Diversität in der Start-up-Finanzierung: Frauen in Osteuropa noch stark unterrepräsentiert

Eine Klage gegen Insight Partners rückt die ungleiche Förderung von Gründerinnen in Europa ins Licht – besonders in Osteuropa herrscht Nachholbedarf.

Eine kürzlich eingereichte Klage, in der eine ehemalige Präsidentin von Insight Partners – einem führenden Venture-Capital-Unternehmen – das Unternehmen wegen Geschlechterdiskriminierung und weiterer Missstände verklagt, lenkt die Aufmerksamkeit auf die anhaltenden Herausforderungen, denen Frauen in der Investmentbranche und anderen männerdominierten Feldern begegnen. Investoren warnen: Besonders in Ländern Mittel- und Osteuropas (CEE) hinkt die Vielfalt in der Start-up-Finanzierung weit hinterher.

Laut aktuellen Daten von Pitchbook haben europäische Unternehmen, die von Frauen gegründet oder mitgegründet wurden, 2023 einen geringeren Anteil am gesamten Deal-Volumen erhalten als in den Jahren zuvor.

In einigen CEE-Ländern bleibt die Finanzierung von Start-ups unter weiblicher Führung extrem selten. Seit 2008 erhielten von Frauen gegründete Start-ups in Europa insgesamt 8,8 Milliarden Euro in 5’933 Finanzierungsrunden – basierend auf dem Sitzland der Unternehmen. Doch in Ländern wie Serbien, Lettland, Kroatien, Slowenien und der Ukraine sind öffentlich angekündigte VC-Investitionen in Unternehmen unter weiblicher Leitung weiterhin die Ausnahme.

Auch wenn Unternehmen mit zumindest einer weiblichen Mitgründerin berücksichtigt werden, liegen die CEE-Staaten klar hinter west- und nordeuropäischen Ländern zurück.

Laut Daiva Rakauskaite, Managerin bei Aneli Capital, einem auf CEE-Start-ups spezialisierten Fonds, liegt ein Hauptgrund im geringen Anteil weiblicher Gründerinnen in der Region.


„VC ist nach wie vor eine beziehungsgetriebene Branche, die von Männern dominiert wird. Deals bleiben oft innerhalb männlicher Netzwerke. In CEE sind viele Investoren konservativer eingestellt, und es gibt weniger Gründerinnen – das schränkt die Chancen auf Förderung ein. Frauen sollten mutiger in VC-nahe Sektoren vordringen. Studien zeigen: Divers aufgestellte Teams schaffen mehr Wert. Das eröffnet die Chance, noch mehr Einhörner zu schaffen.“ Daiva Rakauskaite Managerin, Aneli Capital

Mehrere Studien belegen den Nutzen von Frauen-geführten oder divers besetzten Fonds und Unternehmen. Laut einem Bericht des Milken Institute steigern VC-Firmen mit 10 Prozent mehr weiblichen Investment-Entscheidern ihren Erfolg auf Portfolio-Ebene und erzielen 9,7 Prozent mehr rentable Exits. Eine Studie von Grant Thornton hebt hervor, dass Diversitätsstrategien nicht nur Innovation fördern, sondern auch kulturelle Vorteile mit sich bringen.

Rakauskaite betont, dass Investoren und Start-ups in Osteuropa stark von diversitätsfreundlichen Anlagestrategien profitieren könnten. Entscheidend sei jedoch die Gesamtqualität der Teams – nicht das Geschlecht allein.


„Start-up-Gründer sollten auf Resultate fokussieren und zeigen, dass alle Geschlechter gleich wichtig sind für die Zukunft der Branche. Talent erkennt man an der Stärke des Teams, an Vision und Umsetzungskraft – nicht am Geschlecht.“ Daiva Rakauskaite Managerin, Aneli Capital

Auch abseits der Start-up-Szene bleiben Frauen in Führungspositionen stark unterrepräsentiert. Der aktuelle McKinsey-Report zeigt: Seit elf Jahren sinkt der Frauenanteil in der Führungsetage nicht. In der Chefetage (C-Level) liegt er bei lediglich 29 Prozent.

Probleme zeigen sich häufig schon beim Einstieg ins Berufsleben. So werden laut Report nur 21 Prozent der Berufseinsteigerinnen ermutigt, sich mit Künstlicher Intelligenz (KI) auseinanderzusetzen – bei den Männern sind es 33 Prozent. Kein Wunder, dass nur 37 Prozent der Frauen glauben, KI werde ihrer Karriere helfen – im Vergleich zu 60 Prozent aller Angestellten.

Für Rakauskaite ist klar: Die Zukunft der Diversität liegt in der Hand der Führungskräfte.


„Führungskräfte haben die Verantwortung, die Entwicklung ihrer Teams in jedem Bereich zu fördern – ob im VC, im Investment oder in der Wirtschaft. 2026 müssen wir nicht nur den Status quo infrage stellen, sondern aktiv ein Umfeld schaffen, in dem Talente unabhängig vom Geschlecht gleichermassen anerkannt und gefördert werden. Das schafft echten Mehrwert.“ Daiva Rakauskaite Managerin, Aneli Capital

 

Quelle: Pitchbook, Milken Institute, McKinsey, Grant Thornton
Bildquelle: Aneli Capital

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