Die richtige Reaktion auf einen Trauerfall

13.04.2014 |  Von  |  Allgemein
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Die richtige Reaktion auf einen Trauerfall
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Ein Todesfall im engeren oder weiteren Umfeld von Kollegen, Mitarbeitern, Kunden und Geschäftspartnern gehört zu den schwierigsten Situationen im täglichen Umgang – im Berufs- genauso wie im privaten Leben. Deshalb sind hier eine besondere Sensibilität und strikte Diskretion gefragt.

Sie sollten sich allerdings auf keinen Fall scheuen, Ihr Mitgefühl zum Ausdruck zu bringen. Selbst, wenn Sie unsicher sind, ob die Form am Ende perfekt ist: Schweigen könnte in einem Trauerfall sehr viel mehr Vertrauen zerstören.



Zuvor sollten sie aber abwarten, ob die oder der Trauernde von sich aus über die Angelegenheit spricht, damit Sie die Wirkung Ihrer Reaktion besser abschätzen können. Die Entscheidung liegt ganz allein bei der oder dem Betroffenen. Wenn das Verhältnis vertrauensvoll genug ist, wird das Thema bestimmt nicht unter den Tisch fallen, schon gar nicht bei Menschen, die täglich zusammenarbeiten. Auf keinen Fall sollten Sie aber den Trauerfall öffentlich ansprechen, etwa in einer Konferenz oder einem Meeting. Ist das Verhältnis distanzierter, bietet es sich an, eine Trauerbotschaft per Karte oder Brief zu verfassen.

Vermeiden Sie eine unpersönliche Form

Achten Sie zuerst auf die äussere Form! Verzichten Sie auf übliches Geschäftspapier mit Logo  und Bankverbindungen und auch auf Standard-Trauerkarten. Absolut tabu sind Kondolenzen per E-Mail oder Telefax. Schliesslich geht es hier nicht um einen geschäftlichen Vorgang. Benutzen Sie lieber ein schlichtes, weisses Papier oder einen Briefbogen, der nur die Anschrift Ihres Unternehmens enthält.

Der Umschlag sollte ebenfalls weiss und schlicht sein und keinesfalls einen schwarzen Trauerrand aufweisen – dieser befindet sich nur auf Briefhüllen, mit denen Traueranzeigen von Angehörigen verschickt werden. Verzichten Sie auch auf eine Frankierung per Stempelmaschine Ihres Unternehmens, sondern kleben Sie eine Briefmarke auf.



Schreiben Sie den Kondolenzbrief mit der Hand, nicht mit Computer und Drucker. Auch die Farbe der Tinte ist zu beachten – ausser Schwarz oder allenfalls Blau geht nichts. Darüber hinaus sollten Sie mit dem Abfassen nicht zu lange warten, sondern möglichst zeitnah reagieren, um die Gefühle des Empfängers nicht zu verletzen.

Gerade in den ersten Tagen nach einem Todesfall brauchen Angehörige besonders viel Trost und Beistand. Darüber hinaus könnte eine allzu lange Wartezeit Wunden wieder aufreissen, die schon etwas verheilt waren. Wenn Sie sich an die Formulierung des Schreibens setzen, bedenken Sie den Ursprung des Wortes „kondolieren“: Es stammt aus dem Lateinischen und bedeutet „mit jemandem mitfühlen“, „Beileid bezeugen“.

Zeigen Sie individuelles Mitgefühl. (Bild: Pressmaster / Shutterstock.com)

Zeigen Sie individuelles Mitgefühl. (Bild: Pressmaster / Shutterstock.com)

Zeigen Sie individuelles Mitgefühl



Ihr Text sollte auch inhaltlich eine „persönliche Handschrift“ tragen. Drücken Sie Ihre Betroffenheit und Anteilnahme aus, würdigen Sie die Verstorbene oder den Verstorbenen. Falls Sie eine engere Beziehung zu dem oder den Angehörigen hatten, dürfen Sie auch auf gemeinsame Erlebnisse aus der Vergangenheit eingehen und Ihre Unterstützung anbieten. Ein passendes und sorgfältig ausgewähltes Zitat, das sich auf die Person bezieht, kann ebenfalls angebracht sein. Es zeigt, dass Sie sich beim Schreiben wirklich Gedanken gemacht haben.

