Snapchat lässt Facebook abblitzen: Was Startups von Spiegel und Murphy lernen können

09.01.2014 |  Von  |  Selbstmanagement, Web
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Snapchat lässt Facebook abblitzen: Was Startups von Spiegel und Murphy lernen können
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David gegen Goliath: Drei Milliarden US-Dollar hat Mark Zuckerberg für Snapchat geboten. Doch Evan Spiegel und Bobby Murphy lehnten ab. Die Snapchat-Gründer haben offensichtlich grosse Pläne für ihr Unternehmen. Und Rückgrat. 

Die überraschende Entscheidung der beiden Jungunternehmer hatte offenbar keine monetären Gründe. Umso mehr können Startup-Gründer von den beiden Amerikanern, die Facebook die Stirn boten, lernen.



Fotos und Videos verschicken, die sich nach maximal 10 Sekunden wieder löschen: das ist Snapchat. Die 2011 begründete App erfreut sich mittlerweile enormer Beliebtheit, von 400 Millionen verschickten Bildern täglich ist die Rede. Dabei sind es vor allem Jugendliche, die die vermeintliche Sicherheit des Programms meist zum „Sexting“ nutzen, dem Versenden erotischer Aufnahmen. Tatsächlich gibt es sehr wohl Möglichkeiten, die automatische Selbstzerstörung der Fotos zu umgehen bzw. die Aufnahmen wiederherzustellen. Doch das steht auf einem anderen Blatt.

Früh erkannte Facebook das Snapchat-Potenzial

Tatsache ist: Bereits im Dezember 2012 erkannte Mark Zuckerberg Snapchat als potenziellen Konkurrenten für Facebook. Damals soll laut dem US-Wirtschaftsmagazin „Forbes“ Zuckerberg an Evan Spiegel in einer E-Mail herangetreten sein und um einen Besuch gebeten haben. Spiegel habe abgelehnt und Zuckerberg zu sich nach Los Angeles bestellt. Dort soll Zuckerberg ihm und Mitgrüner Murphy unmissverständlich zu verstehen gegeben haben, dass Facebook Snapchat „plattwalzen“ werde.

Facebook hatte offenbar kalte Füsse bekommen, da es zu jener Zeit an einer ganz ähnlichen App namens „Poke“ arbeitete – welche sich als Flop erwies und heute nicht einmal mehr unter den Top 1’000 Apps in iTunes zu finden ist. Unbeeindruckt von der Zuckerbergschen Drohkulisse fuhren Spiegel und Murphy mit ihrer Arbeit fort. Nur um ein knappes Jahr später den Facebook-Gründer wieder auf der Matte stehen zu haben.



Diesmal wollte Zuckerberg nicht einschüchtern, sondern kaufen. Die rekordverdächtige Summe von drei Milliarden US-Dollar bot er für Snapchat, dabei wären je 750 Millionen für Spiegel und Murphy persönlich herausgesprungen. Die beiden lehnten ab. Das Angebot sei „nicht interessant genug“ gewesen, begründete Spiegel die Entscheidung gegenüber Forbes lapidar. Das Magazin mutmasst jedoch, dass die Summe nicht das Problem gewesen sei – sondern ideologische Gründe.

Evan Spiegel im November 2013. (Bild: cellanr / Wikimedia / CC)

Evan Spiegel im November 2013. (Bild: cellanr / Wikimedia / CC)




David wehrt sich gegen Goliaths Repressalien

Snapchat soll wohl unabhängig bleiben, und nicht im Datenkraken-Reich des Giganten Facebook aufgehen. Spiegel und Murphy gelingt mit ihrer Haltung (bisher), was sowohl die Gründer von Instagram als auch die von Tumblr nicht schafften. Die Analogie zur biblischen Geschichte kommt nicht von ungefähr: Auch Goliath schüchterte die Israeliten mit markigen Sprüchen so ein, wie es Zuckerberg tat. Snapchat ist scheinbar chancenlos gegen den Riesen – und zeigt ihm doch eine lange Nase.

Dazu gehört natürlich Mut, aber vor allem eine totale Überzeugung von dem, was man macht. Denn das schnelle Geld hätten die Snapchat-Gründer schon verdienen können. Doch sie erwarten weiteres Wachstum, sowohl zahlenmässig als auch in der Reife der App. Eine Übernahme von Snapchat durch Facebook wäre wahrscheinlich der Innovations-Tod für das kleine Programm gewesen. Seine Macher möchten es aber zu etwas Grösserem und Besseren heranwachsen sehen, als es heute ist. Sie glauben an ihre Idee.

Man sollte nicht den Fehler machen, Spiegel und Murphy allzu altruistische Motive zu unterstellen. Wahrscheinlich werden auch sie irgendwann zulangen, wenn ihnen die Zeit reif erscheint, und über Nacht zu Milliardären werden. Dennoch verdient ihre Kühnheit Respekt. Startup-Gründer können hier lernen: Wer voll hinter seinem Projekt steht, kann es nicht nur weit bringen. Er kann sich sogar gegen Anbiederungsversuche der Branchen-Platzhirsche wehren, und muss nicht zusehen, wie seine geniale Idee als Schosshündchen eines Grosskonzerns endet. Echter Innovationsgeist, garniert mit einer Prise rebellischem Idealismus: Vielleicht ist es wieder an der Reihe, zu den Wurzeln unternehmerischen Denkens zurückzukehren.



 

Titelbild: Screenshot snapchat.com


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