Forum in St.Gallen setzt Impulse für resiliente Kreislaufwirtschaft

Am „Forum zur Zukunft der Land- und Ernährungswirtschaft“ trafen sich am Mittwoch im HSG Square 130 Vertreterinnen und Vertreter aus Landwirtschaft, Industrie, Handel, Politik und Forschung. Ihr gemeinsames Ziel: die Kreislaufwirtschaft in die Praxis bringen, gemeinsam ins Handeln kommen. Mitorganisiert wurde die Circular Lab Konferenz vom IOL Institut für Organisation und Leadership der OST – Ostschweizer Fachhochschule.

Den Auftakt machten Prof. Dr. Karolin Frankenberger, Dean der Executive School HSG und Mitinitiantin des Circular Lab, und Prof. Dr. Oliver Christ vom IOL Institut für Organisation und Leadership der OST – Ostschweizer Fachhochschule. Sie zeigten, warum Kreislaufwirtschaft heute wichtig ist. Frankenberger sprach über neue Geschäftsmodelle und Zusammenarbeit und plädierte „für eine langfristig resiliente und überlebensfähige Wirtschaft“. Christ betonte die Bedeutung von regionaler Wertschöpfung und Kooperation über Branchen hinweg. Er erinnerte daran, dass bereits sieben der neun Planetaren Grenzen überschritten seien. „Es braucht eine Land- und Ernährungswirtschaft, welche die Natur stärkt und nicht schwächt“, sagte Christ.

In den ersten Beiträgen wurde es konkret: Bio-Gemüsebauer Simon Vetter (Vetterhof, Lustenau) zeigte, wie Kreisläufe in der Natur funktionieren – und was die Landwirtschaft davon lernen kann. „Nachhaltige Lösungen kommen in 50 shades of green“, sagte Vetter und erinnerte daran, dass unser gesamtes Überleben von fünf Zentimeter Erdkruste abhängt. Dr. Fabian Takacs, Co-Leiter des Circular Lab und Postdoc Researcher an der Universität St.Gallen, erklärte, wie diese Prinzipien in Unternehmen umgesetzt werden können. „Es braucht neue Geschäftsmodellinnovationen, die sich an der Kreislaufwirtschaft orientieren und die zerstörerischen linearen ‚Take-Make-Use-Waste‘-Systeme verlassen“, sagte Takacs, der zu diesem Thema eben ein Buch veröffentlichte („Der Circular Economy Navigator“, Hanser-Verlag).

Problem erkannt, aber noch nicht auf Kurs

Auch Handel und Industrie brachten ihre Sicht ein. Patrick Erny, Direktor der Swiss Retail Federation, beschrieb die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Vor vier Jahren habe sich der Detailhandel auf eine branchenübergreifende Lösung vereinbart, mit dem Ziel, bis 2030 die Lebensmittelverluste um 50 Prozent (gegenüber dem Jahr 2017) zu verringern. „Wir sind noch nicht auf Kurs“, gab Erny zu. Als Zwischenziel habe man eine Reduktion von Minus 5 Prozent erreicht, Minus 25 Prozent waren geplant.

Christopher Rohrer, Leiter Direktion Nachhaltigkeit & Wirtschaftspolitik der Migros-Gruppe, sprach über die gemeinsame Verantwortung entlang der ganzen Wertschöpfungskette. Er erinnerte daran, dass die Konsumentinnen und Konsumenten in der Mitverantwortung stünden, da rund zwei Drittel als Präferenzverluste anfielen.

Wertschöpfungskette im Geschäftsmodell berücksichtigen

Beni Dürr, Gründer und Eigentümer der Verdunova AG in Sennwald, zeigte Beispiele aus der Praxis, während Urs Riedener, CEO der Emmi Group, die Rolle grosser Unternehmen betonte. „Wir müssen Nachhaltigkeit als Wert definieren, denn über Werte wird nicht verhandelt“, sagte Dürr und Riedener ergänzte, dass „Nachhaltigkeit ein integraler Bestandteil eines verantwortungsbewussten Geschäftsmodell“ sein müsse.

