Brainstorming – Unsinn oder kreative Idee?

28.06.2014 |  Von  |  Kommunikation, Organisation

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Brainstorming – Unsinn oder kreative Idee?
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Der Begriff des Brainstormings ist den meisten hinlänglich bekannt, denn er kommt sowohl in Chefetagen als auch in Konstruktionsbüros und manchmal sogar in Kriminalromanen vor. Manchmal entsteht der Eindruck, dass bereits das Wort selbst Kreativität ausstrahle und so manches Problem kleiner werden lasse. Auch wenn die Bezeichnung neu klingt, ist sie in Wahrheit durchaus antiquiert.

Übersetzt man Brainstorming ins Deutsche, so kommt man zu dem Wort “Gehirnstürmung”, was etwas verrückt klingt. Darunter wird im Prinzip einfach eine Technik zur kreativen Ideenfindung verstanden, wobei auch Problemlösung durch Gruppenarbeit damit gemeint sein kann. Entwickelt hat diese Methode der US-Werbefachmann Alex F. Osborn in den 1930er-Jahren. Ziel ist es, aus gewohnten Denkweisen und -mustern auszubrechen und komplett neue Wege einzuschlagen.



Bestimmte Elemente sind dazu notwendig, wie etwa das Fehlen jeglicher Kritik oder Bewertung der geäusserten Ideen. Vielmehr kommt es darauf an, dass alle Teilnehmer ihre Ideen und Gedankensprünge komplett frei äussern können. Da Angst vor negativen Reaktionen unterbunden wird, besteht die Gelegenheit zur kompletten Entfaltung der Kreativität.

Sinnvolle Durchführung ist wichtig

Grundsätzlich kann Brainstorming überall da angewendet werden, wo es ein klar definiertes und abgegrenztes Thema gibt. Dies kann im unternehmerischen Alltag genauso sein wie etwa in einem Verein oder beim geplanten Kauf der neuen Küche. Doch damit Brainstorming auch tatsächlich erfolgreich ist und die gewünschten Ideen oder Problemlösungen gefunden werden, braucht es mehr als nur den theoretischen Ansatz.

Neben einer deutlichen Definition des Themas gehört auch eine sorgfältige Auswahl der Teilnehmer dazu, um Brainstorming zum Gelingen zu verhelfen. Insgesamt sollten nicht mehr als fünf bis zehn Personen daran teilnehmen. Im betrieblichen Bereich sollte dabei darauf geachtet werden, dass zwischen den Teilnehmern keine persönlichen Spannungen oder allzu wesentliche Hierarchieunterschiede gegeben sind. Nur so sind auch tatsächliche Angstfreiheit und ein kreatives Gesprächsklima möglich.



Auch der Zeitfaktor spielt eine Rolle, denn Brainstorming ist vor allem dann erfolgreich, wenn es nicht länger als 15 oder 30 Minuten dauert. Doch für diesen Zeitraum gilt die Devise: Quantität vor Qualität, denn es sind alle Ideen erwünscht, ob auf den ersten Blick verrückt oder ausgefallen oder aber auch zielführend. Ein im Vorfeld bestimmter Gesprächsleiter sollte immer darauf achten, dass tatsächlich keine Bewertungen der geäusserten Gedanken erfolgen, und im Idealfall alle Ideen gut sichtbar für alle notieren.



Die Auswertung des Brainstormings sollte erst einige Tage später erfolgen. Denn so besteht die Möglichkeit, dass sich auf Basis bereits geäusserter Vorschläge neue Gedanken zum Thema ergeben. Während des Prozesses der Sichtung aller Ideen werden anschliessend die Realisierbarkeit sowie das Potenzial zur Problemlösung überdacht und eingeschätzt.

Imaginäres Brainstorming und Brainwriting als Sonderoption. (Bild: Mopic / Shutterstock.com)

Imaginäres Brainstorming und Brainwriting als Sonderoption. (Bild: Mopic / Shutterstock.com)




Imaginäres Brainstorming und Brainwriting als Sonderoption

Beim sogenannten imaginären Brainstorming erfolgt zunächst zwar eine Benennung des Problems, doch dieses wird anschliessend verfremdet. Genau für diese imaginäre Fragestellung muss die Gruppe nun im Team eine Lösung erarbeiten, die in letzter Konsequenz auf das reale Problem übertragen wird. Der Grundgedanke dabei ist, dass sich die Teilnehmer gedanklich von der eigentlichen Fragestellung lösen und so noch freier und kreativer nachdenken. Je ausgefallener die Ideen sind, die geäussert werden, desto mehr Denkanstösse werden geliefert, die vielleicht damit über kurz oder lang zum gewünschten Ergebnis beitragen.

Auch das sogenannte Brainwriting ist eine Sonderform, welche die Kreativität fördern sollte, möchte jedoch sowohl Zeitaufwand als auch weitere Schwächen der Ur-Methode verringern. Zu den beliebtesten Optionen dabei zählt die 635-Methode, die Ende der 1960er-Jahre von Prof. Bernd Rohrbach entwickelt wurde. Sie basiert auf der Vorgangsweise, dass sechs Teilnehmer auf entsprechenden Zetteln jeweils drei Ideen innerhalb von fünf Minuten notieren. Anschliessend werden die Notizen weitergereicht und die nächste Runde der Ideenfindung beginnt.

Idealerweise sind mit dieser Methode in 30 Minuten insgesamt 108 Lösungsvorschläge oder Denkansätze entstanden. Der Vorteil liegt in der gleichmässigen Forderung der Teilnehmer, wobei auch schwächere Teammitglieder oder schüchterne Personen einbezogen werden, sowie der Zeitersparnis.

Auch die Galeriemethode zählt zum Brainwriting, ist allerdings etwas zeitaufwendiger als die 635-Methode. Ausgehend von Teilnehmern, die ihre Ideen notieren, werden diese anschliessend nicht weitergereicht, sondern auf Schautafeln befestigt. Nun können die Gruppenmitglieder an diesen Tafeln vorbeischlendern wie entlang einer Galerie – deshalb auch der Name – und sich neue Anregungen holen. Während die anderen Methoden des Brainwritings oder Brainstormings wie erwähnt für sämtliche Bereiche der Ideenfindung geeignet sind, lässt sich mit der Galeriemethode im Bereich der Werbung, Grafik-Anwendungen oder in Sachen technischer Konstruktion ein Mehrwert an Kreativität erreichen.



 

Oberstes Bild: © Syda Productions – Shutterstock.com


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