Der „Seven-Dollar-PC“ vom Erfinder des USB-Sticks: Computer-Power ohne Ballast

13.03.2014 |  Von  |  Web
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Der „Seven-Dollar-PC“ vom Erfinder des USB-Sticks: Computer-Power ohne Ballast
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Da sitzt ein Business Manager im Flieger nach New York. Die Zeit nutzt er zur Bearbeitung seines Vortrages, mit dem er bei seiner Ankunft am Zielort vor geladenen Gästen glänzen will. Beim Landeanflug schliesst er seinen Laptop, doch er verschliesst ihn nicht fachgerecht, und der Akkumulator entlädt sich. Keine Chance, den Laptop zu Beginn der Präsentation zu einem Lebenszeichen zu bewegen.

Ein Anwesender bietet ihm seinen eigenen Laptop an, doch die ausgefeilte Präsentation mit allen Fakten und Grafiken steckt unerreichbar im defekten Gerät fest. Der Manager machte eine schlechte Figur an jenem Abend, aber in ihm war ein Plan gereift. Er wollte für alle Zukunft seine Präsentationen an einem sicheren Ort lagern, um auf jedem vor Ort greifbaren Computer lauffähig zu sein.



Der Mann heisst Dov Moran und er verbringt täglich viel Zeit in seinem schmucklosen Büro in einer Kleinstadt östlich von Tel Aviv. Es ginge unzweifelhaft ein paar Nummern grösser mit Büro und Interieur, denn das Hauptprodukt seiner 1989 gegründeten Firma M-Systems (M für Moran) wurde weltweit millionenfach gekauft. Diesen Erfolg verdankte er einer einzigen Produktidee.

Den gedanklichen Ansatz für die Lösung dieser Aufgabe fand er in Form des USB-Anschlusses, wie er an jedem PC und Laptop vorhanden ist, um Mäuse, Web-Kamera und andere Peripherie anzudocken. Moran entwickelte einen mobilen Speicher mit integriertem USB-Anschluss. Seine fertige Entwicklung ist heute weltweit als „USB-Stick“ bekannt und in Speicher-Volumina von 1 Gigabyte (GB) bis 128 GB erhältlich.

Als er das Unternehmen im Jahr 2006 an die auf Speichermedien spezialisierte SanDisk Corporation verkaufte, repräsentierte seine Firma einen Wert von 1,6 Mrd. US-Dollar. Es gibt Menschen, die sich nach einer solchen Erfolgsgeschichte geräuschlos ins Privatleben zurück ziehen. Wahren Tüftlern wird dies wohl eher nicht beschieden sein. Moran zog sich erneut in sein kleines Büro zurück und knüpfte sich sein nächstes Projekt vor. Dabei kam er von seiner ersten Produktentwicklung nicht los. Er nutzte sie vielmehr als Basis für seine Neuentwicklung.

Das jüngste Baby hat inzwischen das Licht der Welt erblickt und spielt in einem Entwicklungshilfe-Projekt für Kenia eine Rolle. Das neue Produkt trägt den Namen „Keepod“, und es ist mit einem USB-Stick – sozusagen als Lebensnerv – ausgestattet. Im Kern ist der kleine, längliche Stick ein USB-Stick wie bereits die erste Erfindung. Doch ein neu hinzu gepacktes, sicheres „Linux“-Betriebssystem bildet das On-Top-Feature. Nach Aussage des Erfinders ist „Keepod“ ein USB-Stick, der aus jedem Computer mit USB-Anschluss einen individuellen PC oder Laptop macht.





USB-Anschluss-BlueSkyImage-shutterstock.com

Nach Aussage des Erfinders ist „Keepod“ ein USB-Stick, der aus jedem Computer mit USB-Anschluss einen individuellen PC oder Laptop macht. (Bild: BlueSkyImage / shutterstock.com)




Was passiert, wenn der Kleine den PC-Oldie wiederbelebt?

Was passiert hier wie und welche Business-Modelle lassen sich aus einer solchen Entwicklung ableiten? Da sich der kleine PC-Zauberstab mit USB auf jeden vorhandenen PC mit freiem USB-Stecker aufpfropft, nutzt der Kleine den an einem beliebigen Ort vorgefundenen PC als „Wirt“. Vom Wirt nimmt er, was er braucht. Das ist:

* PC Stromanschluss, von dem er über die USB-Schnittstelle auch seinen Betriebs-Strom bezieht;

* die komplette Computer Infrastruktur, inklusive



  • Hochfahren
  • Computerchip
  • Cache
  • RAM
  • Bildschirm-Darstellung
  • Routinen
  • Anwendungsprogramme
  • Herunterfahren und Ausschalten.

Da der „Keepod“ sein eigenes Betriebssystem plus Speicherkapazität „an Bord“ mit sich herumträgt, schaltet sich dieses bei der Verbindung mit dem PC-Wirt ein und übernimmt alle lebenswichtigen Steueraufgaben mit dem Ziel, den kleinen Stick-PC als autonomen Computer mit Speicher zu betreiben und eigenständige Aufgaben durchzuführen.

Wer ersinnt Business-Modelle für den „Kleinen“?

Mit diesen Potenzialen ist der Winzling zweifelsohne bestens dazu geeignet, die allerorten existierenden Alt-PCs zu reaktivieren und vor der Verschrottung zu bewahren. Eine aktuelle Erhebung vom März 2014 aus Deutschland berichtet, dass die Deutschen in ihrer heimischen Umgebung rund 22 Millionen ausrangierte Computer horten.

Setzt man die Einwohnerzahl von 80 Millionen Deutschen mit der Bevölkerung der Schweiz in Relation, so würden auch die Eidgenossen auf rund 2 Millionen „PC-Schätzchen“ sitzen. Sofern diese über einen USB-Anschluss verfügen, lassen sich die Oldies mit Hilfe des Keepod unter Linux wieder reaktivieren und einer Nutzung zuführen. In manchem Fall ist dies sicherlich eine Alternative zum Ausschlachten oder Receycling.

Nicht jeder, der über einen ausrangierten PC verfügt, hat Bedarf an einer Reaktivierung für den eigenen Bedarf. Vor diesem Hintergrund wurde ein Projekt gestartet, das in der Region Nairobi im afrikanischen Staat Kenia Fahrt aufnimmt. Es ging unter dem Arbeitstitel „Unite Grassroots“ an den Start und erreichte Mitte Februar 2014 das Ende seiner ersten Stufe. Die Idee: Die Stick-Herstellungskosten betragen 7 US-Dollar.

Spender, die eine Unterstützungspaket zum Preis von umgerechnet 91 SFr ordern, erhalten zum einen ihren eigenen Keepod zur persönlichen Nutzung und erbringen mit fünf fürs Kenia-Projekt zweckgebundenen Keepods einen Entwicklungshilfe-Beitrag. Mit Hilfe der Sticks sollen ausrangierte PCs für afrikanische Familien zur Hebung des Bildungsniveaus beitragen.

Für rund 37 SFr ist der Stick auch ohne Afrika-Ambitionen erhältlich. Wo immer der Besitzer auf Reisen auf einen öffentlichen PC trifft – Airport, Bahnhof, öffentliche Gebäude – kann er mit seinem Keepod andocken und produktiv arbeiten. Alle erzeugten Daten nimmt er selbstverständlich mit, denn es sind ja seine Daten, die er auf seinem USB-Stick auf Reisen oder nach Hause mit nimmt. 



 

Oberstes Bild: © LU HUANFENG – shutterstock.com


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