Schulpatenschaften – mehr als Sponsoring

10.04.2014 |  Von  |  Finanzen, Werbung
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Schulpatenschaften – mehr als Sponsoring
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Für Unternehmen ist der Schritt mit dem Marketing in den Bereich öffentlicher Einrichtungen nicht ganz einfach. Viele Verantwortliche wollen keine Unternehmenswerbung in diesen Einrichtungen und halten sich dabei äusserst zurück. Die Form des Schul-Sponsorings eröffnet dabei interessante Möglichkeiten, die weit über eine plumpe Werbung hinausgehen.

Hier bietet die Verbindung von Sponsoring und echten Patenschaften praktische Synergien, die sowohl für die Schulen als auch für die Unternehmen einen echten Zugewinn bringen können. Modelle der sogenannten Patenbetriebe in der ehemaligen DDR machen interessante Einblicke in die Möglichkeiten der Schulpatenschaften auf. Ein Blick hinter die Fassaden lohnt sich allemal.



Sponsoring mit Patenschaft verbinden

Gern präsentieren sich Unternehmen dort, wo ihre derzeitigen und potentiell künftigen Kunden sind. Da ist der Schritt in die Schulen verlockend, sollte aber gut überlegt sein. Wer will schon ein MC-Donalds Werbeposter im Klassenraum, was bringt eine Pharma-Werbung im Schulflur? Die Haltungen sind umstritten. Fest steht jedoch, dass das Sponsoring den Unternehmen Werbebühnen schafft und den Schulen den einen oder anderen Franken oder wertvolle Sachausstattungen bringt.

Richtig sinnvoll wird das Sponsoring aber erst dann, wenn daraus eine Patenschaft entsteht. Dann profitieren die Schulen von geldwerten Vorteilen, die Unternehmen erhalten eine gezielte Werbeplattform und können in den Patenschulen auch das Recruiting ihrer künftigen Auszubildenden vorantreiben.

Wie war das in der alten DDR?



Nicht alles, was mit dem diktatorischen System des östlichen deutschen Staates unterging war schlecht. Das wissen mittlerweile alle, die sich etwas gründlicher mit dem Leben im Osten Deutschlands beschäftigt haben. Da gab es in den staatlichen Schulen beispielsweise das System der Patenbetriebe. Für jede Klasse der Schule hat ein Kollektiv aus dem Patenbetrieb die Patenschaft übernommen. Regelmässig trafen sich die Mitglieder der sogenannten Patenbrigade mit den Schülern ihrer Patenklasse.

Es gab gemeinsame Ausflüge und auch der Schritt der Schüler direkt in das Unternehmen war Teil dieser Begegnungen. Dazu stellten die Patenbetriebe ein Kontingent von Praktikumsplätzen für ihre Patenschule. So entstand schnell eine feste Verbindung von Schule und regionalem Unternehmen mit positiver Auswirkung auf beiden Seiten. Dabei blieb damals die Werbung draussen, was aber den Sinn des Systems nicht schmälerte.

Was bringt die Schulpatenschaft dem Unternehmen?



Sicherlich kostet eine Schulpatenschaft irgendwie Geld. Ob es nun Sachzuwendungen sind oder spezielle finanzielle Förderungen für ausgewählte Schulprojekte, ob es investierte Zeit ist, Schulpatenschaften funktionieren nicht ohne einen gewissen Einsatz an Mitteln. Wenn sie gut gemacht sind, bringen solche Schulpatenschaften aber auch nachhaltige Effekte. Diese sind in drei Bereichen zu finden:

  1. Engere Verbindung von Unternehmen und sozialem Umfeld
  2. Einblicke und Wirkungen in die schulische Ausbildung
  3. Vorteile im Recruiting von künftig Auszubildenden

Die engere Verbindung des Unternehmens mit einer ausgewählten Schule im Einzugsgebiet schafft den Einstieg in das soziale Umfeld des Unternehmens. Schüler werden hier genauso erreicht, wie Lehrer und Eltern. Gerade dann, wenn die Besuche der Beschäftigten und Schüler untereinander regelmässig und zielorientiert gestaltet werden, bekommen Unternehmensmitarbeiter einen direkten Einblick in die schulische Bildung ihres Nachwuchses, die Schüler selbst können sich schon frühzeitig mit den Realitäten des Berufslebens vertraut machen. Damit gewinnen beide Seiten an der engeren Verknüpfung von Schule und Arbeitswelt.





