Den Aktienmärkten steht eine harte Woche bevor

02.11.2020 |  Von  |  Finanzen, News

Die Finanzmärkte haben eine harte Woche hinter sich und eine noch härtere vor sich. Das heisst nicht, dass die Kurse weiter fallen werden, aber die Unsicherheit und damit die Kursschwankungen werden gross bleiben.

Die letzte Woche liess Erinnerungen an den März aufkommen, als sich die Anleger panikartig von ihren Aktien trennten und der Dow Jones Industrials Index an einem Tag mehr als 10% einbüsste.

Die innertäglichen Stimmungswechsel waren in den letzten Tagen markant. Der Dow Jones verlor und gewann mehrere Hundert Punkte innert Minuten. Der Handel war aber immer geordnet. Dennoch büssten die meisten Aktienindizes im Wochenvergleich zwischen 4% und 7% ein.

Die kommende Woche wird die Nerven der Anlegerinnen und Anleger auf eine harte Probe stellen. Im Zentrum stehen die Wahlen in den USA. Nach den Erfahrungen von 2016 ist die Unsicherheit trotz scheinbar klaren Umfragewerten zu Gunsten von Joe Biden hoch. Am Ende wird nur eine kleine Minderheit in wenigen Staaten entscheiden, wer Präsident wird.

Aufgrund des hohen Anteils von brieflich abgegebenen Stimmen ist gut möglich, dass am Mittwoch noch nicht bekannt ist, wer gewonnen hat. Je länger die Ungewissheit aber dauert, desto grösser ist die Gefahr von juristischen Auseinandersetzungen und auch von Unruhen auf den Strassen. Beides wäre für die Börse eine Belastung. Für die Anleger ist das beste Szenario ein klares Resultat, das am Mittwoch bereits feststeht. Dabei spielt es keine so grosse Rolle, ob Trump oder Biden gewinnt. Nach heftigen, aber kurzen Kursbewegungen würde sich der Aktienmarkt beruhigen, da die Ungewissheit, ob es zu einer ungeordneten Lage bis hin zu einer gefährlichen Krise kommt, vom Tisch ist.

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2. Welle Corona-Pandemie

Der andere grosse Unsicherheitsfaktor ist die zweite Welle der Corona-Pandemie. Nachdem die Wirtschaft nach dem Lockdown überraschend schnell wieder Fahrt aufgenommen hat, ist die Gefahr eines neuerlichen Rückschlags im vierten Quartal gross. Täglich werden irgendwo neue Massnahmen und Einschränkungen zur Eindämmung der Ansteckungen beschlossen.

Dabei ist es schwierig, den Überblick zu behalten, was jetzt wo gilt und welche Auswirkungen das auf die Wirtschaft haben kann. Die Massnahmen bis hin zu lokalen oder teilweisen Lockdowns sind aber differenzierter und damit deutlich weniger schädlich für die Wirtschaft als diejenigen im Frühling. Das geht in der Flut der negativen Meldungen verloren. Ebenso wie die Tatsache, dass die Einschränkungen, zumindest bis jetzt, vor allem Europa betreffen und mit China und den USA die beiden grössten und wichtigsten Treiber der Weltwirtschaft kaum betroffen sind. Gerade in China schreitet die wirtschaftliche Erholung munter voran. Die Unsicherheit betreffend Corona wird die Aktienmärkte insbesondere in Europa aber noch längere Zeit belasten.

Quartalsergebnisse

Dazu kommt der übliche Meldungsfluss, der die Börsen bewegt. Die Serie der Unternehmen, die ihre Quartalszahlen präsentieren, geht weiter. Die Fed wird am Mittwoch ihren geldpolitischen Entscheid präsentieren und am Freitag stehen die neuen Arbeitsmarktzahlen in den USA auf dem Programm. Im aktuell aufgeheizten Umfeld werden diese Meldungen einen asymmetrischen Einfluss auf die Märkte haben. Positive Überraschungen werden verhallen während Enttäuschungen wie diejenige von Apple letzte Woche als «Beweis» für die schlechte Lage hinhalten müssen und die Anleger weiter verunsichern.

Die Aktienmärkte stehen vor einer turbulenten Woche. Die Erfahrung zeigt aber, dass politische Ereignisse langfristig einen geringen Einfluss auf die Börse haben. An die negativen Corona-Meldungen wird man sich gewöhnen. Ihre Auswirkungen werden dadurch abnehmen. In den USA wird zudem nach den Wahlen ein neuerliches Hilfspaket für die Überwindung der Corona-Schäden rasch wieder ein Thema werden. Sollte es zu weiteren Verlusten an den Aktienmärkten kommen, wäre das eine gute Gelegenheit, sich für die Zeit nach Corona zu positionieren und Aktien dazuzukaufen.

 

Titelbild: Immersion Imagery – shutterstock.com

Über Dr. Thomas Stucki

Dr. Thomas Stucki ist CIO der St.Galler Kantonalbank. Herr Stucki hat einen Abschluss mit Doktorat in Volkswirtschaft von der Universität Bern und ist CFA Charterholder. Er führt bei der St.Galler Kantonalbank das Investment Center mit rund 30 Mitarbeitenden. Er ist verantwortlich für die Verwaltung von Kunden-mandaten und Anlagefonds im Umfang von CHF 4,4 Milliarden. Zuvor war er als Leiter Asset Management der Schweizerischen Nationalbank verantwortlich für die Verwaltung der Devisenreserven.


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