von Privatem getrennt bleiben

Fragt man erfolgreiche Familienunternehmer nach ihrem Geheimnis, dann fallen die Antworten verhältnismässig gleichlautend aus. Hart arbeiten, immer im Takt der Zeit bleiben und Berufliches von Privatem trennen sind die Erfolgsrezepte. Dabei scheint vor allem Letzteres durchaus schwierig zu sein. Wie soll man das Unternehmen vom Familienleben trennen, wenn doch beides so eng miteinander verwoben ist?



Hier bedarf es klarer Regeln, an die sich auch jeder bedingungslos halten muss. So ist in vielen Familien mit eigenem Unternehmen grundsätzlich in der Wohnung Schluss mit dem Thema Arbeit und Unternehmen. Diese strikte Trennung erweist sich beim genaueren Blick als durchaus empfehlenswert, werden doch dadurch Freiräume für alle Familienmitglieder geschaffen, die für ein gesundes Familienleben unabdingbar sind.

Wer ständig quasi in der Arbeit lebt, wird die dort auftretenden Probleme auch auf dem Rücken der Familie austragen. Das kann auf Dauer weder für die Beziehung noch für die altersgerechte Entwicklung der Kinder gut sein. Im Allgemeinen ist es schon anstrengend genug, wenn sich die Familienmitglieder nicht nur im familiären Rahmen, sondern eben auch im Arbeitsbereich ständig begegnen und dort oftmals auch an den gleichen Inhalten arbeiten.

Günstiger ist es, wenn die Arbeit im Familienunternehmen in Aufgabenbereiche getrennt wird. (Bild: scusi / Fotolia.com)

Günstiger ist es, wenn die Arbeit im Familienunternehmen in Aufgabenbereiche getrennt wird. (Bild: scusi / Fotolia.com)

Strikte Aufgabenverteilung lohnt sich

Günstiger ist es, wenn die Arbeit im Familienunternehmen in Aufgabenbereiche getrennt wird, die sich zwar gegenseitig bedingen, aber nicht zwingend dazu führen, dass mehrere Familienmitglieder an der gleichen Sache arbeiten. Hier gilt es, Verantwortlichkeiten zu verteilen und dem jeweils Anderen auch das dafür notwendige Vertrauen uneingeschränkt entgegenzubringen.

Eine solche strikte Aufgabenverteilung lohnt sich auch deshalb, weil damit für jeden klar ist, was er im Unternehmen zu leisten und zu verantworten hat. Die gegenseitige Hilfe im Bedarfsfall ist damit nicht ausgeschlossen. Der hauptsächliche Vorteil einer solchen Aufgabentrennung besteht darin, dass keine Überschneidungen auftreten, da diese nicht selten zu Missverständnissen, teils mit wirtschaftlichen Folgen führen.

Wenn Kinder nicht mitspielen

Oftmals scheitern Familienbetriebe am fehlenden eigenen Nachwuchs. Die Kinder haben keine Lust an der Fortsetzung der Tradition und wollen eigene Wege gehen. Dieser Wunsch nach Eigenständigkeit hat Vorrang vor dem Familienbetrieb. Wer seine Kinder dazu zwingt, im eigenen Unternehmen zu arbeiten und dieses bedingungslos fortzuführen, der schafft sich seine Probleme selbst. Schliesslich sind die unwilligen Kinder letzten Endes unmotivierte Mitarbeiter, die dann oftmals auch noch in Leitungsfunktionen geschickt werden.

Dass daran dann nicht nur Familien, sondern auch Unternehmen zerbrechen, ist die logische Folge. Viele Heranwachsende und junge Erwachsene sind nicht einmal grundsätzlich gegen den elterlichen Betrieb eingestellt. Sie wollen nur eigene Wege ausprobieren, was ihnen dringlichst auch ermöglicht werden sollte. Viele dieser Kinder kehren dann später in den Familienbetrieb zurück. Dann sind sie gereift, haben wertvolle Erfahrungen gesammelt, die sie dann auch nutzbringend in das Unternehmen mit einbringen können.



Diese Sichtweise setzt sich allmählich stärker durch, auch wenn dadurch so manchem Familienbetrieb der eigene Nachwuchs verloren geht. Hier gilt es nicht selten, das Unternehmen lieber in andere Hände zu geben, als den Kindern einen eigenständigen Entwicklungsweg zu verbauen.

Auch Familienunternehmer sind nur Menschen

Jeder Mensch hat seine persönlichen Belastungsgrenzen. Das gilt auch für die Inhaber familiengeführter Unternehmen. Wer hier eine ständige Bereitschaft zum Betriebserfolg erwartet, der irrt. Auch der Unternehmer im Familienbetrieb ist nur ein Mensch und braucht gewisse Auszeiten. Diese lassen sich nur in einer gewissen Vertrautheit wirklich geniessen.

Geht das dem Familienunternehmen tief innewohnende Vertrauen auf die Leistungskraft verloren, dann zerbricht über kurz oder lang das gesamte Konstrukt. Geben und Nehmen hat im Familienbetrieb eine viel grössere Bedeutung als in anonymen Unternehmen. Der Inhaber eines Familienunternehmens wird oftmals als Mädchen für alles wahrgenommen, ist letztlich aber auch nur ein Mensch mit persönlichen Grenzen auch im Bezug auf die Leistungsfähigkeit.

Das müssen auch die Angestellten im Familienbetrieb verstehen. Vor allem dann, wenn sie nicht zur Familie gehören.



 

Oberstes Bild: contrastwerkstatt – Fotolia.com

Über Olaf Hoffmann

Olaf Hoffmann ist der kreative und führende Kopf hinter dem Unternehmen Geradeaus...die Berater.
Neben der Beratertätigkeit für kleine und mittlere Unternehmen und Privatpersonen in Veränderungssituationen ist Olaf Hoffmann aktiv in der Fort- und Weiterbildung im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe.
Als Autor für zahlreiche Blogs und Webauftritte brilliert er mit einer oftmals bestechenden Klarheit oder einer verspielt ironisch bis sarkastischen Ader. Ob Sachtext, Blogbeitrag oder beschreibender Inhalt - die Arbeiten des Autors Olaf Hoffmann bereichern seit 2008 in vielfältigen Formen das deutschsprachige Internet.


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