Aus der Politik kamen weitere Impulse: Nationalrat Mike Egger (SVP/SG) forderte praktikable Lösungen, die wirtschaftlich funktionieren. Er kritisierte den „politischen Übereifer“ bei der Regulierung. Nationalrat Hasan Candan (SP/LU) betonte die ökologische und soziale Verantwortung – insbesondere bei der Subventionspolitik: „Es gibt 160 Subventionen, die die Biodiversität schädigen.“ Alleine in der Landwirtschaft werde dabei ein Schaden von 7.68 Milliarden Franken pro Jahr angerichtet, den die Allgemeinheit trage.


Rund 130 Interessierte informierten sich am Mittwoch an der Circular Lab Konferenz über nachhaltige Lösungen für die Land- und Ernährungswirtschaft. Die Circular Lab Konferenz wurde durch das Interreg VI „Alpenrhein-Bodensee“ gefördert, mit Mitteln vom Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung und vom Schweizer Bund.

Neue Ideen und Fragen

Am Nachmittag wurde gemeinsam gearbeitet. In Themenräumen diskutierten Fachleute wie Cordula Kreidl (MitMach Region Vorarlberg-Alpenrhein) und Götz Feeser (Presencing Institute) über die Grundlagen eines nachhaltigen Wirtschaftens. Ursina Krähenmann (foodwaste.ch) und Claudio Beretta (ZHAW) zeigten Wege zur Reduktion von Food Waste. Fabian Takacs (Circular Lab HSG) und Steffen Finck (FH Vorarlberg) öffneten den Raum für neue Ideen und Fragen.

Parallel dazu zeigten Unternehmen konkrete Lösungen: David Schmidmeyer (vertical farming institute), William Beiskjaer (UpGrain), Doris Erne (Wheycation) und Aline von Jüchen (Circunis) gaben Einblicke in ihre Arbeit.

Durch den Tag führt David Kübler, Dozent für Marketing und Kommunikation an der ZHAW. Er verband die verschiedenen Beiträge und stellte immer wieder die zentrale Frage: Wie kommen wir ins Handeln?

Kreislaufwirtschaft ist möglich – wenn man wollte

Zum Abschluss diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik gemeinsam auf dem Podium – darunter Oliver Christ (OST), Carole Küng (Sustainable Development Solutions Networks Schweiz), Simon Vetter (Vetterhof), Urs Riedener (Emmi Group), Patrick Erny (Swiss Retail Federation), Meret Schneider (GRÜNE/ZH) und Mike Egger (SVP/SG). Die Botschaft war klar: Lösungen gibt es viele. Jetzt geht es darum, sie gemeinsam umzusetzen. Der Wandel hin zu einer Kreislaufwirtschaft ist möglich – wenn alle zusammenarbeiten und ideologische Gräben überspringen. Doch spätestens beim Thema Einkauf war es mit der Einigkeit vorbei: Während Patrick Erny argumentierte, dass die Konsumierenden wissen, was sie wollen und der Retail nicht als Erzieher auftreten dürfe, konterte Meret Schneider, dass der Detailhandel ja bereits als Erzieher fungiere, indem er mit Aktionen (Erdbeeren im Winter, Spargeln im Februar) Anreize für den Konsum setze.

Das Circular Lab ist ein interdisziplinärer Forschungs- und Praxisverbund mit dem Ziel, die Kreislaufwirtschaft in der Vierländerregion Bodensee voranzubringen. Als zentraler Hub für zirkuläre Innovation und wirtschaftsnahe Nachhaltigkeit entwickelt das Lab gemeinsam mit Unternehmen, Hochschule und weiteren Akteurinnen und Akteuren, praktikable Ansätze zur Umsetzung zirkulärer Wertschöpfung, insbesondere in der Textilbranche sowie in der Land- und Ernährungswirtschaft. Das Konsortium umfasst mehrere Hochschulen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie innovative Unternehmenspartner. Von Juni 2023 bis Mai 2027 wird das Circular Lab durch das Programm Interreg VI „Alpenrhein-Bodensee“ gefördert, dessen Mittel vom Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) und vom Schweizer Bund zur Verfügung gestellt werden.

 

Quelle: OST
Bildquelle: Luca Rosso

Publireportagen

Empfehlungen