Ganz wichtig ist, dass Sie sich natürlich ausdrücken und weder abgedroschene Floskeln verwenden noch in eine übertriebene, schwülstige Sprache verfallen. Bedenken Sie, welches Verhältnis Sie zu der oder dem Verstorbenen bzw. den Hinterbliebenen haben. Wenn die Bekanntschaft nur flüchtig war und Sie eine Aussage wie „in besonderer Anteilnahme“ o.ä. als übertrieben und unpassend verwenden, sollten Sie schlicht und einfach darauf verzichten. Stattdessen unterschreiben Sie einfach nur mit Ihrem vollen Namen – und auf jeden Fall ohne Titel oder Ihre Positionsbezeichnung im Unternehmen.



Verzichten Sie unbedingt auf Übertreibungen und falsches Lob! Sie können hervorzuhebende Charaktereigenschaften der oder des Verstorbenen natürlich ansprechen und betonen, aber dies sollte sachlich und würdevoll geschehen. Zeigen Sie jedoch ruhigen Gewissens Ihre Wertschätzung für die Persönlichkeit, die Leistungen und Verdienste. Falls Ihnen der Verstorbene sehr nahe gestanden hat, achten sie darauf, dass Sie nicht zuviel eigenen Schmerz in Ihr Schreiben einfliessen lassen. Der Hinterbliebene braucht Trost, keine Verstärkung seines eigenen Schmerzes über den Verlust.

Bedenken Sie bei der Abfassung Ihres Texts die Todesursache. Ein Beileidsbrief, der beispielsweise an die ältere Witwe eines langjährigen Angestellten Ihres Unternehmens geht, muss in einem anderen Ton geschrieben sein als eine Kondolenz an einen Mitarbeiter, der jemanden nach einem unvorhergesehenen Unfall verloren hat.

Lassen Sie Ihren Brief von einer oder mehreren Personen Korrektur lesen. Eine unkorrekte Anrede der Hinterbliebenen, Stilbrüche sowie Rechtschreibfehler können zu sehr peinlichen Reaktionen führen.

Teilnahme an der Bestattung

War der Verstorbene ein Mitarbeiter, ist es in Unternehmen üblich, dass Vertreter der Firma an der Beerdigung teilnehmen, dass eine Kranzspende erfolgt und eine Anzeige veröffentlicht wird. Bei Angehörigen von Mitarbeitern sieht die Sache anders aus, hierfür gibt es keine allgemeinen Regeln. Wenn Sie Zweifel haben, sollten Sie den Betroffenen offen, ehrlich und direkt fragen. In vielen Fällen ist die Bestattung für die Trauernden in erster Linie eine familiäre Angelegenheit. Andererseits schafft die Anwesenheit ein positives Vertrauensverhältnis.

Bevor Sie einen Kranz niederlegen, sollten Sie sich erkundigen, ob dies gewünscht ist. Denn wenn die Angehörigen stattdessen um eine Geldspende für eine soziale Institution gebeten haben, wäre ein Kranz nicht nur peinlich, sondern würde auch zeigen, dass Ihre Anteilnahme oberflächlich ist.



 

Oberstes Bild: © Nando Machado – Shutterstock.com

Über Ulrich Beck

hat Germanistik, Geschichte und Philosophie studiert und ist zusätzlich ausgebildeter Mediendesigner im Segment Druck. Er schreibt seit über 30 Jahren belletristische Texte und seit rund zwei Jahrzehnten für Auftraggeber aus den unterschiedlichsten Branchen.



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