PostCourage: So können Pöstler interne Straftaten und Ethikverstösse melden

Verdacht auf Wirtschaftsdelikte oder Verstösse gegen den Verhaltenskodex der Post: In solchen Fällen können sich die Mitarbeitenden der Post an die Meldestelle PostCourage wenden. Eine Meldestelle, welche die Post seit mehr als 10 Jahren betreibt.

Esther Brändli, Leiterin Konzernrevision Post, erklärt im Interview, warum die Post ein solches Whistleblowingsystem braucht und wie es konkret eingesetzt wird.

PostCourage. So heisst die Meldestelle der Post, an die sich Mitarbeitende bei Bedarf wenden können. Doch warum braucht es überhaupt so eine Plattform?

Esther Brändli: Wir betreiben PostCourage seit dem Jahr 2011. Damit bieten wir den Post-Mitarbeitenden eine sichere, unabhängige und auf Wunsch auch anonyme Plattform. Hier können sie mögliche Straftaten und Ethikverstösse, oder auch Verstösse gegen den Verhaltenskodex melden. Die Anonymität bietet den Mitarbeitenden zusätzliche Sicherheit. Beispielsweise in Fällen, in denen direkte Vorgesetzte involviert sind und sich Mitarbeitende nicht trauen, mit Namen eine Meldung zu verfassen.

Seit 2011. Das sind über 10 Jahre! Wie hat sich denn die Plattform in dieser Zeit entwickelt?

Fest steht: In dieser Zeitspanne ist die Plattform immer bekannter geworden und die Mitarbeitenden haben über die Jahre immer mehr Vertrauen in PostCourage gewonnen. Das sieht man auch in der Anzahl Meldungen. Waren es zu Beginn noch wenige Meldungen im einstelligen Bereich, so haben uns im letzten Jahr 60 Meldungen erreicht. Wir nehmen jede einzelne Meldung ernst und prüfen sie sorgfältig. Egal ob ein Verdacht anonym oder nicht anonym gemeldet wird: Wir gehen äusserst vorsichtig mit den Informationen um. Und ganz wichtig: Bei unseren Untersuchungen schützen wir neben der Person, die die Meldung erfasst hat, stets auch die Person beziehungsweise die Personen, die beschuldigt werden.

Wie genau funktioniert diese Plattform und wer seitens Post liest und bearbeitet die Meldungen?

PostCourage läuft nicht über die firmeneigenen Server der Post, sondern über die geschützten Server der externen Firma EQS Group, die auf den Betrieb von vertraulichen und anonymen internen Meldesystemen spezialisiert ist. Alle Meldungen gelangen über eine sichere Verbindung an speziell autorisierte Mitarbeitende der Konzernrevision der Post. Die Konzernrevision ist eine unabhängige Stelle innerhalb der Post und rapportiert direkt an den Verwaltungsrat. Falls erforderlich, kann die Konzernrevision zusätzlich speziell autorisierte Personen aus den Geschäfts- und Funktionsbereichen der Post zur Einsichtnahme berechtigen.


Esther Brändli ist Leiterin Konzernrevision Post. Zu ihren Aufgaben gehört es, Verstössen nachzugehen, die über die Plattform PostCourage gemeldet werden.

Kommen wir nochmals auf die Anzahl Fälle zu sprechen: Wie steht denn die Post im Vergleich mit anderen Firmen da?

Im Vergleich zu anderen Schweizer Grossfirmen in der Schweiz liegen wir bei der Post mit der Anzahl der gemeldeten Fälle im Durchschnitt. Dies zeigt auch eine Studie, die jährlich von der Fachhochschule Graubünden herausgegeben wird und die interessante Informationen und Kennzahlen von Whistleblowing-Systemen in der Schweiz, Deutschland, Frankreich und Grossbritannien liefert.

Konnte man denn dank der Plattform auch schon Missstände aufdecken?

Ja, wir konnten schon einige Missstände aufdecken. Zum Beispiel konnten wir aufgrund einer externen Meldung einen Interessenskonflikt aufdecken. Konkret war ein Mitarbeiter befangen, da er Waren von einer Firma bezog, in der ein naher Verwandter von ihm eine hohe Stellung innehatte. Daher war er nicht unabhängig und unvoreingenommen bei der Wahl der Firma. Es lag also ein Interessenskonflikt vor. Der Mitarbeiter hatte diese Tatsache gegenüber seinem Vorgesetzten nicht transparent gemacht, obwohl das der Verhaltenskodex der Post verlangt. Denn wir wollen vermeiden, dass ein Lieferant ungerechtfertigterweise bevorzugt wird oder von finanziellen Vorteilen gegenüber seinen Konkurrenten profitiert. Als Konsequenz haben wir die Mitarbeitenden in diesem Bereich alle geschult und auf das Thema ‚Interessenskonflikte‘ sensibilisiert. Weitere erfolgte Meldungen betrafen etwa die Themen Führung, Arbeitszeit- und sicherheit oder Datenschutz.

Welche Bedeutung hat PostCourage für die Post?

Einerseits ist es uns wichtig zu zeigen, dass wir bei der Post keine rechtlichen oder ethischen Verstösse tolerieren. Andererseits wollen wir eine Kultur der Offenheit und Transparenz leben. Wie erwähnt schliesst das aber nicht aus, dass es manchmal Fälle gibt, in denen sich Mitarbeitende sicherer fühlen, wenn sie sich anonym melden können. Zum Beispiel, weil der direkte Vorgesetzte involviert ist. Deshalb macht eine Whistleblowing-System für die Post absolut Sinn. Es fördert nicht zuletzt auch das Vertrauen ins Unternehmen. Übrigens: Es gab auch schon die Befürchtung, die Plattform werde missbraucht, etwa um einen Kollegen schlechtzumachen. Nach meiner Erfahrung ist das nicht so. Die Mitarbeitenden nutzen PostCourage, um etwas zu verbessern.

 

Quelle: Die Schweizerische Post
Artikelbild: Symbolbild © Ewa Studio – shutterstock.com

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