Für die Unternehmen bedeutet die Schulpatenschaft auch einen tieferen Einblick in die schulische Ausbildung. (Bild: beeboys / Shutterstock.com)

Für die Unternehmen bedeutet die Schulpatenschaft auch einen tieferen Einblick in die schulische Ausbildung. (Bild: beeboys / Shutterstock.com)

Für die Unternehmen bedeutet die Schulpatenschaft auch einen tieferen Einblick in die schulische Ausbildung. Darauf aufbauend können Unternehmen ihre eigene Ausbildung enger an das System der Schulbildung anknüpfen. Ausserdem besteht oftmals die Möglichkeit, direkt auf schulische Inhalte zu wirken. Beispielsweise können Textaufgaben im Mathematikunterricht mit der konkreten Situation im Unternehmen verbunden werden, Praktikumsplätze können bevorzugt für Schüler der Patenschule bereitgestellt werden und im Sachunterricht kann immer wieder Bezug auf ganz konkrete unternehmerische Aspekte genommen werden. Das macht Schule lebensnahe und fördert die Verbindung von theoretischer Unterweisung und praktischer Übung.

Die Wirkungen auf das Recruiting künftiger Auszubildender sind immens. Durch die Schulpatenschaft gewinnen die Schüler einen spezialisierten Einblick in ein konkretes Unternehmen aus der Region. So können sie schon sehr zeitig prüfen, ob vakante Lehrstellen und Arbeitsplätze in diesem Unternehmen vielleicht punktgenau auf die eigene Interessenlage passen. Entscheidungen für Ausbildungsberufe können einfacher und schneller getroffen werden, was vor allem den Ausbildungsbetrieben zugute kommt. Das händeringende Suchen nach geeigneten Auszubildenden kann direkt in die Patenschule verlegt werden, mit deutlich besseren Aussichten auf Erfolg.

So lohnt sich eine Schulpatenschaft nicht nur für das Unternehmen, sondern auch für die Schule selbst. Diese kann sich nämlich schon in der Ausgestaltung einzelner Inhalte des Unterrichts speziell an den tatsächlichen Erfordernissen von Unternehmen ausrichten. Für die Schüler bedeutet das mehr Praxisnähe, für die Lehrer letztlich eine konkretere Vermittlung von Inhalten.

Damit gehen Schulpatenschaften weit über das hinaus, was ein einfaches Sponsoring leisten kann. Sicherlich kann, darf und soll sich das Unternehmen in der Schule auch sichtbar präsentieren, sofern Inhalte und Form der Eigenpräsentation den Rahmen der staatlichen Schule nicht sprengen. Geeignet sind Schulpatenschaften insbesondere für produzierende Betriebe aber auch für Universitäten oder grosse Dienstleistungsunternehmen. Bei kleineren Firmen ohne eigene Ausbildung verpuffen viele wünschenswerte Effekte der Schulpatenschaften wegen des nur eingeschränkten Praxisbezuges.

Für Schulen und Unternehmen lohnt es sich jedoch allemal, gezielt über Patenschaften nachzudenken und entsprechende Kontakte anzubahnen. Auch hier gilt: Versuch macht klug!



 

Oberstes Bild: © Alliance – Shutterstock.com

Über Olaf Hoffmann

Olaf Hoffmann ist der kreative und führende Kopf hinter dem Unternehmen Geradeaus...die Berater.
Neben der Beratertätigkeit für kleine und mittlere Unternehmen und Privatpersonen in Veränderungssituationen ist Olaf Hoffmann aktiv in der Fort- und Weiterbildung im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe.
Als Autor für zahlreiche Blogs und Webauftritte brilliert er mit einer oftmals bestechenden Klarheit oder einer verspielt ironisch bis sarkastischen Ader. Ob Sachtext, Blogbeitrag oder beschreibender Inhalt - die Arbeiten des Autors Olaf Hoffmann bereichern seit 2008 in vielfältigen Formen das deutschsprachige Internet.


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